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Plau am See Reinhard Neumann, Herr der Bienen

Von Sabrina Panknin | 07.10.2011, 08:14 Uhr

Überall summt und surrt es auf dem Hof der Imkerei Neumann.

Der Besitzer, Reinhard Neumann, trägt ein weißes T-Shirt mit einer großen Biene drauf. Er ist einer von zirka 1900 Imkern in Mecklenburg-Vorpommern. Sein Herz schlägt seit vielen Jahrzehnten für die Honigbiene - er ist der heimliche König von Millionen von Bienen. Neumann liebt diese kleinen "äußerst fleißigen" Tierchen. Während andere große Angst vor ihnen haben, nennt er das Insekt liebenswert. "Es ist sehr faszinierend wie diese Tiere leben. Ich leide mit ihnen und ich freue mich mit den Bienen, wenn sie hinausfliegen und mit Nektar zurückkehren", sagt Reinhard Neumann.

Von einer Mastanlage zur Schau-Imkerei

Nach der Wende machte sich Reinhard Neumann selbstständig; kaufte eine alte Schweinemastanlage. "Eine 3000er Anlage. Alle anderen Imker haben mich für verrückt erklärt." Das Gebäude des heutigen Bienenmuseums steht auf der alten Klärgrube der Schweinemastanlage. "Damals war die Grube noch mit der Gülle von 6000 Schweinen gefüllt." Viele Jahre sind seitdem vergangen. Zusammen mit seiner Frau Regina hat der 65-Jährige in den 90er Jahren seine Schau-Imkerei aufgebaut. "Schrittweise haben wir uns den 250 bis 300 Einheiten angenähert."

Derzeit hat er um die 250 Bienenvölker auf seinem Hof. In einem Volk leben im Sommer zwischen 50 000 und 60 000 Bienen, im Winter sind es zwischen 10 000 und 20 000. Mehrere Millionen Bienen fliegen tagein tagaus aus den Klappen der Imkerei Neumann und kehren zurück, wenn genügend Nektar zusammengetragen wurde. Doch damit nicht genug: Auch Schafe und 250 Hühner beherbergt Reinhard Neumann zusammen mit seiner Frau. Und das nicht ohne Grund: Denn als Diplom-Landwirt für Pflanzen und Tiere hat er sich ganz der Natur verschrieben. Doch seine große Leidenschaft ist die Biene.

Sein bisheriges Leben ist vom kleinen emsigen Tierchen geprägt. Schon als Steppke mit drei Jahren hat er sich - noch unter Anleitung des Vaters - um die Insekten gekümmert. "Mein Vater war auch Imker. Er hat die Bienen geliebt und das hat sich ganz besonders auf mich übertragen."

Mehr als 10 000 Bienenstiche

Mit zwölf Jahren hatte er bereits seinen eigenen Bienenschwarm und während des Studiums machte er mit einem eigenen Bienenwagen seinem Vater Konkurrenz. Schutzkleidung, wie sie viele Imker tragen, braucht Reinhard Neumann nicht. Wie oft er schon gestochen wurde? "Viele zehntausende Male, wenn nicht noch häufiger." Aber Angst davor hat er keine.

Rund 20 000 Quadratmeter misst die Imkerei von Reinhard Neumann. Eine große Anlage, die jeden Tag bewirtschaftet werden muss. Seine Frau Regina Neumann betreibt einen Hofladen für Besucher, Touristen und Einheimische. Hier summt es nicht, hier riecht es nach Bienenwachs. Denn Regina Neumann verkauft Kerzen aus diesem Material - von Hand gegossen.

