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Schwerin Rote Laterne für MV in Kitastudie;Sozialministerium betont die Qualität

Von Marlis Tautz | 03.02.2010, 07:13 Uhr

Mecklenburg-Vorpommern ist Schlusslicht bei der Personalausstattung in Kindergärten - das stellt ein Länderreport der Bertelsmann-Stiftung zu frühkindlichen Bildungssystemen fest.

Die Studie, die gestern in Gütersloh veröffentlicht wurde, wertet Daten der Kinder- und Jugendhilfestatistik 2008 aus und vergleicht unter anderem die Betreuungssituation von Drei- bis Sechsjährigen. Demnach kommen in dieser Altersgruppe im Land rechnerisch 13,4 Kinder auf eine Erzieherin, so viele wir nirgends sonst. Die Hansestadt Bremen schneidet mit einem Verhältnis von 8 zu 1 am besten ab, liegt allerdings immer noch über dem von der Bertelsmann-Stiftung empfohlenen Personalschlüssel 7,5 zu 1.

"Der Personalschlüssel ist das wichtigste Kriterium für die Bildungsqualität in Kindertageseinrichtungen", sagte Jörg Dräger, Vorstandsmitglied der Stiftung, und weist auf das West-Ost-Gefälle hin: Im Durchschnitt der alten Bundesländer kümmere sich eine Erzieherin um 9,2 Drei- bis Sechsjährige, während es im Durchschnitt der neuen Länder 12,4 Kinder pro Erzieherin seien. "Die Personalressourcen müssen dringend ausgebaut werden, wenn Kinder gebildet und nicht nur beaufsichtigt werden sollen", betonte er.

Den Vorwurf von Beaufsichtigung statt Bildung lässt das Sozialministerium nicht gelten. "Die Frage ist, welche Daten man für welchen Zweck heranzieht", sagte Behördensprecher Rüdiger Ewald. "Bei Bertelsmann geht es um eine rein quantitative Sichtweise." Er betont den "hohen qualitativen Anspruch" der Kinderbetreuung im Land, der vor allem von gut ausgebildeten Fachkräften gewährleistet werde. In MV gibt es 1070 Kindertagesstätten mit rund 94 000 Kindern.

"Bei uns liegt die Quote an geringer qualifiziertem Personal bei 1,5 Prozent, in den westlichen Bundesländern liegt sie bei bis zu 40 Prozent", argumentiert Rüdiger Ewald, begibt sich damit jedoch in Widerspruch zu Bertelsmann. Beim Vergleich der Berufsabschlüsse von Erzieherinnen haben laut Studie sowohl Mecklenburg-Vorpommern als auch Bremen mit je gut 88 Prozent einen gleich hohen Anteil von Fachschulabsolventinnen - nach Spitzenreiter Brandenburg (um 90 Prozent). Außer Schlusslicht Bayern folgen alle Bundesländer Ost wie West mit leichten Abweichungen. Der entscheidende Unterschied bei der Kinderbetreuung dies- und jenseits der Elbe besteht in den Betreuungszeiten: Hierzulande öffnen Kindertagesstätten meist von 6 bis 17 oder 18 Uhr, die Angebote für Randzeiten darüber hinaus nehmen zu. In westlichen Bundesländern dominiert dagegen Teilzeit-Betreuung.

Mit der Novellierung des KiföG (Kindertagesstättenförderungsgesetzes) wolle das Sozialministerium weiterhin Qualität statt Quantität in der Kinderbetreuung sichern, wie Rüdiger Ewald sagte. So sollen Erzieherinnen verstärkt durch Sozialassistentinnen und Kinderpflegerinnen entlastet werden und mehr Zeit für die sogenannte mittelbare Arbeit finden. "Dabei geht es verstärkt um die Beobachtung der Kinder, Dokumentation, Förderung sowie Gespräche mit Eltern oder Lehrern", erklärte er.