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Übersicht Siedler schon lange vor der Slawenburg - Archäologisches Grabungsteam macht bei Lenzen interessante Funde

Von Petra Ferch | 24.10.2008, 05:14 Uhr

Lange bevor die Slawenburg in Lenzen errichtet wurde, siedelte das aus dem Osten kommende Volk in der Prignitz. Das brachten Grabungen am Rudower See in der Nähe von Lenzen jetzt zu Tage.

Lenzen - Archäologe Norbert Goßlar verweist auf verzierte Keramikscherben, die bei den Ausgrabungen in der Nähe des Forsthauses bei Lenzen gefunden wurden. Sie stammten aus frühslawischer Siedlungszeit „Ende des 7., spätestens Anfang des 8. Jahrhunderts“.

Doch das ist nicht der einzige Grabungserfolg, der hier im Rahmen des Forschungsprojektes „Slawen an der unteren Mittelelbe“ zu Tage trat. Der Mitarbeiter des brandenburgischen Landesamtes für Denkmalpflege zeigt die freigelegten Reste slawischer Grubenhäuser aus der Frühsiedlungszeit.

„Sie sind in der Regel schlecht nachweisbar wegen der Blockbauweise. Die Häuser brauchten keine Fundamente. Wenn das Holz im Laufe der Zeit verging oder aber die Häuser abbrannten, bleibt nichts übrig. Lediglich innerhalb der Häuser war der Fußboden eingetieft, und manchmal hielten Pfosten die Dachkonstruktion“, erklärt Goßlar. Und genau das fanden die Projektmitarbeiter am Rudower See.

Bereits 2006 hatte das Grabungsteam an dieser Stelle Scherben gefunden, bei kleineren Grabungen Überreste eines slawischen Grubenhauses. Daraufhin wurde der Untergrund des Areals mit geophysikalischen Prospektionsmethoden erkundet, also geomagnetisch der Boden untersucht. Auf Grundlage des so entstandenen Geomagnetik-Planes begann das Ausgrabungsteam im Sommer dieses Jahres erneut mit der Arbeit.

Die Funde sind für Goßlar äußerst interessant. Nicht nur, weil sie zeigen, dass es sich bei der besagten Fläche am Rudower See um eine recht große frühslawische Siedlung gehandelt haben muss, sondern weil sie auch einen weiteren interessanten Fakt geliefert hätten.

„Wir haben Ofenreste ausgegraben und dabei Schlacke gefunden, die bei der Metallverarbeitung entsteht. Vermutlich handelt es sich um Eisenschlacke. Die frühen slawischen Siedler betrieben also keineswegs nur Ackerbau und Viehzucht, sondern waren offenkundig auch handwerklich tätig“, verdeutlicht der Archäologe. Genauere Antworten werden die weiteren Untersuchungen der Fundstücke im brandenburgischen Landesamt in Wünsdorf ergeben.

Und das ganz sicher auch zu einem Überraschungsfund, den das Grabungsteam machte. Dem geomagnetischen Plan folgend wurde auch an einer weiteren Stelle der Boden aufgenommen. Doch ans Licht kamen dabei nicht die Reste eines weiteren Grubenhauses, sondern eines Ofens, der „wohl aus der Bronze- oder Eisenzeit, jedenfalls aus dem 1. Jahrtausend vor Christus stammt“, erklärt Goßlar.

Bezeichnend für diesen Fund sei vor allem die Größe dieses Ofens: 3,40 Meter lang und 2,40 Meter breit. „So etwas habe ich bisher noch nicht gesehen“, gesteht der Archäologe. Ebenso interessant ein kleines Gefäß mit einer Art gezacktem Rand, dessen Verwendungszweck bislang noch unklar sei.