Ein Angebot des medienhaus nord

Politik MV Schlammschlacht vor Parteigründung

Von ROLL | 19.01.2018, 20:45 Uhr

AfD-Fraktionsvize rückt künftigen BMV-Chef in rechtsextreme Ecke

Am Sonnabend soll die Partei „Bürger für Mecklenburg-Vorpommern“ gegründet werden. Am Freitag bahnte sich eine Schlammschlacht zwischen dem möglichen Vorsitzenden in spe, Michael Bertram, und früheren Parteikollegen von der AfD an. Nach Angaben von AfD-Landtags-Fraktionsvize Ralph Weber, soll Bertram während seiner Zeit in der AfD in einem Nachrichtenchat Hitler- und Hakenkreuzbilder verschickt haben. Auch der Staatsschutz habe gegen den Unternehmer aus Greifswald ermittelt, schrieb Weber gestern auf Facebook.

Ähnliche Schilderungen über eine vermeintliche Nähe Bertrams zum Rechtsextremismus werden auch in einem Internetblog verbreitet. Demnach soll der ehemalige AfD-Mann in einer WhatsApp-Chatgruppe am 20. April, dem Geburtstag von Adolf Hitler, ein Porträt des Diktators mit Hakenkreuz und dem Schriftzug „Happy Birthday“ versendet haben. Auf Demonstrationen in Wolgast und Stralsund soll er außerdem neben NPD-Mitgliedern mitgelaufen sein.

Bertram wies die Vorwürfe gegenüber unserer Redaktion zurück. „Ich war Mitglied einer Chatgruppe in der letztes Jahr auf einmal Hitlerbilder auftauchten“, erklärte er. Er habe die Fotos aber weder erstellt und auch nicht verschickt. „Ich verabscheue alles rund um Adolf Hitler und seine Taten“, so Bertram. Die Fotos seien später für eine Anzeige gegen ihn benutzt worden. Das Verfahren sei eingestellt worden. Auch die angeblichen Kontakte zur rechtsextremen NPD dementierte Bertram. Er habe lediglich an Demonstrationen in Wolgast gegen die Schließung der Kinderklinik teilgenommen „an der sich wohl auch NPD-Mitglieder beteiligt haben“, so Bertram. Er distanziere sich ausdrücklich vom Rechtsextremismus.

Der Unternehmer aus Greifswald gilt als Anwärter für den Vorsitz in der neuen Partei „Bürger für Mecklenburg-Vorpommern“, die sich heute bei Greifwald gründen will. Ins Leben gerufen wird die Partei von einstigen AfD-Spitzenfunktionären wie dem ehemaligen Co-Landeschef Bernhard Wildt. Der Landtagsabgeordnete hatte einen Rechtsruck innerhalb der AfD beklagt und gründete im September 2017 zusammen mit drei Fraktionskollegen die Fraktion „Bürger für Mecklenburg-Vorpommern“.

Bertram hatte sein Amt im Landesvorstand der AfD einen Monat später niedergelegt und ebenfalls seinen Parteiaustritt erklärt. Der Gesamtzustand des AfD-Landesverbandes sei besorgniserregend. „Viele Funktionsträger der AfD sind mittlerweile so weit nach rechts gerückt, dass ein Unterschied zur NPD mittlerweile kaum noch erkennbar ist“, begründete er den Schritt seinerzeit. Die AfD solle zu einer NPD 2.0 umgebaut werden. Die von ehemaligen AfD-Parteikollegen lancierten Behauptungen über seine angebliche Nähe zum Rechtsextremismus bezeichnete er als Diffamierungskampagne.