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Rostock Sägemord: Freispruch für Philipp A. gefordert

Von Ise Alm | 28.10.2011, 10:53 Uhr

Im Prozess um eine tödliche Attacke mit einem Sägemesser hat die Verteidigung vor dem Landgericht Rostock Freispruch für den mutmaßlichen Haupttäter Philipp A. gefordert.

Im Prozess um eine tödliche Attacke mit einem Sägemesser hat die Verteidigung vor dem Landgericht Rostock Freispruch für den mutmaßlichen Haupttäter Philipp A. gefordert. Die Tat im September 2010, bei der der 41-jährige Altenpfleger Thomas K. starb, habe nicht ausreichend rekonstruiert werden können, viele Zweifel blieben, sagte der Verteidiger gestern. Die Anwältin des 25-jährigen zweiten Angeklagten Vladimir B. beantragte fünf Jahre Haft wegen Totschlags durch Unterlassung in einem minderschweren Fall. Die Angeklagten werden beschuldigt, im September 2010 Thomas K. die Kehle durchschnitten zu haben.

Ganz überraschend nutzte der bisher schweigsame Philipp A. die Gelegenheit zu einem umfangreichen "letzten Wort". Erneut bezichtigte er Vladimir B. der grausamen Tat. "Sie kennen ihn nicht, wenn er betrunken ist", wandte sich der Angeklagte an das Gericht. "Ich bin kein unbeschriebenes Blatt. Das kann ich nicht mehr ändern. Aber in Zukunft kann ich mich ändern." Zum Schluss entschuldigte er sich für Vladimir B. bei der Familie des Opfers.

Die gestern gehaltenen erneuten Plädoyers der Verteidiger waren erforderlich, weil sich Philipp A. erst nach Schließung der Beweisaufnahme bereit erklärt hatte, sich von einem psychiatrischen Sachverständigen begutachten zu lassen. Das Gutachten über Philipp A. habe allerdings keine neuen Sichtweisen ergeben, so die Verteidigerin des Mitangeklagten Vladimir B. Wie schon zuvor habe er ihrem Mandanten den Mord angelastet. Sie wertete die Aussagen von Philipp A. als reine Schutzbehauptung, um von seiner Tat abzulenken. Denn seine DNA-Spuren wurden an der Tatwaffe gefunden, er habe im Gutachtergespräch auch nur das eingeräumt, was schon in der Verhandlung erörtert worden war. Ihr Mandant Vladimir B. hingegen habe sich schuldig gemacht, weil er den Mord an Thomas K. nicht verhinderte - also Totschlag durch Unterlassen. Die Anwältin sah sogar Kennzeichen eines minderschweren Falls, wie Entwicklungsstörungen, Reifedefizite, zunehmende Reue.

Laut Verteidiger von Philipp A. gelang es dem Gericht in der Beweisaufnahme nicht, den Tathergang zu rekonstruieren. "Mein Mandant deckte die Tat auf und führte die Polizei an den Ort des Verbrechens. Wie sich jetzt herausstellt, lieferte er sich damit selbst ans Messer", argumentierte der Anwalt.

Philipp A. habe durch seine russische Herkunft und Sprachkenntnisse Zeit genug gehabt, Deutschland zu verlassen. Nach Meinung des Anwalts könne keine Verurteilung erfolgen, da keine unmittelbaren Beweismittel vorliegen. Er wandte sich besonders gegen die von der Staatsanwaltschaft geforderte Sicherungsverwahrung. "Es stimmt, mein Mandant ist erheblich vorbestraft. Auch wegen Gewalttaten", räumte er allerdings ein. Das Urteil gegen Philipp A. und Vladimir B. wird voraussichtlich am Freitag, 4. November, verkündet.