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Scheune in Jamel in Flammen Rechter Anschlag auf Lohmeyers?

Von MANO | 13.08.2015, 21:00 Uhr

Nach dem Brand ihrer Scheune in Jamel ermittelt die Polizei wegen Brandstiftung und vermutet einen politischen Hintergrund

Brandgeruch hängt über dem Forstweg. Von der Reetscheune stehen nur noch die Grundmauern. Ist das, was Donnerstagnacht in Jamel passiert ist, ein Anschlag auf Birgit und Horst Lohmeyer? Diese Frage schwebt am Morgen danach über der Szenerie.

Die Lohmeyers müssen sich erst einmal sortieren. Sie sind in ihrem „Nazidorf“ Jamel ja einiges gewöhnt. Beschimpfungen, Beleidigungen, zerstochene Autoreifen hat es alles schon gegeben. Aber das nun?

Seit zehn Jahren leben sie in dem kleinen Dorf. Besuchern wird nicht schwer gemacht zu erraten, wie hier die politischen Mehrheiten sind. In Jamel kleidet der Spruch „Dorfgemeinschaft Jamel – frei, national, sozial“ eine Hauswand. Die Lohmeyers stemmen sich dagegen. Sie engagieren sich seit Jahren gegen Rechts und sind dafür mehrfach ausgezeichnet worden. In zwei Wochen will die IG Bau ihnen den Georg-Leber-Preis für Zivilcourage überreichen. In der Vergangenheit passierte kurz nach solchen Ehrungen meist etwas auf dem Hof der Lohmeyers. Geht es nun schon vorher los?

Festlegen will sich die Polizei noch nicht. Doch die Ermittlungen laufen wegen des Verdachts der vorsätzlichen Brandstiftung, denn nach unbestätigten Informationen wurde eine Person gesehen, die kurz nach Ausbruch des Brandes vom Grundstück gelaufen sein soll. Ein politischer Hintergrund wird vermutet.

Den Scheunenbrand nennt die Polizei eine neue „Eskalationsstufe“. „In dieser Qualität haben wir so was noch nicht gehabt“, sagt Heiko Tesch, stellvertretender Leiter der Polizei in Wismar. Beim Staatsschutz wurde eine Ermittlungsgruppe eingesetzt.

Birgit Lohmeyer hat Frühstück für die Feuerwehr gemacht. 30 Kameraden haben in der Nacht darum gekämpft, dass die Flammen nicht auf das knapp zehn Meter entfernte Wohnhaus übergreifen.

Um 0.15 Uhr läuft der Alarm auf. Als der Löschzug um Wehrleiter Hubert Klüßendorf in Gägelow losrast, sind von Weitem die Flammen zu sehen. Als sie ankommen, stürzt gerade der Dachstuhl ein. Knapp drei Stunden brauchen sie, um das Feuer unter Kontrolle zu bekommen. Wegen der Hitze zerspringen im Forsthaus ein paar Scheiben. In der Eile versucht das Ehepaar Wertgegenstände aus dem Haus zu retten. Gemeinsam mit ihren Feriengästen bringen sie sich in Sicherheit. Feuerwehrmann Klüßendorf sagt, zum Glück stand der Wind günstig. Sonst wäre das Wohnhaus wohl in Mitleidenschaft gezogen worden.

In der Scheune lagerten Pavillons und Podeste für ihr Festival Forstrock. Das soll auf jeden Fall stattfinden, sagt Horst Lohmeyer. Aufgeben wollen sie nicht und wegziehen erst recht nicht. „Das ist unser Lebensmittelpunkt und unsere Wunschheimat geworden“, sagt Birgit Lohmeyer. „Alle Aspekte stimmen, nur die Nazi-Nachbarn nicht.“ Die Polizei will mit den Lohmeyers klären, wie die Sicherheitsvorkehrungen verschärft werden sollen.

Ministerpräsident Erwin Sellering forderte eine schnelle Aufklärung. „Das ist ein sehr schlimmer Vorfall, zumal der Verdacht nahe liegt, dass es sich um einen rechtsextremen Anschlag handelt.“ Zugleich sprach er dem Ehepaar Mut zu. „Die Familie Lohmeyer engagiert sich auf vorbildliche Weise für Demokratie und Toleranz. Sie zeigt dort Flagge, wo es besonders schwierig ist. Das verdient höchste Anerkennung.“

Die frühere Präsidentin des Zentralrats der Juden, Charlotte Knobloch, reagierte entsetzt: „Sollte sich diese Tat als eine politisch motivierte Aktion von Rechtsextremisten herausstellen, so wäre das ein erneuter fürchterlicher Beweis dafür, wie brandgefährlich im wahrsten Sinn des Wortes alte und neue Nazis sind.“ Sie forderte eine umfassende Strategie und konzertierte Maßnahmen gegen Rechtsextremisten. „Wenn sie es waren, die Birgit und Horst Lohmeyer angegriffen haben, dann haben sie uns alle angegriffen.“