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Kernfusionsprojekt in Greifswald Reaktor-Expertise frühestens im März

Von Uwe Reißenweber | 02.11.2012, 07:11 Uhr

Das Sicherheitsgutachten für das Kernfusionsprojekt "Wendelstein 7-X" in Greifswald soll bis zum März 2013 vorliegen. Der BUND hat mit Verweis auf angebliche Sicherheitsmängel einen sofortigen Baustopp gefordert.

Das Sicherheitsgutachten für das umstrittene und milliardenschwere Kernfusionsprojekt "Wendelstein 7-X" in Greifswald soll möglichst bis zum 28. März kommenden Jahres vorliegen. Das sagte jetzt die Sprecherin des Landesamt für Gesundheit und Soziales (LAGuS), Anja Neutzling, auf Nachfrage unserer Redaktion. Die Umweltschutzorganisation BUND hatte mit Verweis auf angebliche Sicherheitsmängel einen sofortigen Baustopp für die Anlage gefordert. Daraufhin hatte das Gesundheitsministerium angekündigt, ein Gutachten eines unabhängigen Sachverständigenteams in Auftrag geben zu wollen. Die Expertise soll klären, ob die Abschirmwirkung des Betons in der Experimentierhalle den gesetzlichen Vorgaben des Strahlenschutzes entspricht.

Bestandteil der Ausschreibung sei zwar auch der Hinweis auf das hohe öffentliche Interesse an zeitnahen Ergebnissen des Gutachtens, weshalb vom Gutachter eine Ausführung des Auftrages bis zum 28. März 2013 anzustreben sei, sagte die Sprecherin. "Genauso steht in der Ausschreibung aber auch, dass es oberstes Ziel sein muss, die im Untersuchungsauftrag ausgewiesenen Fragestellungen aus Gründen des Schutzes der Gesundheit von Menschen und des Schutzes der Umwelt vollumfänglich zu beantworten", so Neutzling mit deutlichem Hinweis darauf, dass die Erarbeitung des Papieres auch länger als bis Ende März dauern könnte.

Bislang gäbe es drei Bewerber für die Begutachtung der Einhaltung der Strahlenschutzverordnung im Forschungsexperiment Wendelstein 7-X. Ursprünglich hätten sich vier gemeldet, doch nach einer zweiten Abfragestufe durch das Landesamt habe sich ein Bewerber zurückgezogen. Der Zuschlag soll Ende November fallen.

Unter Hinweis auf Unterlagen aus dem Genehmigungsverfahren hatte der BUND kritisiert, dass der Strahlenschutzbeton möglicherweise fehlerhaft zusammengesetzt und die Abschirmung der in der Anlage entstehenden Neutronenstrahlen an den Hallentoren nicht gewährleistet sei. Laut BUND-Aussagen vom August kann es an den Toren im Hallenneubau des Kernfusionsexperimentes zu 490-facher Überschreitung von geltenden Strahlenschutzwerten kommen. Ein weiterer Knackpunkt sei die Freisetzung von radioaktivem Tritium über die Abgasleitung, die bei derzeitiger Bauausführung ebenfalls Grenzwerte überschreiten würde.

Das Landesamt für Gesundheit und Soziales wies die Kritik umgehend als falsch zurück. Der BUND habe sich in seiner Mitteilung auf Berechnungen in Dokumenten von 1998 bezogen, in denen die Rede davon ist, welche Strahlenbelastung entstehen könnte, wenn keine weiteren Abschirmungen erfolgen würden, so LAGuS-Direktor Heiko Will. Dies wurde bereits im Jahr 1998 bemängelt und entsprechende Maßnahmen seien getroffen worden.

Bündnis 90/Die Grünen in MV betonten gestern, dass ein Probebetrieb des Wendelstein 7-X für die Partei nicht genehmigungsfähig sei, solange nicht alle Risiken ausgeschlossen werden können. "Die Qualität des verwendeten Betons ist ebenso zu prüfen wie eine mögliche Strahlenbelastung von Abluft und Grundwasser. Dafür brauchen wir die Ergebnisse des beauftragten Sicherheitsgutachten", sagte Landesvorsitzender Andreas Katz. Erneut bezeichnete er die Kernfusion als " Irrweg" . "Die Technologie ist extrem komplex, aufwändig und teuer. Selbst wenn das Wendelstein-Experiment am Ende gelingen würde, wären gigantische Mittel und Jahrzehnte für eine Weiterentwicklung erforderlich. Dabei bliebe weiterhin offen, ob mit Kernfusion tatsächlich jemals wirtschaftlich und sicher Energie erzeugt werden kann", sagte er. Um den Klimakollaps aufzuhalten, sei jetzt eine bezahlbare, nachhaltige und risikoarme Energietechnologie nötig - und die Anstrengungen der Wissenschaft für die Entwicklung von effektiven Energiespeichern und intelligenten Netzen.