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Tief „Barbara“ über Norddeutschland Sturm, Hagel, Unfälle im Minutentakt

Von Redaktion svz.de | 27.12.2016, 07:35 Uhr

Die Weihnachtstage in Mecklenburg-Vorpommern sind mit Sturm und Hagel zu Ende gegangen. Dabei gab es auch einige Unfälle.

Sturm und Hagel haben am zweiten Weihnachtsfeiertag mehrere Unfälle in Mecklenburg-Vorpommern verursacht und Bäume umstürzen lassen.

Bei einer Karambolage auf der vereisten Autobahn 14 bei Schwerin sind zwei Menschen verletzt worden. Nach einem Hagelschauer am Montagabend sei die Fahrbahn mit Eis bedeckt gewesen, teilte die Polizei mit. Mehrere Wagen kamen deshalb im Bereich der Anschlussstelle Schwerin-Nord Höhe Zittow ins Schleudern und stießen zusammen. Insgesamt fünf Autos waren in den Unfall verwickelt, vier mussten anschließend abgeschleppt werden. Die zwei verletzten Insassen kamen ins Krankenhaus.

Tief "Barbara" über Norddeutschland

Wer bei Sturmschäden zahlt

Meinung – Mareile Jenß
Ab wann wird von einem Sturmschaden gesprochen?

Von einem Sturm wird dann gesprochen, wenn es ein Wind ab 62 Stundenkilometern oder Windstärke 8 gewesen ist. Hat dieser dann einen Schaden an Wohngebäuden und Hausrat angerichtet, so haben wir einen Fall für die entsprechende Versicherung.

Dem Seewetterdienst zufolge kam es an der Ostseeküste vereinzelt zu Böen der höchsten Stufe 12 mit bis zu 120 Stundenkilometern.

Sturm, Hagel, Unfälle im Minutentakt 

Die Windstärken im Überblick:

Wer kommt für die Schäden auf?

Im Grunde sind es drei Versicherungen, die bei Folgeschäden von Stürmen greifen: Die Wohngebäudeversicherung, wenn es Schäden am Gebäude selbst sind; die Hausratversicherung, wenn es Schäden am Hausrat, also allem, was beweglich im Haus ist, sind; die Teilkaskoversicherung, wenn es Schäden am Auto sind, weil zum Beispiel ein Baum darauf gefallen ist.

Ist dieser Versicherungsschutz ausreichend?

Der vollgelaufene Keller ist mit diesen drei Versicherungen nicht abgesichert. Am besten wäre hier eine Elementarschadenversicherung. Sie schützt Eigentümer und Mieter vor den finanziellen Folgen von Naturgewalten.

Diese Versicherung haben jedoch die Wenigsten.

Vermutlich ja. Sie ist in bestimmten Regionen auch sehr teuer. Viele interessieren sich zwar dafür, treten aber davon zurück, wenn sie hören, wie viel sie kostet. Gerade wer in Lübeck an der Trave oder in Hamburg an der Elbe wohnt, muss mit hohen Kosten rechnen, weil diese Versicherung nach sogenannten Risikozonen eingeteilt wird. Wer in einer entsprechend hoch eingestuften Risikozone wohnt, muss demnach auch viel zahlen.

Was raten Sie in diesem Fall?

Überschwemmungsfälle sind Elementarschäden, die abgesichert werden können und - sofern bezahlbar - auch sollten. Elementarschadenversicherungen sind daher sinnvoll. Es gibt deshalb auch immer wieder Forderungen nach einer Pflichtversicherung für diesen Bereich, weil Wetterschäden in den vergangenen Jahrzehnten zugenommen haben. Jede Elementargefahr kann auch einzeln in der Hausrat- oder Wohngebäudeversicherung aufgenommen werden. So zum Beispiel Rückstau. Voraussetzung ist, dass es zuvor einen Sturmschaden gegeben hat.

Was gilt, wenn ein Baum vom eigenen Grundstück auf das Grundstück eines Nachbarn fällt?

