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Schwerin Sellerings Geheimoperation

Von Andreas Frost;Thomas Volgmann | 09.09.2011, 08:38 Uhr

Unter größter Geheimhaltung plant Wahlsieger Erwin Sellering (SPD) sein neues Regierungsbündnis.

Konspirativ verliefen am Freitag die Sondierungsgespräche mit den Vertretern der CDU und der Linken.

Bis gestern Früh hieß es offiziell, die Verhandlungen würden im Schweriner Willy-Brand-Haus stattfinden, doch dort warteten die Journalisten am Morgen umsonst. Fragen nach dem neuen Ort blieben mit dem Verweis auf ein vereinbartes Stillschweigen wie ein großes Staatsgeheimnis unbeantwortet. Nichts sollte nach draußen sickern.

Nach Recherchen unserer Redaktion hatte Sellering für den gestrigen Tag im Seehotel Frankenhorst ein Besprechungszimmer von 9 bis 13 Uhr gemietet. Dort, im ehemaligen Gästehaus der SED, traf er gemeinsam mit SPD-Fraktionschef Norbert Nieszery und Bundes-Vize Manuela Schwesig auf die drei Vertreter der Union. CDU-Fraktionschef Harry Glawe hatte eine Flasche Rotwein, Bordeaux Jahrgang 1997, mitgebracht - ein Geburtstagsgeschenk für Nieszery, der gestern 51 Jahre wurde. Mit Glawe waren Landeschef Lorenz Caffier und Generalsekretär Vincent Kokert gekommen. Dann schloss sich die Tür. Später gefragt, ob es zur Neuauflage einer Koalition zwischen SPD und CDU komme, sagte Glawe: "Ich habe ein gutes Bauchgefühl." Caffier ergänzte: "Ein nettes Gespräch." Mehr wollte man nicht sagen.

Ein Termin für ein zweites Sondierungsgespräch zwischen den beiden Parteien ist nicht vereinbart worden, sickerte vor der CDU-Landesvorstandssitzung am frühen Nachmittag in Schwerin durch. Beide Parteien zogen sich weiter auf ihr vereinbartes Stillschweigen zurück. Große Geheimhaltung auch später über das Treffen am Nachmittag zwischen den SPD-Vertretern und Angelika Gramkow, Helmut Holter und Stefan Bockhahn von den Linken.

Erwin Sellering will vermeiden, dass vor dem 18. September ein Hinweis für eine Meinungsbildung in eine der beiden Richtungen an die Öffentlichkeit gelangt. Denn dann wählt Berlin. Mit Koalitionsfestlegungen im Nordosten soll der Wahlkampf der Sozialdemokraten in der Bundeshauptstadt nicht behindert werden.