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Kronskamp/Diekhof: Heute Tag des Schornsteinfegers Schornsteinfeger streicheln auch mal Seelen

Von Regina Mai | 20.10.2011, 09:52 Uhr

Es wird ein Arbeitstag wie jeder andere, denkt Steffen Thiel. Ob es einen Tag des Schornsteinfegers geben müsse? Er zuckt mit den Schultern und meint: "Warum nicht!"

Es wird ein Arbeitstag wie jeder andere, denkt Steffen Thiel. Ob es einen Tag des Schornsteinfegers geben müsse? Er zuckt mit den Schultern und meint: "Warum nicht!" Der 43-Jährige aus Carlsdorf ist gern Schornsteinfeger, sein Geselle Henri Mau (28) aus Teterow ebenso. Seit sieben Jahren ist Steffen Thiel Bezirksschornsteinfegermeister in einem Landkehrbezirk bestehend aus rund 35 Dörfern und der Kleinstadt Laage. Er schätzt den persönlichen Kontakt zu seinen Kunden. Gern verabschiede er sich mit dem Satz: "Bleiben sie gesund und munter. Bis zum nächsten Jahr." Und das würde er nicht nur so sagen, sondern auch so meinen. Räumlich gesehen handele es sich um einen sehr großen Kehrbezirk. Aber die Fahrerei störe beide nicht. "Ich habe schon mal drei Jahre in Rostock gearbeitet. Da kennt man seine Kunden zum Teil gar nicht", berichtet Steffen Thiel.

Das Kehren und Reinigen von Schornsteinen und die Messungen bei Öl- und Gasheizungen würden sich im Kehrbezirk ungefähr die Waage halten. Wobei in den vergangenen Jahren das Heizen mit Holz und Kohle wieder zugenommen habe. "Es ist eine interessante und verantwortungsvolle Arbeit", betont der 43-Jährige. Dass er sich kontinuierlich weiterbilden müsse, sieht er als Selbstverständlichkeit. Sein Tun ist in vielen Verordnungen geregelt: Landesbauordnung, Feuerungsverordnung. Bundesimmissionsschutz-Verordnung, Kehr- und Überprüfungsverordnung usw.

Bei 75 Messungen zehn Beanstandungen

Mit den Messungen erfolge eine flächendeckende Prüfung, betont Steffen Thiel. Mitunter habe er Diskussionen mit Kunden, die meinen, dass manches doppelt laufe, schließlich würden sie ihre Heizung durch eine Firma warten lassen. "Wir stellen unter anderem auch fest wie wirtschaftlich eine Anlage arbeitet, welche Abgasverluste auftreten", erklärt der Schornsteinfeger. Die Mängel würden notiert. Der größte Teil der Heizungsanlagen - rund 2500 im Kehrbezirk um Laage - sei stets in Ordnung. Bei rund 75 Messungen in der Woche, so schätzt Steffen Thiel ein, würden zehn beanstandet werden. Dann sei binnen sechs Wochen durch eine Fachfirma Abhilfe zu schaffen. Das wiederum werde kontrolliert. In Abhängigkeit von den Heizsystemen rücken Schornsteinfeger viermal im Jahr oder auch nur alle zwei Jahre einmal an. Auch das sei vorgeschrieben.

Die Entwicklung der Energiepreise sei ein beliebtes Diskussionsthema während der Arbeit. Aber auch Neuigkeiten aus dem Dorf dringen an das Ohr des Schornsteinfegers. Und manchmal sei er auch ein bisschen Seelsorger. Steffen Thiel entzieht sich dem nicht. In einem echten Landkehrbezirk gehöre das dazu.

Dabei sei er in den Beruf "eher hineingeschlittert", erzählt Steffen Thiel, der 1990 als Elektromonteur im Kieswerk Langhagen arbeitete und in Kurzarbeit geschickt worden war. Er sei damals mit dem Krakower Schornsteinfeger, der im Haus kehrte, über seine Situation ins Gespräch gekommen. Der habe ihm eine Umschulung zum Schornsteinfeger empfohlen. "Ich hätte damals nicht gedacht, wie interessant das Berufsbild des Schornsteinfegers ist. Aber ich wollte auf keinen Fall arbeitslos werden", erinnert sich der Carlsdorfer.