Hier haben wir das Problem, dass die Haftpflichtversicherung verschuldensabhängig ist. Der Baumbesitzer muss also irgendeinen Fehler begangen haben, damit die Versicherung einspringt. Zum Beispiel, wenn er versäumt hat, einen morschen Baum jedes Jahr begutachten zu lassen - dann kann er haftbar gemacht werden. Bei großen Schäden durch Stürme ab Windstärke 8 wird jedoch angenommen, dass der Baum ohnehin entwurzelt worden wäre. In der Regel kommt es hier daher nicht auf Verschulden an und insofern zahlt die Haftpflicht dann nicht. Ist der Baum auf das eigene Grundstück gefallen, kann es sein, dass die eigene Wohngebäudeversicherung zahlt. Hier kommt es jedoch auf die Vertragsbedingungen an.

Was müssen von einem Sturmschaden betroffene Eigentümer oder Mieter tun?

Juristisch gilt die Schadensminderungspflicht. Sie sollten also dafür Sorge tragen, dass der Schaden nicht größer wird. Ist also zum Beispiel ein Loch im Dach, müssen sie es mit einer Plane abdecken. Grundsätzlich gilt: den Versicherer anrufen, Fotos oder Filme machen, die den Schaden dokumentieren, und Nachbarn hinzuziehen, die im Zweifel belegen wie der Schaden wirklich ausgesehen hat.

Wie lange können Ansprüche geltend gemacht werden?

Auch das hängt wieder von den Vertragsbedingungen ab. Gesetzlich können Ansprüche immer bis zu drei Jahren geltend gemacht werden. In der Regel müssen die Ansprüche jedoch meist unverzüglich geltend gemacht werden. Wer den Schaden dennoch zu spät meldet, riskiert seinen Versicherungsschutz. Bei Schäden, die erst nach Monaten festgestellt werden, gilt ab Kenntnis des Schadens.
Zum Kommentar

Um 19:50 Uhr ereignete sich ebenfalls aufgrund der Straßenglätte ein weiterer Verkehrsunfall auf der A14, diesmal in Höhe der Anschlussstelle Jesendorf.  Hier geriet ein Pkw in die Leitplanke und blieb auf dem Seitenstreifen stehen. Nach kurzer Zeit war die Fahrbahn von den Fahrzeugteilen beräumt und wieder für den Verkehr freigegeben.  Die Fahrzeugführerin blieb unverletzt, musste ihren Pkw jedoch ebenfalls abschleppen lassen.

Am frühen Abend gegen 20:35 Uhr kam es auf winterglatter Fahrbahn auf dem Westzubringer der A20 zwischen den Abfahrten Kritzmow und Zoo zu einem weiteren Zusammenstoß zweier Pkw. Es blieb beim Sachschaden an beiden Fahrzeugen. Als Unfallursache wurde das Nichtbeachten der Witterungsverhältnisse vermerkt.

Aus Richtung Stettin kommend kollidierte gegen 21:05 Uhr die Fahrerin eines Pkw VW Passat aus Lübeck mit der Mittelschutzplanke auf der A 20 auf Höhe Satow. Hierbei entstand ein Sachschaden in Höhe von etwa 3000 Euro an dem Fahrzeug. Ursache für diesen Unfall war ebenfalls das Nichtbeachten der Witterungsverhältnisse.

Gegen 20:45 Uhr ereignete sich auf der A 19 ein weiterer Sachschadensunfall. Hier fuhr zunächst der Rostocker Fahrer eines Kleinbus Fiat aus Richtung Wittstock kommend beim Überholvorgang in die Mittelschutzplanke und blieb dort stehen. Ein nachfolgender Fahrer eines Pkw Audi mit Hamburger Kennzeichen fuhr anschließend über die auf der Fahrbahn liegenden Fahrzeugteile des verunfallten Kleinbusses und wurde hierdurch beschädigt. Beide Fahrzeuge waren nicht mehr fahrbereit und mussten abgeschleppt werden. Der entstandene Sachschaden beläuft sich auf geschätzt 5000 Euro. Die Insassen der Fahrzeuge blieben unverletzt.