In ihrem Laden bringt sie vor allem Honig-Produkte an den Mann - ob fest oder flüssig, ob als Likör oder als Honig, von Raps- über Akazien- bis hin zum Heidehonig - für jeden Geschmack ist etwas dabei. Doch bis es zum Verkauf und Verzehr kommt, ist es ein langer und aufwendiger Weg. Zwischen 14 bis 16 Stunden am Tag widmet sich Reinhard Neumann seinen Bienen und dem Nektar, aus dem die süße Speise gewonnen wird. "Unsere Mitarbeiter entnehmen vormittags den Honig und nachmittags übernimmt die Schleudergruppe die Schleuderung. Es wird dann bis abends geschleudert, so dass wir den Honig nicht wegstellen. Er wird, so warm wie er reinkommt, gleich geschleudert, denn wenn er kalt wird, muss ich ihn wieder temperieren, um verarbeiten zu können", sagt Neumann. Und jedes weitere Erwärmen des Honigs zerstört die Inhaltsstoffe, weiß der Imker. Ohne seinen Honig kann der Diplom-Landwirt nicht leben - bereits am Morgen zum Frühstück gibt es eine Stulle mit dem süßen Nektar. Ob Tee oder Kaffee - auf jeden Fall mit Honig. Denn er gibt ihm neue Lebenskraft und stärkt die Abwehrkräfte.

Energie braucht der 65-Jährige allemal. Früher ist er zweimal in der Woche mit seiner Frau auf den Markt gefahren - heute fahren die beiden nur noch sonnabends nach Lübeck zum Markt. Mehr als hundert Stammkunden warten dort auf ihren Neumann-Honig aus Plau am See. Und auch die mehreren tausend Eier der 250 Hühner müssen verkauft werden. Auch seine flauschigen braun-schwarz gestreiften Tierchen nimmt er mit, schließlich ist er kein Standimker, sondern ein Wanderimker. "Auf dem Markt zeige ich die Waben und die Bienen. Ich finde, dass das von anderen Imkern immer noch zu wenig gemacht wird." Er will vor allem aufklären, den Menschen die Angst vor dem Insekt nehmen. Denn sie ist nützlich und unersetzlich für die Natur. "Mittlerweile hat nur jedes zweite Dorf in Mecklenburg Bienen. In ein paar Jahren wird es nur noch jedes dritte Dorf sein", da ist sich der Bienen-König sicher. Sorgen bereitet ihm auch der Imker-Nachwuchs. Deshalb bildet Reinhard Neumann aus - zwischen fünf bis zehn Anfänger-Imker erlernen jährlich von Neumann in Plau-Quetzin das Handwerk. "Ich kann nicht nur Material weitergeben, sondern auch mein Fachwissen." Doch nicht nur Anfänger-Imker betreut Neumann, sondern auch Kinder. Derzeit haben acht Kinder in Plau ihre eigenen Bienenvölker. Damit wolle er Interesse wecken, und die Angst nehmen. "Wenn ich mit den Kindern bei ihren Bienen bin, bringe ich immer Honig zum Schlecken mit - damit sie auch sehen, was daraus wird."

Ein Leben ohne Bienen - undenkbar

Der Hof der Familie Neumann ist eine Oase für jede Biene - viele Sträucher, Blumen und Bäume zieren den Hof. Hier blüht und wächst alles, was die Biene braucht. Doch nicht nur die Honigbiene ist bei den Neumanns zu Hause, sondern auch die Wildbiene. "Seit fünf Jahren hält sich das Bienenvolk." Von den Wildbienen wird der Honig nicht entnommen. Wenn im Frühjahr alles blüht, dann summt und surrt es nur noch in den Blumen des Hofes. Vor allem Besucher der Schau-Imkerei sind begeistert, wenn die Bienen ihrer Arbeit nachgehen. Zwischen 5000 bis 8000 Besucher zieht es jährlich nach Plau - sie sitzen dann im Museum und beobachten, wie die Bienen den Nektar in den Stock bringen. "Die Bienen führen dann einen kleinen Tanz auf, um den anderen zu sagen: ,Ich habe Nektar mitgebracht."

In den nächsten Jahren will sich Reinhard Neumann zurücknehmen. Derzeit sucht er nach einem Nachfolger für seine Groß-Imkerei. "Die ersten Enkelkinder sind jetzt da, mit denen wir Zeit verbringen wollen." Seinen Hof in ein paar Jahren abzugeben, fällt ihm sichtlich schwer. Doch ganz ohne seine Bienen will er nicht leben. Auch wenn er den Hof an einen anderen erfahrenen Imker übergibt, wird er der Herr der Bienen bleiben. Zwischen 20 bis 30 Bienenvölker werden es in seinem Ruhestand dann immer noch sein - da ist er sich sicher. Denn "etwas Besseres gibt es nicht, außer die eigene Familie".