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Schwerin Seelsorger: Polizei selbst in Not

Von Thomas Volgmann | 24.02.2010, 06:51 Uhr

Die Polizei - dein Freund braucht Helfer.

Nach Ansicht des evangelischen Polizeiseelsorgers Mecklenburg-Vorpommerns, Andreas Schorlemmer, arbeiten immer mehr Polizisten an ihrer psychischen und physischen Leistungsgrenze. "Erschöpfungssyndrome bei Beamten häufen sich", berichtete der Seelsorger gegenüber unserer Redaktion. Polizisten würden in Gesprächen mit ihm häufig über das Gefühl des Ausgebranntseins klagen.

Personalmangel durch anhaltenden Stellenabbau und wachsende Belastungen in schwierigen polizeiliche Lagen seien die Gründe, so Schorlemmer. Hinzu komme der vergleichsweise hohe Altersdurchschnitt der insgesamt 5238 Beamten im Vollzugsdienst des Landes, der sich auf die Belastbarkeit auswirke. Nach Angaben der Gewerkschaft der Polizei (GdP) hat sich die Zahl der psychischen und psychosomatischen Erkrankungen bei Polizeibeamten seit 2005 nahezu verdoppelt. Der Krankenstand bei Polizisten lag im vergangenen Jahr um 6,5 Prozent über dem Landesdurchschnitt. In vielen Revieren sei der Altersdurchschnitt mit 48 Jahren viel zu hoch. Die Gewerkschaft geht von 2000 fehlenden Polizisten in Mecklenburg-Vorpommern aus.

"Ein weiteres Problem ist die zunehmende Gewalt gegen Polizeibeamte", sagte Schorlemmer. Der Respekt vor der Polizei und ihrer Arbeit sinke. Dies führe auch dazu, dass die Hemschwelle zu Gewaltaten gegenüber Beamten niedriger sei als noch vor Jahren. Erst am Wochenende hatte ein angetrunkener Autofahrer in Bad Kleinen (Landkreis Nordwestmecklenburg) bei einer Verkehrskontrolle auf einen Polizisten eingeschlagen. Nur eine Woche zuvor war in Rostock ein Polizist bei der Messerattacke eines geistig Verwirrten, bei der zwei Menschen starben, schwer verletzt worden.

Schorlemmer sieht einen großen Bedarf an Seelsorge und psychologischer Betreuung in der Landespolizei. "Ich spüre, dass ich zunehmen wahrgenommen und auch angenommen werde", sagte der Pfarrer, der von Montag bis kommenden Freitag die diesjährige Konferenz der evangelischen Polizeiseelsorge in Schwerin leitet. Zu der Tagung sind 30 Kollegen aus dem gesamten Bundesgebiet angereist.

Polizeiseelsorger sind Ansprechpartner für Beamte unter anderem nach belastenden Einsätzen wie schweren Unfällen oder Auseinandersetzungen mit Schusswaffengebrauch. Der Bedarf an Seelsorge sei in ostdeutschen Bundesländern trotz atheistischer Prägung in den Dienststellen größer als das Angebot. "Seelsorge ist Zuwendung zu Beamten in schwierigen Situationen und wie ein erstes Auffangbecken", beschreibt Schorlemmer seine Arbeit, die in Mecklenburg-Vorpommern von den evangelischen Kirchen bezahlt wird.