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Rostock Rivalen an der Kaikante

Von Torsten Roth | 30.11.2012, 09:40 Uhr

"Das Spiel kennen wir seit Jahren." Christian Hardt nimmt es gelassen.

Da führt der eine Hafen schon mal ein Flusskreuzfahrtschiff mit in der Kreuzfahrt-Statistik der deutschen Ostseeküste auf, erklärt der Manager des Rostocker Hafens. Andere listen sogar einen Luxusliner auf, der nur ins Werftdock zur Reparatur einfährt - um im Hafenranking besser abzuschneiden.

Rivalen an der Kaikante: Seit Jahren liefern sich Kiel und Rostock einen erbitterten Wettstreit um den Spitzenplatz unter den Kreuzfahrthäfen - mit klarem Vorteil für Rostock. Spätestens heute, wenn mit dem englischen Passagierschiff "Black Watch" der letzte Kreuzfahrer des Jahres in Rostock festmacht, wird der Wettstreit zumindest für dieses Jahr entschieden sein.

Stolz an der Förde: Nur zu gern - und auch in diesem Jahr wieder - präsentiert sich Kiel als der führende Kreuzfahrthafen an der deutschen Ostseeküste. 26 Schiffe hätten in diesem Jahr 138-mal an der Förde angelegt, freut sich Hafenchef Dirk Claus. Da große Schiffe nicht mehr so oft kamen, sei zwar die Zahl der Passagiere um 25 000 auf 350 000 gesunken. Für Claus steht trotzdem fest: "Kiel ist in diesem Jahr erneut der führende deutsche Start- und Zielhafen von Kreuzfahrten."

Nicht ganz: Denn zur Sicherung der Spitzenposition greift die Fördestadt zu einem Statistiktrick und zählt sowohl ankommende als auch abfahrende Passagiere - auch wenn sie jeweils nur eine Kreuzfahrt unternahmen. Das lässt keinen "seriösen Vergleich zu", meint Kreuzfahrtmanager Hardt. "Was zählt, ist das, was in der Kasse bleibt", sagt Rostocks Hafenchef Ulrich Bauermeister.

Und so wird in der Warnowstadt nach eigenen Angaben hingegen nur einmal gezählt. Das ist internationaler Stan dard, meint Bauermeister. "Daran hält sich Rostock." Insgesamt 300 000 Seereisende in diesem Jahr, 181 Anläufe, 40 Hochseekreuzfahrtschiffe - damit navigiere der Passagierhafen Rostock-Warnemünde auch 2012 wieder an die Spitze aller deutschen Kreuzfahrthäfen, freut sich Bauermeister.

Man kann rechnen wie man will: Rostock hat sich in den vergangenen Jahren zu dem führenden Kreuzfahrthafen an der deutschen Ostseeküste entwickelt. Nach Kieler Zählweise führt die Warnowstadt mit 600 000 Passagieren deutlich im Hafenranking. In Kiel machten Kreuzfahrer vor allem zum Passagierwechsel fest. Rostock sei hingegen sowohl für so genannte Wechselanläufe als auch für Kreuzfahrer, die zu Tagesausflügen der Seereisenden festmachen, attraktiv. Das Umfeld Rostocks, die Unesco-Städte Wismar und Stralsund, das Schweriner Schloss, die Kleinbahn Molli in Bad Doberan: "Darauf fahren die Kreuzfahrer ab", meint Bauermeister. "Rostock als Etappenziel ist für internationale Reeder spannend." 25 Schiffseigner hätten die Hansestadt in ihre Routenplanung aufgenommen. Die Attraktivität Kiels halte sich hingegen in Grenzen.

Seit Rostock in den vergangenen zehn Jahren 20 Millionen Euro in die drei Liegeplätze am Kreuzfahrerkai gesteckt hat, geben sich die Seeleute der Luxusliner die Schiffstaue in die Hand. Allein 6,5 Millionen Euro ließ man sich das 2005 eröffnete, zweigeschossige Warnemünder Cruise Center aus Glas und Stahl kosten - gerade mal ein Viertel der Investitionskosten von Kiel. Zwei größere und ein kleinerer bis mittlerer Kreuzfahrer können in Warnemünde gleichzeitig festmachen. Im diesem Jahr hätten so viele Kreuzfahrer wie noch nie in Rostock angelegt, erklärt Bauermeister: "181 Anläufe - das erreicht kein anderer deutscher Hafen." Mit 300 000 Seereisenden sei 2012 ein neuen Passagierrekord erzielt worden. Ein Drittel seien Reisewechsler gewesen, die ihre Kreuzfahrt in Warnemünde begannen oder beendeten, zwei Drittel Landaus flügler. Durch das erweiterte Angebot für Ostseekreuzfahrten der Reedereien Aida Cruises und Costa Crociere wählten immer mehr deutsche Urlauber Warnemünde als Start- und Zielpunkt ihrer Reise. Und: Rostock wird internationaler. Knapp 70 000 Amerikaner, mehr als 30 000 Engländer, 20 000 Spanier, rund 16 000 Kanadier, etwa 10 000 Italiener und mehr als 50 000 Gäste aus weiteren Ländern der Welt gingen in Warnemünde an Land. "Zwischen Mai und September geht es nirgendwo sonst in Mecklenburg-Vorpommern so international zu wie im Kreuzfahrthafen in Warnemünde", sagt Bauermeister. Rostock sei für ausländische Gäste, die Berlin besuchen wollten, der attraktivste Hafen, ist Jan Henze vom Schiffsmakler Sartori und Berger mit Standorten in Rostock, Kiel und Hamburg überzeugt.

Der Markt brummt: Die Ostsee sei attraktiv für Besucher aus aller Welt, weiß der Hafenchef. "Das Markt ist noch nicht erschöpft." Städtereisen per Schiff, die Sicherheit in der Region - das zieht Urlauber an. "Das liegt im Trend", sagt Schiffsmakler Henze. Je häufiger die Kreuzfahrten in der Heimatregion beginnen, je besser lassen sich die Reisen angesichts der hohen Flugpreise verkaufen. Der Bedarf scheint groß: "Die Liste der Anmeldungen für 2013 ist schon gut gefüllt", sagt Kreuzfahrtmanager Hardt. Rostock erwarte eine ähnlich gute Saison wie 2012.

Das zahlt sich aus: Das Kreuzfahrtgeschäft ist zum Gewinnbringer für den Hafen Rostock geworden und schreibt "schwarze Zahlen". Bauermeister: "Wir verdienen das Geld zurück, was wir in den Anfangsjahren für die Investitionen drauflegen mussten." Und Rostock baut vor: Am Kai wird es langsam eng. Die bisher drei Liegeplätze für Kreuzfahrer reichen für den Andrang der Luxusliner in Rostock bald nicht mehr aus. Ab 200 Ankünfte im Jahr ist ein neuer Liegeplatz notwendig, heißt es. Vorerst aber reifen die Investitionspläne, um an der Mittelmole den nur begrenzten Platz besser nutzen zu können. Zudem steht die Erneuerung der Kaimauer an einem der beiden Anleger für die großen Luxusliner an - Investitionen von acht bis neun Millionen Euro. Die Tiefe reicht nicht mehr.

Mehr Passagiere, mehr Schiffe, mehr Anläufe: In Kiel sieht man die Entwicklung in Rostock indes gelassen. Jeder der beiden Häfen habe seinen Auftrag, meint Kiels Hafensprecher Ulf Jahnke. "Beide Häfen haben sich etabliert."