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Spendensammler in MV Offene Herzen und offene Portemonnaies

Von Frank Pfaff | 24.12.2016, 05:00 Uhr

Die weihnachtliche Bescherung endet für viele Menschen nicht unter der Tanne im Wohnzimmer – das nutzen Spendensammler gezielt

Die Zeit der offenen Herzen zu Weihnachten öffnet auch die Portemonnaies. In den Wochen vor dem Fest starten Wohlfahrtsverbände und Kirchen gezielt Sammlungen und Spendenaufrufe auf allen Ebenen. In Deutschland beläuft sich das Spendenaufkommen pro Jahr auf 4 bis 5,5 Milliarden Euro, wie die Sozialwissenschaftlerin Susanne Dreas von der Hochschule Neubrandenburg sagt. „Die Erfahrung zeigt, dass die Spendenbereitschaft im Dezember besonders hoch ist. Die Einnahmen liegen dann um 50 bis 100 Prozent höher als in anderen Monaten und kommen ganz überwiegend sozialen Projekten zugute“, erklärt die Expertin unter Hinweis auf bundesweite Studien.

Unter anderem in Schwerin und Rostock wird in den Kirchgemeinden gezielt Geld gesammelt, wie Kirchensprecher Martin Innemann sagt. Die nächste große Spendenaktion sei dann der Umzug der Sternsinger zum Fest der Heiligen Drei Könige Anfang Januar. Mit Liedern und Segenswünschen hatten die kostümierten kleinen Sänger in diesem Jahr im Nordosten rund 140 500 Euro an Spenden eingeworben.

Die von der evangelischen Kirche getragene Diakonie verzeichnet nach eigenen Angaben in Mecklenburg-Vorpommern eine ungebrochen hohe Spendenbereitschaft. So seien im Rahmen der Hilfsaktion „Brot für die Welt“ im Vergleich zum Vorjahreszeitraum bislang sogar 40 Prozent mehr an Spenden aus dem Nordosten eingegangen. „Hier fehlt allerdings noch die große Kollekte am Heiligen Abend, die in den Gottesdiensten gesammelt wird und den Hauptteil der Spenden für ,Brot für die Welt’ ausmacht“, sagt Diakoniepastor Martin Scriba. Im Jahr 2015 kamen im Land fast eine Million Euro für „Brot für die Welt“ zusammen. Auch die von Spenden abhängigen Tafeln können nicht über mangelnde Unterstützung klagen. „Für die Tafelarbeit gehen die Geldspenden wie in den Vorjahren ein. Auch bei Sachspenden ist große Bereitschaft zu verzeichnen, so dass wir alle Ausgabestellen und Küchen beliefern können“, erklärt Peter Grosch von der Schweriner Tafel der Diakonie.

Die Tafel der Volkssolidarität in Altentreptow (Mecklenburgische Seenplatte) profitiert in diesem Jahr von der Trinkfreude der Besucher auf dem Schweriner Weihnachtsmarkt. Mit dem Verkauf von Glühwein wurden laut Volkssolidarität-Landesgeschäftsführerin Kerstin Liebich 1500 Euro erlöst, die an die Tafel gingen. Die alljährliche Straßensammlung im September habe landesweit fast eine halbe Million Euro eingebracht.

Die Hilfsbereitschaft geht nach den Erfahrungen des DRK aber weit über Geld- und Sachspenden hinaus. Gerade in der Flüchtlingshilfe hätten besonders viele Menschen spontan ihre Mitarbeit angeboten, in Kleiderkammern oder bei der Betreuung geholfen. „Sie spendeten Zeit, ein heutzutage ganz besonders wertvolles Gut. Solch bürgerschaftliches Engagement ist der Kitt der Gesellschaft“, betont DRK-Vorstandsmitglied Jan-Hendrik Hartlöhner.