Seit den frühen Nachmittagsstunden des 2. Weihnachtsfeiertages tobte über dem Bereich des Polizeipräsidiums Rostock ein Sturm mit teilweise orkanartigen Böen und vereinzelt auftretenden Hagelschauern. In diesem Zusammenhang meldeten sich seit 13:30 Uhr immer wieder Bürger am Polizeinotruf, die umgestürzte Bäume auf der Straße, umherfliegende Verkehrsschilder und Bauzäune, aber auch durch herabgestürzte Äste und Bäume beschädigte Fahrzeuge meldeten.

Insgesamt gingen 41 derartige Notrufe bei der Einsatzleitstelle des PP Rostock ein, die an die Rettungsleitstellen der Landkreise bzw. das Brandschutz- und Rettungsamt in Rostock weitergeleitet wurden.

Die Schwerpunkte bildeten hier die Landkreise Ludwigslust-Parchim mit 11, sowie der Landkreis Nordwestmecklenburg mit 17 Einsätzen. Aber auch die Feuerwehren im Landkreis Rostock hatten mit 11 weitergeleiteten Einsätzen gut zu tun. Vereinzelt kam es bis zur Beräumung der Straßen zu kurzzeitigen Sperrungen.

Glück hatte in Sternberg ein Ehepaar, welches nach einem Spaziergang auf ihrem Pkw einen Baum fand. Die Kameraden der Sternberger Wehr kamen zum Einsatz.

Das hätte schlimmer enden können: In Ludwigslust hat am Montagabend ein umstürzender Baum ein fahrendes Auto getroffen. Der Fahrer wurde dabei leicht verletzt, er begab sich später selbstständig in ärztliche Behandlung. Der Vorfall ereignete sich gegen 18:30 Uhr auf der Bundestraße 5 in der Grabower Alle. Eine Sturmbö hatte den Baum umgeweht, der daraufhin  die Motorhaube eines vorbeikommenden PKW  traf. Dabei entstand Sachschaden in Höhe von mehreren Tausend Euro.

Unverletzt blieb auch eine Autofahrerin, die am Montagnachmittag mit ihrem Wagen auf der B 5 bei Vellahn mit einem großen Ast zusammenprallte. Der Ford der Frau wurde dabei beschädigt.

Aktuell gibt es im Zuständigkeitsbereich des PP Rostock keine Straßensperrungen aufgrund von Sturmschäden mehr.

Am 26.12.2016 in der Zeit von ca. 17:00 Uhr bis 27.12.2016 04:00 Uhr wurden im Bereich des Polizeipräsidiums Neubrandenburg 11 Verkehrsunfälle, die mit den Witterungsverhältnissen im Zusammenhang standen, und mehrere umgestürzte Bäume, welche Fahrbahnen blockierten, registriert.

Personen wurden bei den Verkehrsunfällen und durch umgestürzte Bäume bislang nicht verletzt. Es entstand ein Gesamtsachschaden infolge der Verkehrsunfälle von ca. 66.500 Euro. Die von Bürgern gemeldeten umgestürzten Bäume wurden an die jeweils zuständigen Rettungsleitstellen der Landkreise weitergeleitet. Durch die Feuerwehren wurden die Bäume beseitigt. Im Verlauf der Räumungsarbeiten kam es vereinzelt zu kurzzeitigen Sperrungen der jeweiligen Straßen.

Bei Grimmen löste sich am Dienstagmorgen wegen des Windes ein leerer Baucontainer von einem Lastwagen. Ein nachfolgender Pkw wurde beschädigt.

