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Eingriff in die Privatsphäre Stefan Nimke als "gläserner Sportler"

Von Martina Kasprzak | 14.12.2010, 07:29 Uhr

Die Nationale Anti-Doping-Agentur (Nada) und der Datenschutz - eine ewige Diskussion. Datenschützer stört die Meldepflicht der Sportler rund um die Uhr und das Prozedere bei Dopingkontrollen der Nada.

Am Wochenende traten mal wieder die Datenschützer auf den Plan. In diesen Tagen treffen sich Vertreter der Nationalen Anti-Doping-Agentur (Nada) mit Vertretern aus Rheinland-Pfalz und Nordrhein-Westfalen in Düsseldorf. Ein vertrauliches Dokument hat im Vorfeld für Unruhe gesorgt. Die Datenschützer stört vor allem die Meldepflicht rund um die Uhr und das Prozedere bei Dopingkontrollen der Nada. Diese seien "rechtswidrig" behaupten die Datenschützer. Eine Diskussion, die sich schon seit zwei Jahren hinzieht, aber immer wieder gern aus aktuellem Anlass aufgefrischt wird.

"Das ist ein ganz heikles Thema. Gerade wir, die im Testpool sind, sind ständig unter Kontrolle. Wenn wir nicht angeben, wo wir uns befinden, dann haben wir ein Problem", sagt Bahnrad-Olympiasieger Stefan Nimke aus Schwerin. Er fühlt sich schon wie der so genannte "gläserne Sportler, der fasst schon durchsichtig ist". Denn es geht ja nicht nur um Bereiche, die seinen Sport betreffen, sondern auch um sein Privatleben. "Wenn ich mit meiner Familie mal spontan irdendwo hinfahren will, muss ich das der Nada mitteilen", so Nimke. Schon allein ein außerplanmäßiger Besuch auf dem Weihnachtsmarkt (!) mit seinen beiden Töchtern Luise und Charlotte sowie Ehefrau Marlen ist meldepflichtig…

Dass da die Datenschützer und die Sportler von einem Eingriff in die Privatssphäre sprechen, ist durchaus nachzuvollziehen. "Ich glaube kaum, dass sich das ein Bürger gefallen lassen würde." Stefan Nimke muss über das ADAMS (Anti-Doping Administration & Management System) bei der Nada anmelden, wo er sich zu welchem Zeitpunkt an welchem Ort befindet. "Wenn du bei Wettkämpfen bist, oder bei irgendwelchen Trainingslehrgängen, ist das nicht so das Problem. Kompliziert wird es, wenn du zu Hause trainierst."

"Du kannst schnell mal vergessen, dich umzumelden"

Nur ein Beispiel: Er will morgens zwei Stunden Straßentraining absolvieren, hat das auch der Nada gemeldet. Dann regnet es in Strömen, er verschiebt sein Training um zwei, drei Stunden und ist dann eben nicht dort zu erreichen, wie er es angegeben hat. "Da kannst du mal schnell vergessen, dich umzumelden. Ich habe auch schon einen Misstest, weil ich es total verdüst habe", gibt Nimke offen zu. In diesem Jahr wurde er zu Hause sechsmal kontrolliert. "Das ist ein Zufallsprinzip." Er weiß zum Beispiel von seinem Nationalmannschaftskollegen Maximilian Levy (Cottbus), "dass der viel öfter dran war".

Für die Spitzensportler gilt zudem, dass sie im Voraus über drei Monate jeden Tag eine genaue Stunde zwischen 6 und 23 Uhr angeben müssen, wo sie zu erreichen sind. Der aktuelle Teamsprint-Weltmeister gibt erst einmal immer pauschal die Zeit von 22 bis 23 Uhr an. "Da bin ich eigentlich immer zu Hause", so Nimke, der von vielen Kollegen weiß, dass sie eben auch erst einmal die Zeiten pauschal angeben. Ändern kann man immer noch - wenn man es nicht vergisst. Das setzt aber voraus, dass die Sportler - egal wo sie sich befinden - über einen Internetzugang verfügen, damit sie sich über das ADAMS mit ihren Zugangsdaten in ihre Meldeliste einloggen können. "Wir witzeln ja schon, dass wir uns einen Chip einpflanzen lassen können, dann können die uns überall zu jeder Zeit gleich orten. Und wir hätten nicht den ganzen Zirkus."

Nimke gesteht aber auch ein, "dass wir Sportler uns mittlerweile daran gewöhnt haben. Aber ich denke, dass die Pflichten mit den Rechten im Grundgesetz konform sein müssen", so der Teamsprint-Olympiasieger von 2004 in Athen, der überhaupt nichts gegen Kontrollen hat. "Ich will ja auch nicht als jemand dastehen, als wäre ich gegen den Anti-Doping-Kampf - ganz im Gegenteil. Wir sagen uns aber auch: Wer manipulieren will, der schafft das auch trotz des Kontrollsystems der Nada."

Alles völligen Quatsch bezeichnet Nimke folgendes Argument: "Die Sportler unterwerfen sich diesem System ja freiwillig, damit sie ihren Sport unter fairen Bedingungen ausüben können", sagt Michael Vesper, Generaldirektor des Deutschen Olympischen Sportbundes (DOSB). "Freiwillig ist etwas Anderes. Uns wird die Pistole auf die Brust gesetzt. Wir sind ja genötigt die Athletenvereinbarung zu unterschreiben. Wenn ich das nicht mache, bekomme ich keine Lizenz, so einfach ist das . Und das wars dann mit meinem Sport."