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In Südtirol und der Schweiz Vier Deutsche sterben bei Lawinen-Unglücken

Von dpa | 29.12.2019, 09:13 Uhr

Durch eine Lawine in Südtirol sterben eine Frau und zwei Mädchen. In der Schweiz gibt es ein weiteres Todesopfer.

Bei einem Lawinenabgang in Südtirol sind eine Frau und zwei siebenjährige Mädchen aus Deutschland ums Leben gekommen. Ein Mann und sein elfjähriger Sohn - ebenfalls aus Deutschland - wurden bei dem Unglück gegen Samstagmittag verletzt, wie ein Sprecher der Carabinieri in Bozen der Deutschen Presse-Agentur am Abend bestätigte. In der Schweiz wurde ein Mann in Begleitung seines Sohnes von einer Lawine verschüttet.

Nach Angaben der Bergwacht in Südtirol wurden dort am Sonntag keine Menschen mehr vermisst. Die Suche nach möglichen Verschütteten werde daher nicht fortgesetzt, sagte ein Sprecher der Bergwacht im Schnalstal der Deutschen Presse-Agentur am Sonntag.

Die Polizei hat nach eigenen Angaben bisher keine Hinweise, dass das Schneebrett von Tourengehern abseits der Piste ausgelöst wurde. Es habe sehr starken Wind und einen Temperaturanstieg gegeben, sagte ein Sprecher der Carabinieri am Sonntag der Deutschen Presse-Agentur. Dies begünstigt eine natürliche Auslösung von Lawinen. Die Staatsanwaltschaft sei für Ermittlungen am Unglücksort.

Todesopfer aus Thüringen und Nordrhein-Westfalen

Ein Sprecher des Auswärtigen Amtes bestätigte am späten Samstagabend, dass es sich bei den Toten um drei Deutsche handelt. Weitere Angaben machte er nicht.

Die 25-jährige Frau und eines der Mädchen stammen dem Carabinieri-Sprecher zufolge aus Hauteroda (Kyffhäuserkreis) in Thüringen, das andere Mädchen aus Eschweiler in Nordrhein-Westfalen. Die Menschen seien auf einer Piste im Schnalstal westlich von Meran unterwegs gewesen, als sich die Lawine am Samstagmittag auf einer Höhe von etwa 3000 Metern löste und in das tiefer gelegene Skigebiet raste.

Vater und Sohn im Krankenhaus

Die Frau aus Hauteroda und das Mädchen aus Eschweiler konnten laut Polizei nur noch tot aus der Lawine geborgen werden. Das andere Mädchen wurde schwer verletzt mit dem Rettungshubschrauber in ein Krankenhaus in Trient gebracht, wo es am Samstagabend seinen Verletzungen erlag.

Der Vater und sein Sohn, die ebenfalls aus Eschweiler stammen, wurden in ein Krankenhaus in Meran gebracht. Der Sender Rai Südtirol berichtete unter Berufung auf die Bergrettung, dass das Schneebrett 200 Meter breit und einen Kilometer lang war.

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Zum Zeitpunkt des Unglücks keine Lawinengefahr

Laut dem Sprecher der Carabinieri bestand keine Lawinengefahr. Allerdings herrschte zum Zeitpunkt des Unglücks starker Wind, und es hatte einen Temperaturanstieg gegeben.

Die italienische Nachrichtenagentur Ansa zitierte den Chef der Schnalstaler Gletscherbahnen, dass man keine Lawinengefahr gesehen habe. Sonst hätte man die Piste nicht freigegeben. Es sei aber nicht auszuschließen, dass Skiläufer abseits der Piste die Lawine ausgelöst hätten. Die italienische Zeitung "La Repubblica" berichtete außerdem von einem weiteren Lawinenabgang am Samstag in einem Skigebiet am Hirzer (Punta Cervina) in den Sarntaler Alpen, ebenfalls Südtirol. Ein italienischer Skialpinist sei von der Lawine mitgerissen, aber von seinen Kameraden geborgen worden. Er wurde in ein Krankenhaus in Bozen gebracht.

Minister Scheuer kondoliert Verunglückten

Verkehrsminister Andreas Scheuer (CSU) soll nach Informationen der "Bild am Sonntag" noch am Samstagabend Angehörige der Verunglückten aufgesucht haben, um Ihnen zu kondolieren. Demnach machte Scheuer in derselben Region in Südtirol Urlaub. Ein Sprecher des Verkehrsministeriums bestätigte, dass der Minister privat in dem Ort gewesen sei. Verteidigungsministerin Annegret Kramp-Karrenbauer (CDU) teilte via Twitter mit: "Meine Gedanken und mein Mitgefühl sind bei den Angehörigen und den Freunden aller Opfer dieses furchtbaren Unglücks." Die gestorbene Frau sei Soldatin gewesen.

Weiteres deutsches Lawinenopfer in der Schweiz

In der Schweiz wurde ebenfalls am Samstag ein deutscher Tourengänger von einer Lawine verschüttet. Er starb einige Stunden später. Wie die Polizei am Sonntag mitteilte, erlag der 55-Jährige im Krankenhaus in Bern seinen Verletzungen. Der Mann aus Baden-Württemberg war mit seinem Sohn auf dem Weg zum Stieltihorn, unterhalb der Station Gandegg verließen sie dabei die Skipisten. Auf einer Höhe von etwa 2700 Metern wurde der Vater von einer Lawine mitgerissen.

Sein Sohn alarmierte daraufhin die Rettungskräfte, ortete seinen Vater mit einem Suchgerät und begann, ihn freizuschaufeln. Die Rettungskräfte konnten den Mann aus einer Tiefe von zwei Metern bergen. Er wurde schwer verletzt mit dem Helikopter ins Inselspital nach Bern geflogen, wo er am Samstagabend starb.