Ein Angebot des medienhaus nord

Toter war Tippelbruder Polizei identifiziert Toten über Facebook

Von THVO | 15.12.2016, 21:00 Uhr

Fünf Monate ermittelte die Polizei ohne Ergebnis – dann kam eine nützliche Idee

Erstmals konnte die Schweriner Polizei einen unbekannten Toten mit Hilfe sozialer Netzwerke im Internet identifizieren. „Der Verstorbene hat jetzt endlich eine Identität und kann würdevoll beigesetzt werden“, sagte gestern Steffen Salow, Polizeisprecher der Landeshauptstadt. Monatelang hatten die Ermittlungen zuvor zu keinem Ergebnis geführt.

Die stark verweste Leiche des Mannes war am 7. Juli dieses Jahres im Schweriner Stadtteil Krebsförden von einem Spaziergänger unter einer Brücke am Krebsbach gefunden worden. Die menschlichen Überreste waren mit einer Decke zugedeckt. In der unmittelbaren Nähe des Fundortes lagen ein Fahrrad und einige persönliche Gegenstände des Toten.

Anzeichen von Gewalt fanden die Ermittler nicht. Auch nach der Untersuchung der Leiche in der Rostocker Rechtsmedizin ergaben sich keine Anhaltspunkte für ein Verbrechen. Die genaue Todesursache ließ sich wegen des Zustandes der Leiche allerdings nicht mehr feststellen. Sicher war nur, dass der Tote bereits Monate unter der Brücke lag. Vielleicht war er im Winter unter der Brücke erfroren.

Am 10. November 2016 starteten die Beamten einen neuen Versuch. Auf ihrer Facebookseite veröffentlichte die Schweriner Polizei Bilder vom Fahrrad und von persönlichen Gegenständen des Toten. „Unmittelbar nach der Veröffentlichung meldete sich eine Frau aus dem Landkreis Nordwestmecklenburg“, berichtete Polizeisprecher Salow. Sie gab an, dass die abgebildeten Gegenstände möglicherweise ihrem Bruder gehörten, der als Tippelbruder unterwegs war. Der Kontakt zu ihm sei in den letzten Jahren nur noch sporadisch gewesen. Auch eine Nichte meldete sich.

Ein DNA-Vergleich bestätigte jetzt die Angaben der Frau aus Nordwestmecklenburg. Sie war die Schwester des Toten, bei dem es sich um einen Schweriner handelte.

Im Landeskriminalamt (LKA) liegen derzeit die Akten von etwas mehr als 50 in Mecklenburg-Vorpommern gefundenen Toten, deren Identitäten bislang auch nach Monaten und Jahren nicht geklärt werden konnte. Die ältesten Akten stammen aus dem Jahr 1970.