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Tempolimit Städte richten Tempo-30-Zonen ein

Von Joachim Mangler | 19.12.2016, 05:00 Uhr

Vor den meisten Kitas und Schulen gelten in MV bereits Geschwindigkeitsbegrenzungen. Fahrer verstoßen häufig gegen Tempolimit

Tempo-30-Zonen mögen für manche Autofahrer lästig sein, doch für die Sicherheit von Fußgängern und Radfahrern sind sie wichtig. Dank einer neuen Gesetzgebung könnten es künftig noch ein paar mehr werden.

Städte in MV begrüßen die vom Bund vereinfachte Einrichtung solcher Zonen. Demnach kann vor Schulen, Kitas und Seniorenheimen auch auf Durchgangsstraßen leichter Tempo 30 verhängt werden. „Bisher haben wir reagiert, wenn es Unfälle gab. Zukünftig wollen wir präventiv agieren“, sagt etwa der Rostocker Verkehrssenator Holger Matthäus (Grüne). Gemeinsam mit der Polizei sei inzwischen ein erster Konzeptentwurf ausgearbeitet worden.

Vor den Neustrelitzer Schulen sind nach Angaben der Stadt bereits meist Tempo-30-Zonen eingerichtet. Nur vor der Musikschule sei es noch nicht so, doch die Ausweisung sei bereits vorgesehen, sagte eine Sprecherin. Auch gebe es noch eine Kita ohne Verkehrsberuhigung, dort sei aber das Gefahrenzeichen „Achtung Kinder“ aufgestellt. Auch bei drei Altenheime gebe es keine Tempo-Einschränkungen – allerdings auch keine Beanstandungen.

„Temporeduzierungen erhöhen maßgeblich die Verkehrssicherheit“, betont die Geschäftsführerin der Landesverkehrswacht, Andrea Leirich. Es gebe immer wieder Anfragen von Schulen, die das gerne durchsetzen wollten. Deren Wünsche würden nun mit der neuen Regelung vereinfacht. „Bei 50 Kilometer pro Stunde fängt einer an zu bremsen, wo der mit Tempo 30 schon steht“, lautet ihr Wahlspruch. „Ich bin überzeugt, dass es irgendwann so viele Tempo-30-Zonen geben wird, dass dann Tempo 30 als Regelgeschwindigkeit innerorts gilt – mit Ausnahmen beispielsweise der großen Durchgangsstraßen.“ Auch der ADAC Hansa begrüße das neue Gesetz, wie Sprecher Christian Hieff sagt. Denn mit der neuen Regelung würden Hemmnisse abgebaut.

Bislang hätten die Kommunen warten müssen, bis ein Unfall passiert, um handeln zu können. Von einem generellen Tempo 30 hält er aber nichts, da sich sonst der Verkehr in die kleineren Straßen verlagere, wenn sie die kürzere Verbindung darstellen.

Leirich und Hieff sehen jedoch beide das Problem, dass Tempo 30 auch vor Schulen, Kitas und Seniorenheimen viel zu wenig beachtet wird. Bei stichpunktartigen Kontrollen habe der ADAC feststellen müssen, dass in diesen sensiblen Zonen die Zahl der Verstöße teilweise bei 60 Prozent gelegen habe – selbst in den kritischen Zeiten, wenn Kinder unterwegs sind. Man müsse schauen, dass die Geschwindigkeit eingehalten wird, sagte Hieff. „Ohne Kontrolle geht nichts“, fügt Leirich mit Blick auf Polizei und Ordnungsbehörden hinzu.

„Die Stadt Neubrandenburg hat seit Jahren die Verkehrssicherheit der schwächeren Verkehrsteilnehmer im Fokus“, erklärt Sprecherin Kathleen Bötel. So läge die überwiegende Mehrzahl der Schulen und Kitas in Tempo-30-Gebieten. „Die sehr wenigen Einzelfälle, in denen noch keine geschwindigkeitsreduzierende Maßnahmen getroffen wurden, werden nach der angekündigten Gesetzesänderung unter den neuen Voraussetzungen geprüft.“ Die Landeshauptstadt Schwerin verweist darauf, dass es nur noch eine Kita und eine Schule gibt, die nicht in Tempo-30-Gebieten liegen. Weitere Maßnahmen seien nicht erforderlich beziehungsweise geplant, sagt Sprecherin Michaela Christen.

„Die Neuregelung zur Geschwindigkeitsreduzierung vor Schulen, Kitas und Seniorenheime wird für die Hansestadt Stralsund keine wesentlichen Auswirkungen haben“, erklärt Sprecher Peter Koslik. Die meisten Schulen und Kitas lägen schon in Tempo-30-Zonen oder in verkehrsberuhigten Bereichen. Wie es bei den Seniorenheimen aussieht, darüber gebe es keine Erhebung. Allerdings seien dort keine Verkehrssicherheitsprobleme bekannt.