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Rostock Opfer haben keine Chance

Von Redaktion svz.de | 24.02.2010, 06:42 Uhr

Opfer von Messerattacken haben nur geringe Chancen, den Angreifer abzuwehren.

"Das ist auch für Polizisten unheimlich schwer", sagt Bettina Wenzel vom Weißen Ring. Sie vermittelt Opfer von Gewalttaten an Rechtsanwälte und Psychologen. Je nach Fall bekommen sie auch Zugang zu finanzieller Hilfe und Therapiemöglichkeiten.

"Nach einem Überfall ist man generell immer traumatisiert", sagt Wenzel. Folgen können Angstzustände oder das meiden von bestimmten Plätzen sein. "Das Leben ändert sich erstmal komplett", sagt sie. Dabei seien die psychologischen Folgen mindestens so schwerwiegend wie die körperlichen.

Kriminalhauptkommissar Volker Werner rät deswegen, bei einem Überfall nicht den Helden zu spielen und das herauszugeben, was man hat. "Sonst bringt man sich selbst in Gefahr", sagt er. Um sich im Ernstfall zu wehren, eigne sich Pfefferspray.

Die Menschen davor zu bewahren ist das Ziel von Ralf Heindl. Der Kampfsportlehrer bietet Gewaltpräventionskurse an. "Das erste und wichtigste ist, überhaupt nicht in diese Situation zu kommen", sagt er. Die Chancen des untrainierten Opfers bei einer Attacke mit Tötungsabsicht schätzt er auf gerade einmal drei Prozent. Training könnte die eigenen Chancen steigern. Das hilft, im Ernstfall einen klaren Kopf zu behalten.

Bei einem Messerangriff könne aber auch das oft nicht weiterhelfen. "Das ist eigentlich immer eine Katastrophe", sagt er. Leider sinke die Hemmschwelle immer mehr, Aggression und Frust hingegen nähmen zu. "Bei mir heißt es, ich sei Pessimist, aber das wird sich noch mehren", sagt Heindl. Schließlich mache das Fernsehen es in jedem Film vor.