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Land will Projekte gegen Alkohol- und Drogensucht verzahnen Prävention - was wirkt wirklich?

Von Angela Hoffmann | 27.10.2011, 11:14 Uhr

Es ist zu einem Ritual vor den Ferien geworden: Die Schulen melden sich bei einem Experten zum Thema Suchtvorbeugung, weil ein Projekttag ansteht.

Es ist zu einem Ritual vor den Ferien geworden: Die Schulen melden sich bei einem Experten zum Thema Suchtvorbeugung, weil ein Projekttag ansteht. Dann kommt der Experte vorbei, bringt die Rauschbrille oder den Drogenkoffer mit, vielleicht wird auch noch eine Hüpfburg aufgestellt - und das war’s dann bis zum nächsten Schuljahr. "Das ganze hat leider null Effekt", sagte Claudia Diekneite, Geschäftsführerin der Landesstelle für Suchtfragen, anlässlich der gestrigen Fachtagung "Prävention - was wirkt wirklich?" in Schwerin.

Bei vielen gut gemeinten Aktionen habe man den Eindruck, es gehe um die "Bespaßung" der Kinder und Jugendlichen. Auf der anderen Seite gebe es inzwischen viele Programme, deren Effektivität wissenschaftlich nachgewiesen sei und die deshalb verstärkt eingesetzt werden sollten, meinte Diekneite.

Als Beispiel nannte sie das Projekt "HaLT - Hart am Limit", das es bisher in Schwerin, Rostock, Neubrandenburg, Greifswald und in den Altkreisen Demmin und Müritz gibt. Das Programm zur Alkoholprävention bei Kindern und Jugendlichen fußt auf zwei Säulen. Zum einen werden Jugendliche nach einer stationär behandelter Alkoholvergiftung noch im Krankenhaus beraten.

Ausweiskontrolle auf Dorffesten

Zum anderen setzen sich kommunale Akteure an einen Tisch, um Verhaltensregeln beispielsweise für Dorf- oder Feuerwehrfeste aufzustellen und die Einhaltung des Jugendschutzes zu gewährleisten. Dazu gehört unter anderem die Frage, wer sich beim Ausschenken von Alkohol um die Alterskontrolle bei Jugendlichen kümmert. Die Zahl stark betrunkener Jugebndlicher habe sich seither bei den Veranstaltungen deutlich verringert.

Laut Sozialministerium plant das Land deshalb für 2012, das Projekt "HaLT" mit anderen regionalen Suchtpräventionsprojekten zu verzahnen und dabei besonders auf die Durchsetzung des Jugendschutzes zu achten. Dafür sollen den Kommunen zusätzliche finanzielle Mittel zur Verfügung gestellt werden, wie Beate Dietrich, Präventionsexpertin im Ministerium, bei der Tagung ankündigte. Zudem sollen die Informationen über den Jugendschutz verstärkt werden. Denn hier herrsche noch große Unwissenheit - sowohl in der Gastronomie als auch im Privaten.

In der Schule hat sich inzwischen herausgestellt, dass interaktive und langfristige Programme am besten wirken, wie der Münchner Präventionsforscher Johannes Thrul bei der Fachtagung darlegte. Sinnvoll sei etwa, dass nicht nur Wissen über die Schädlichkeit von Alkohol, Tabak oder Drogen vermittelt wird, sondern auch darüber, wie man am besten "Nein" sagen kann.