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Schwerin Tesch spült Schulprüfungen weich

Von Thomas Volgmann | 05.02.2010, 03:03 Uhr

Gute Nachrichten für schlechte Schüler: Bildungsminister Henry Tesch (CDU) senkt die Anforderungen bei Abschlussprüfungen zum Erreichen der Mittleren Reife.

Bislang hatten Realschüler ihren Abschluss am Ende der 10. Klasse nur in der Tasche, wenn in allen Prüfungsfächern End noten erzielt wurden, die mindestens "ausreichend" waren. Neu ist von diesem Schuljahr an, dass eine Abschlussprüfung auch dann als bestanden gilt, wenn ein Prüfungsfach mit der Note 5 "mangelhaft" bewertet wurde.

An diese Neureglung, die der Minister bereits in einem Mitteilungsblatt veröffentlicht hat, erinnert in diesen Tagen ein Rundschreiben aus seinem Haus an die Leiter der Staatlichen Schulämter in Greifswald, Schwerin, Rostock und Neubrandenburg. In dem Brief heißt es in der Begründung: "Zu der Änderungsverordnung im laufenden Schuljahr haben wir uns entschlossen, da im Zusammenhang mit der Prüfung zur Mittleren Reife des Schuljahres 2008/2009 vermehrt Elternbeschwerden über die Bestehensbedingungen in der Prüfung eingingen und ein Vergleich mit den Regelungen anderer Länder ergab, dass wir in unserem Land weitaus strengere Maßstäbe als die übrigen Länder anlegen."

Bildungsexperten wie die Landesvorsitzende der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW), Annett Lindner, kritisieren die neue Verordnung heftig. "Den Schülern wird damit signalisiert, dass sie sich für die Abschlussprüfung nicht mehr wie bisher anstrengen müssen. Das halte ich für falsch," sagte die GEW-Vorsitzende. Besser wäre es aus Sicht der Gewerkschaft, die Qualität des Unterrichts zu verbessern, um die Zahl der Schüler ohne Abschluss zu reduzieren.

Auch Andreas Bluhm, bildungspolitischer Sprecher der Linksfraktion im Schweriner Landtag, spricht von einem "falschen Signal". Er kritisiert, dass mit der Verordnung lediglich die Statistik geschönt werde. Jährlich verlassen etwa 1500 Schüler ohne anerkannte Abschlüsse die Bildungseinrichtungen des Landes. Deren Anteil an der Gesamtschülerzahl ist einer der höchsten im Bundesgebiet. Diese Quote werde durch das Aufweichen der Prüfungsbestimmungen zwar gesenkt. "An der Bildungsqualität ändert sich damit aber nichts", sagte Bluhm.

Harry Klink, Mitglied des Landesfachausschuss Bildung der FDP, verweist darauf, dass Notenverordnungen in allen Klassenstufen seit langem aufgeweicht werden. "Über Jahre konnten Schüler ihre Note 5 beispielsweise in Physik durch zwei Noten 3 in Fächern wie Kunst und Sport ausgleichen und damit in die nächst höhere Klassenstufe versetzt werden", sagte Klink. Die Sitzenbleiberquote in der Statistik gehe damit zurück, doch die Schüler werden dennoch nicht klüger. Klink spricht von "getürkten Zeugnissen".

Der Landeselternrat schlägt eine Veränderung der neuen Prüfungsverordnung vor. "Grundsätzlich kann man mit der neuen Regelung zufrieden sein, aber Deutsch und Mathematik müssen davon ausdrücklich ausgenommen werden", sagte Torsten Werner, vom Landeselternrat in Neubrandenburg. In diesen Fächern sollte mindestens ein "ausreichend" Bedingung für die Erlangung der Mittleren Reife sein.

In Mecklenburg-Vorpommern werden in diesem Jahr voraussichtlich 3530 Realschüler zur Abschlussprüfung der 10. Klasse antreten.