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Rostock: Deutscher Tierschutzpreis 2011 Preis für "Gnadenhof" aus Rostock

Von Anette Pröber, dpa | 19.09.2011, 10:49 Uhr

Gemeinsam mit ihrem Mann Manfred betreibt Christel in Letschow den "Kleinen Gnadenhof". "Wir schenken alten, verletzten und unheilbar kranken Hunden und Katzen wieder Lebensqualität".

Freudiges Bellen zur Begrüßung auf dem abgelegenen Gehöft am Wald. Ein halbes Dutzend Vierbeiner stürmt aus dem großen Wohnzimmer des Hauses auf die Terrasse. Jake, ein Abkömmling von einem Schäferhund, macht einen Sprungversuch. Es wird ein klägliches Hüpfen. Die Hinterläufe hängen bewegungslos herab.

"Ein Wirbelsäulenschaden. Vermutlich durch einen Schlag ausgelöst", erklärt Christel Klein. Gemeinsam mit ihrem Mann Manfred betreibt sie in Letschow (Kreis Rostock-Land) auf fast 4000 Quadratmetern den "Kleinen Gnadenhof". "Wir schenken alten, verletzten und unheilbar kranken Hunden und Katzen wieder Lebensqualität", sagt die 54-Jährige. Dafür wurde das Ehepaar jetzt mit dem Deutschen Tierschutzpreis 2011 ausgezeichnet.

Eigentlich hatten sich die Kleins vor zehn Jahren - die fünf Kinder wurden erwachsen - nur den Traum von Natur und Landleben erfüllen wollen. Sie als Mitarbeiterin bei der Rostocker Staatsanwaltschaft, er als Finanzberater. Bald seien zu den eigenen drei Hunden immer mehr hinzugekommen, angenommene Tiere aus Tierheimen und von Futterstellen.

"Ich konnte das Leid der Hunde und Katzen nicht mit ansehen. Die Einrichtungen sind vollkommen überfüllt. Und gerade die alten und kranken Hunde haben keine Chance auf Vermittlung", erzählt Christel Klein. Sie streichelt einem tolpatschig laufenden schwarzen Hund über den Nacken. "Unser Dickerchen hatte einen Tumor im Kopf." Andere Hunde seien sozial verwahrlost, verstört und ängstlich, müssten sich erst wieder an menschlichen Kontakt gewöhnen.

"Fast zwei Jahre hat es bei unserem Wölfi gedauert, bevor er Menschen an sich heranließ und akzeptierte." Inzwischen lebt der große Mischlingsrüde bei einem Ehepaar in Lübeck und hat ein schönes Zuhause gefunden. "Leider gelingt so eine Vermittlung selten", sagt Christel Klein.

Ihr 58-jähriger Mann stapelt Baumaterialien vor dem Wohnhaus. Er will aus der alten Garage ein Hundehaus bauen, ein zusätzliches "Wohnzimmer" für die Tiere. Da kommen die 3000 Euro mit dem Tierschutzpreis gerade recht. Er hat am frühen Morgen schon die 25 Katzen und 12 Hunde versorgt und die erste "Gassirunde" durch das Wäldchen gedreht. Noch zwei Gänge mit den Hunden werden an diesem Tag folgen, dazu die Reinigungsarbeiten im Haus. "An das viele Wischen und Putzen musste ich mich erst gewöhnen. Aber bei der großen Tierzahl ist das notwendig", sagt Klein.

Ohne die tatkräftige Mitarbeit und Unterstützung der 57 Vereinsmitglieder laufe auf dem "Kleinen Gnadenhof" nichts, betont Manfred Klein. Das Fressen und die medizinische Versorgung der alten Tiere sei kostspielig. Manchmal werde auch ein Hundetherapeut gebraucht. Deshalb gibt es seit 2004 den eingetragenen Verein, der sich über Spenden finanziert und in ganz Deutschland Unterstützer hat. "Jede Hilfe ist willkommen", sagt Christel Klein. Am liebsten wäre es ihr aber, wenn sie Menschen überzeugen könnte, dass Tiere ein Recht auf einen schönen Lebensabend haben. "Selbst alte und kranke Tiere geben uns Menschen viel an Liebe zurück."