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Schmitz Cargobull Toddin Schonfrist für Fahrzeugwerk

Von ROTH | 20.06.2017, 21:00 Uhr

Schmitz Cargobull: Aufsichtsrat setzt Entscheidung über Werksschließung in MV bis Herbst aus

Der Streik der Toddiner Fahrzeugbauer zeigt Wirkung: Der Aufsichtsrat des Fahrzeugbauers Schmitz Cargobull hat gestern nach einer Krisensitzung im nordrhein-westfälischen Horstmar die vom Vorstand bereits beschlossene Schließung des Werkes in Toddin mit 120 Mitarbeitern ausgesetzt und den mecklenburgischen Beschäftigten eine Schonfrist gegeben. Die Entscheidung über das Konzept zur Produktion von Motorwagen- und Anhängeraufbauten sei auf Herbst verschoben worden, teilte Unternehmenssprecher Gerd Rohrsen gestern im Anschluss an das Spitzentreffen mit. Zunächst solle die ergebnisoffene Prüfung aller Standorte fortgesetzt werden. Die Toddiner Belegschaft war gestern in einen unbefristeten Streik getreten und hatte am Tagungsort in Horstmar nochmals gegen die Standortschließung protestiert. Bei einer Urabstimmung am Montag hatte nahezu die gesamte Belegschaft für Streiks gestimmt. Der Unternehmensvorstand hatte ohne Zustimmung des Aufsichtsrates ursprünglich die Schließung des Toddiner Werkes zum September 2018 beschlossen und damit massive Proteste in der Region und der Landespolitik ausgelöst. Die Produktion sollte trotz voller Auftragsbücher und einer profitablen Fertigung offenbar nach Litauen verlegt werden, hatte der Betriebsrat kritisiert.

Belegschaft und Gewerkschaften bewerten die gestrige Entscheidung als Teilerfolg: Es gebe „einen deutlich sichtbaren Lichtblick“ für Toddin, sagte IG Metall-Sekretär Hans-Georg Frericks gestern: „Die Kuh ist vorerst vom Eis.“ Bis zum Herbst sollen die Kostenstrukturen aller Standorte noch einmal unter die Lupe genommen werden. Die Toddiner rechnen sich dabei gute Chancen aus: Der Standort könne bei den Kostenstrukturen gut mithalten – angesichts der höheren Transportkosten und der Qualitätseinschränkungen selbst mit dem Standort in Litauen, sagte Frericks.

Vorerst steht die Fertigung im Fahrzeugwerk Toddin aber weiter still: Der Streik werde zunächst fortgesetzt, sagte Frericks. Die Beschäftigten pochten nach wie vor auf den Abschluss eines Standortsicherungs- und Sozialtarifvertrages. Eine entsprechende Vereinbarung müsse auch Investitionszusagen enthalten, forderte Frericks.

Rückendeckung erhielt die Belegschaft erneut von der Linken-Landtagsfraktion: Es sei ein Unding, dass die Werksschließungen am Betriebsrat vorbei beschlossen worden war, ohne andere Lösungen in Betracht zu ziehen, kritisierte der wirtschaftspolitische Sprecher der Linksfraktion, Helmut Holter: Die Konzernleitung dürfe sich Alternativen zu einer Schließung nicht verweigern.