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Schwerin Rütteln an der SPD-Hochburg

Von Jochen Lange | 15.09.2009, 08:32 Uhr

Sieben Wahlkreise - eine Wahl. In anderthalb Wochen entscheiden 1,4 Millionen Mecklenburger und Vorpommern, welche Kandidaten das Land im Bundestag vertreten werden. Insgesamt 84 Kandidaten aus neun Parteien sowie Einzelbewerber buhlen um die Gunst der Wähler. In einer Serie stellen wir alle sieben Wahlkreise und viele Kandidaten vor. Heute: Schwerin-Ludwigslust

Der Ausgang der Stimmenabgabe im Wahlkreis Schwerin/Ludwigslust verspricht durchaus spannend zu werden. Und das, obwohl der Kreis seit fünfzehn Jahren Hochburg einer Partei ist: der SPD.

Hans-Joachim Hacker, der Kandidat der Sozialdemokraten, ist hier der Lokalmatador. Der 59-Jährige vertritt seit 1990 die Region als Abgeordneter im Bundestag. Seit 1994 hat er den Wahlkreis immer direkt gewonnen. 2005 holte er 41 Prozent der Erststimmen. Das beste Ergebnis eines Direktkandidaten der SPD landesweit. Nur Bundeskanzlerin Angela Merkel erzielte damals 0,3 Prozentpunkte mehr in ihrem Wahlkreis Stralsund und kam auf 41,3 Prozent - allerdings für die CDU.

Hacker war in Ludwigslust/Schwerin aber auch weit vor der eigenen Partei platziert - nur 37,2 Prozent der Wähler gaben 2005 den Sozialdemokraten ihre Zweitstimme - knapp zehn Prozent weniger als bei der Bundestagswahl 2002.

Dennoch wird das Direktmandat für Hans-Joachim Hacker 2009 kein Selbstläufer. Denn die politische Konkurrenz macht Druck und umwirbt die 183 547 Wahlberechtigten im Wahlkreis.

Dietrich Monstadt ist politischer NewcomerEinerseits hat der politische Newcomer Dietrich Monstadt seinen Hut für die CDU in den Ring geworfen. Seit 1990 führt er eine Anwaltskanzlei in Schwerin mit dem Schwerpunkt Wirtschaftsrecht. Der 52-Jährige drängt mit Vehemenz aus der Juristerei auf die politische Bühne. Er will das politische Steuer an sich reißen. Das suggeriert Dietrich Monstadt jedenfalls auf seinen Wahlplakaten. Unter dem Slogan "Ein Mann. Ein Wort." ist er auf einem Traktor zu sehen, das Lenkrad fest in Händen. Damit lenkt er den Blick auch auf seine Herkunft: Wie schon seine Eltern ist Monstadt auf einem Bauernhof aufgewachsen. Das soll die Wähler auf dem Lande umgarnen. Wenig hilfreich in der heißen Phase des Wahlkampfes wird Monstadt allerdings der Rücktritt seines Parteifreundes Michael Petters als Kreisvorsitzender der CDU in Ludwigslust sein.

Auf der anderen Seite setzen Die Linke, Die Grünen und die FDP sowohl Monstadt als auch Hacker unter Druck. Ihre Spitzenkandidaten Dietmar Bartsch, Christian Ahrendt und Silke Gajek verspüren bundespolitischen Aufwind. Alle drei Kandidaten sind im Wahlkreis persönlich stark verankert. Dadurch sind sie in der Lage - wie in keiner anderen Region im Land - den beiden großen Parteien SPD und CDU Stimmen abzujagen.

Gegenkandidaten haben Sitz im Bundestag fast sicherBesonders Dietmar Bartsch von den Linken fühlt sich stark wie nie. Steht doch seine Mitstreiterin Angelika Gramkow in Schwerin ganz hoch in der Wählergunst und jagte im vergangenen Jahr den Sessel des Oberbürgermeisters einem CDU-Mann ab und setzte sich gegen den Mitbewerber der Sozialdemokraten durch.

Haben die drei eine realistische Chance, den Wahlkreis 13 zu gewinnen? Oder ist es wahrscheinlicher, dass sich Hacker und Monstadt ein spannendes Kopf-an-Kopf-Rennen liefern werden? Egal wie das Ergebnis für den Einzelnen ausgeht: Sowohl Hacker, Bartsch als auch Ahrendt sind auf der jeweiligen Landesliste ihrer Partei auf dem ersten Platz nominiert und haben einen Sitz im Bundestag so gut wie sicher.

Dietrich Monstadt dagegen wird alles auf Sieg setzen müssen. Er steht an vierter Stelle der CDU-Landesliste und ist damit nicht sicher im Bundestag. Mit ihrer Nominierung auf den zweiten Platz der Grünen-Landesliste hat Silke Gajek wenig Chancen, für ihre Partei in der kommenden Wahlperiode im Hohen Haus in Berlin Platz zu nehmen.