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Landgericht Rostock Nicht ein Ansatz von Reue

Von Redaktion svz.de | 19.12.2016, 21:00 Uhr

Die Tat bei Rostock hatte für Entsetzen gesorgt: Ein Mann stach mehrfach auf einen Bauunternehmer ein und verletzte ihn schwer. Am Montag wurde der Täter zu einer hohen Haftstrafe verurteilt.

Sieben Jahre und sechs Monate Freiheitsstrafe wegen versuchten Totschlags in Tateinheit mit gefährlicher Körperverletzung lautete gestern das Urteil des Landgerichtes Rostock gegen den Bauunternehmer Jörg Sch.(48) aus Marlow. Es lag damit erheblich über dem Antrag der Staatsanwaltschaft, die nur sechs Jahre Haft beantragt hatte.

Das Gericht hatte keinen Zweifel an der Täterschaft des Angeklagten. Die Beweisaufnahme habe eindeutig bestätigt, dass Jörg Sch. am Morgen des 24. März 2016 bewaffnet mit zwei Messern in das Haus des Kaufmanns Reinhard M. (59) in Kösterbek eindrang, um ihn zu töten.

In der Küche versetzte er ihm zwei Stiche in den Oberbauch und verletzte ihn mit einer Glasscherbe am Hals. Danach jagte er den Hausherrn durch die Räume und um das Haus herum, stach erneut auf ihn ein, wobei er ihm Schnittwunden am Schlüsselbein und am Ellenbogen zufügte. Schwer verletzt konnte der 59-Jährige das Haus des Nachbarn erreichen. Diesen Verlauf hätten die wahrheitsgemäßen Aussagen des Geschädigte und seiner Ehefrau sowie die Spurensicherung ergeben. Reinhard M. erlitt schwere Verletzungen an Leber, Magen und Bauchspeicheldrüse. Er musste notoperiert werden. Am Abend des Tattages stellte sich der Angeklagte der Polizei.

Erst am vorletzten Verhandlungstag räumte der Angeklagte seine offenkundige Täterschaft ein. Genau wie die Anklagevertreter konnte auch das Gericht außer, dass der 48-Jährige Erstverbüßer ist, keine weiteren Milderungsgründe finden. Dafür aber zahlreiche strafverschärfende. Der Angeklagte ging nach einem Plan vor, spionierte das Haus des Opfers aus, organisierte seine Flucht und gab die Verfolgung seines Opfers erst auf, als die Polizei im Anmarsch war. Auch das Gericht berief sich auf das psychiatrische Gutachten, das weder eine schwere Berauschung des Angeklagten zur Tatzeit noch eine Bewusstseinstörung festgestellte.

Als besonders strafverschärfend wertete das Gericht, dass der Angeklagte nicht den Ansatz von Reue zeigte – der Angeklagte wollte bestrafen und nicht seine vermeintlich noch ausstehenden Geldzahlungen eintreiben.

Der Vorsitzende Richter gab dem Angeklagten noch einen guten Rat mit auf den Weg: „Wenn sie nicht umdenken, werden sie die Strafe bis auf den letzten Tag absitzen.“ An der Verteidigungsstratege ließ er kein gutes Haar. Sie hatte eine Bewährungsstrafe unter zwei Jahre gefordert.