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Schulgesetz in MV Streit um Mittlere Reife für Gymnasiasten

Von Iris Leithold | 03.11.2019, 20:00 Uhr

Der Philologenverband spricht sich für eine Anerkennung der Mittleren Reife ohne Prüfung aus.

Eine geplante Änderung des Landesschulgesetzes, wonach Gymnasiasten die Mittlere Reife künftig nach der elften Klasse automatisch bekommen sollen, ruft Widerspruch des Philologenverbandes hervor. „Da kann man nur noch fassungslos den Kopf schütteln“, erklärte der Vorsitzende des Philologenverbandes Mecklenburg-Vorpommern, Jörg Seifert, am Sonntag. „Schüler an der regionalen Schule erhalten die Mittlere Reife nach zehn, Gymnasiasten nach elf Jahren.“

Wer als Schüler am Gymnasium in Klasse elf versetzt werde, habe vier Jahre lang die höheren Anforderungen in dieser Schulart erfolgreich gemeistert. Das müsse ausreichen, um ihm die Mittlere Reife bereits zu diesem Zeitpunkt ohne Prüfung zuzuerkennen, forderte Seifert.

Grünes Licht vom Bildungsausschuss

Schüler an regionalen Schulen müssen hingegen eine Prüfung am Ende der zehnten Klasse absolvieren. Bisher können Gymnasiasten, die vor dem Abitur die Schule verlassen wollen, nach der zehnten Klasse ebenfalls an einer zentralen Prüfung zur Mittleren Reife teilnehmen. Mit der geplanten Gesetzesänderung, für die der Bildungsausschuss des Landtags bereits grünes Licht gegeben hat, sollen die Lehrer entlastet werden.

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Die geplante Neuregelung im Schulgesetz könne gravierende Folgen für den Einzelnen haben, warnte Seifert. „Ein Schüler, der aus welchem Grund auch immer das Gymnasium in der elften Klasse verlässt, geht ohne den Abschluss der Mittleren Reife, sondern mit der Berufsreife, mit der er die meisten Facharbeiterberufe nicht erlernen kann.“ Er könne auch nicht aufs Fachgymnasium wechseln, weil er dafür auch die Mittlere Reife benötige. In den meisten anderen Bundesländern werde den Gymnasiasten bei Versetzung in Klasse elf die Mittlere Reife automatisch zuerkannt, so Seifert.