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Fledermausschutz in der Region Ralf Koch schützt die Wesen der Nacht

Von Sabrina Panknin | 03.11.2012, 10:23 Uhr

Ralf Koch kümmert sich besonders stark um den Fledermausschutz in der Region. Im Naturpark Nossentiner/Schwinzer Heide entstehen jetzt Winterquartiere.

Kopfüber hängen sie in einer Ecke von der Decke - dicht aneinander gekuschelt, die Augen nur leicht geöffnet. Noch ist Schlafenszeit, denn noch ist es hell draußen. Erst wenn es dunkel wird, schlüpfen sie durch einen schmalen Spalt nach draußen in die Nacht und flattern durch die Lüfte - lautlos erobern Feldermäuse dann die finstere Nacht. Die kleinen Säugetiere umgibt ein Mythos, ein Bild des Bösen. Jahrhundertelang verbanden die Menschen die kleinen Vampire mit dem Teufel. Deshalb wurde vor allem im dunklen Zeitalter, dem Mittelalter, Jagd auf die fliegenden Säugetiere gemacht. Das weiß auch Ralf Koch aus Woosten. Denn er hat sein Hobby zum Beruf gemacht. Seit vielen Jahren arbeitet der 49-Jährige als Sachbearbeiter im Naturpark Nossentiner/Schinzer Heide und kümmert sich neben vielen anderen Aufgaben vor allem um den Fledermausschutz in der Region. "Fledermäuse sind hochinteressante Tiere, weil sie über sagenhafte Techniken verfügen. Mit Ultraschall scannen sie ihre Umwelt ab. Ihre Augen brauchen sie nicht", erklärt Ralf Koch. Doch was den Fledermausschützer an diesen Flattertierchen besonders schätzt und interessiert, ist ihre nahe Verwandtschaft zum Menschen. Denn das weiß kaum jemand. "Fledermäuse stehen uns Menschen mit am nächsten. Affen haben sich aus spitzmausähnlichen Tieren entwickelt, wie eben die Fledermaus auch", erklärt Ralf Koch. Die Wesen der Dunkelheit gebären - wie die Menschen - nackte Jungen und säugen sie anschließend.

Meterhoch ragen die Bäume in den Himmel. Nur ab und zu bricht sich die Sonne durch den Wald in Bossow den Weg. Das Gelände umfasst 25 Hektar - mittlerweile herrscht hier wieder die Natur. Versteckt unter Gestrüpp und Dickicht stehen sie - hart, aus Beton. Ehemalige Bunker der DDR-Volkspolizei und Kampftruppen. Bis unter der Decke lagerte hier vor mehr als 23 Jahren die Munition der Volkspolizei und Kampftruppen. Doch jetzt gehört das ehemalige Militärgelände Bossow dem Naturpark Nossentiner/Schwinzer Heide. "Wir planen mit diesem Gelände einen barrierefreien Natur-Erlebnispfad zu errichten", erklärt Ralf Koch. Der Fledermausschützer hält eine Taschenlampe in der Hand. Er öffnet eine kleine metallene Luke, die in den Bunker hineinführt. Denn fortan lagert hier keine Munition mehr, sondern hier schlafen im Winter Fledermäuse. "Fledermäuse brauchen im Winter Schutz. Es muss vor allem frostfrei sein, aber eine sehr hohe Luftfeuchtigkeit haben", erklärt der Woostener. Das haben sie mit den ehemaligen DDR-Bunkern erreicht. Denn von außen kann niemand mehr herein, lediglich die Naturschützer. Regenwasser wird durch einen Spalt in den Bunker geleitet, damit die kleinen Flattertiere genügend Luftfeuchtigkeit in diesen Räumen haben. Auch die meterhohen Bäume in dem 25-Hektar-großen Gelände bieten Schutz. Zahlreiche Kästen sind an den Stämmen angebracht. Nicht für Vögel, sondern mit einem schmalen Schlitz für Fledermäuse. "Wer sich einmal mit Fledermäusen beschäftigt hat, kann nicht mehr von den Tieren ablassen", erzählt Ralf Koch aus Erfahrung.

Zierlich ist der Kopf und weit auseinander gespannt sind die Flügel der Fledermaus. Das ist es wahrscheinlich, warum einige Menschen Angst vor diesen Säugetieren haben. "Im Mittelalter wurden sie gejagt, im asiatischen Raum sind Fledermäuse nahezu heilig", verdeutlicht Ralf Koch. Er versucht seit vielen Jahren diese Tiere zu schützen. "Der einzige natürliche Feind ist der Mensch." Doch das muss nicht sein, deshalb versucht Ralf Koch immer wieder aufzuklären. "Wer Fledermäuse bei sich zu Hause auf dem Dachboden oder im Keller hat, kann sich glücklich schätzen. Denn das Haus ist definitiv schadstofffrei", erklärt der Fledermausschützer. Denn die Wesen der Dunkelheit reagieren auf jede kleine schädliche Veränderung. Auch sind sie ein Garant für eine intakte Umwelt. "Fledermäuse nehmen eine wichtige Funktion in der Natur ein. Sie sind Insektenfresser wie zum Beispiel die Mückenfledermaus. Diese frisst jährlich 60 000 Mücken."

Doch eine zunehmende Gefahr könnten die vielen Raps- und Maisfelder werden. "Über einem Maisfeld fliegt kaum ein Schmetterling oder Insekt. Das ist für die Fledermaus ein Problem, denn davon ernährt sie sich schließlich", erklärt der 49-Jährige. In Mecklenburg-Vorpommern gibt es 17 verschiedene Fledermausarten - deutschlandweit gibt es 30. Auch die Bestände innerhalb der Arten sind gut. Doch das sei nicht ausschlaggebend. Wichtig sei vor allem, bei den Menschen Verständnis für die Wesen der Nacht zu wecken, damit immer mehr Menschen Winterquartiere für die kleinen Flattertierchen errichten. Denn wenn es hell ist, hängen sie dicht aneinander gekuschelt von der Decke: die mythischen Wesen der Dunkelheit.