Im Zeitraum von 18:45 Uhr bis 19:30 Uhr ereigneten sich gestern allein auf der A20 zwischen den Anschlussstellen Altentreptow und dem Parkplatz Demminer Land vier Verkehrsunfälle. Bereits während dieser Zeit gab es Sturmböen und auftretende Glätte, welche durch Hagel- und Schneeschauer verursacht wurde. Als hauptsächliche Ursache bei allen vier Verkehrsunfällen auf der A20 wurde eine unangepasste Geschwindigkeit der Fahrer an die bestehenden Straßen- und Witterungsverhältnisse verzeichnet. So kam ein Audi A6 durch eine Windböe von der Fahrbahn ab und tuschierte eine Leitplanke. Dabei entstand ein Sachschaden von ca. 5.000 EUR. Ein BMW kam ebenfalls von der Fahrbahn ab und beschädigte unter anderem einen Wildschutzzaun. Dabei entstand ein Sachschaden von ca. 23.000 Euro.

Kurz vor der Anschlussstelle Werder/Grischow geriet ein PKW Opel ins Schleudern und kam quer zur Fahrbahn zum Stehen. Ein Ford musste ausweichen und kollidierte dadurch mit der Leitplanke. Hier wurde ein Sachschaden von ca. 6.000,00 EUR registriert. Im Weiteren musste der Fahrer eines Mercedes Vito, welcher auf Höhe der Anschlussstelle Werder in Fahrtrichtung Stettin unterwegs war, nach einem Überholvorgang abbremsen, weil das vor ihm fahrende Fahrzeug ebenfalls bremste. Dadurch brach das Heck des Fahrzeugs aus und es geriet auf die Bankette und beschädigte letztlich einen Wildzaun samt Pfosten. Der Sachschaden beträgt hier ca. 21.500,00 EUR.

Darüber hinaus ereigneten sich im Bereich des PP Neubrandenburg mehrere Verkehrsunfälle, bei denen Fahrzeuge durch herabstürzende Äste beschädigt wurden oder die Fahrer gegen umgestürzte Bäume fuhren.

In Teilen der Prignitz gab es am gestrigen Abend weiterräumig Stromausfälle, die erst nach Stunden behoben wurden. Auch in MV, so in Mestlin, war die Energieversorgung zeitweise zusammengebrochen. Etwa 6700 Menschen, verteilt im gesamten Netzgebiet, seien zeitweise ohne Strom gewesen, teilte die Wemag am Dienstag mit. Schwerpunkte waren demnach der Raum Perleberg/Wittenberge (Brandenburg) und das Umland von Bützow (Landkreis Rostock).

Im Bahnverkehr gab es bis in den Vormittag hinein erhebliche Behinderungen. Ein Vielzahl von Zügen fielen aus oder hatten teils erhebliche Verspätungen. Die Bahnstrecke zwischen Neubrandenburg und Stralsund war heute wegen Unwetterschäden unterbrochen. Busse fuhren als Ersatzverkehr. Die Störung sollte laut Bahn bis in die Abendstunden andauern.

Im Hafen von Lohme auf Rügen sank im Sturm ein Sportboot. Einige Fähren zur Insel Hiddensee fielen aus, ebenso mehrere Ostsee-Fähren ab Rostock.

Sturmtief „Barbara“ sorgte nach Informationen von Ostseewelle Hit-Radio Mecklenburg-Vorpommern auch für Schäden im Wolgaster Tierpark. Ein Baum fiel auf die Gehege der Waschbären und Silberaffen, wie der Sender am Dienstag berichtete. Den Tieren gehe es gut, der Tierpark sollte am Dienstag dennoch geschlossen bleiben.

Eine Sturmflut setzte in der Nacht zum Dienstag in Hamburg einige Straßen und den Fischmarkt in St. Pauli Wasser. Dem Lagezentrum der Polizei zufolge lag der Scheitelpunkt des Hochwassers 2,73 Meter höher als das mittlere Hochwasser. Am Dienstagmorgen waren die Überschwemmungen weitgehend wieder abgelaufen, hieß es weiter.

Mittlerweile hat der Deutsche Wetterdienst alle bestehenden Unwetterwarnungen vor orkanartigen und Orkanböen an der Küste aufgehoben. Es wird jedoch weiter vor Sturmböen an der Küste gewarnt.