Ein Angebot des medienhaus nord

Bauernverband MV Neues Tierschutz-Label an der Theke

Von Uwe Reißenweber | 27.11.2012, 10:56 Uhr

Der Deutsche Bauernverband gründet eine neue Projektgruppe mit Fleischwirtschaft und Einzelhandel. Doch der MV steht einem geplanten neuen Label zum Tierschutz in Supermarkt-Fleischtheken lediglich abwartend gegenüber.

Der Bauernverband Mecklenburg-Vorpommern steht einem geplanten neuen Label zum Tierschutz in Supermarkt-Fleischtheken lediglich abwartend gegenüber. Sprecher Harald Kienscherf schloss sich gestern den Aussagen des Bundesverbandes an, wonach der Ansatz durchaus Charme habe, dass Betriebe für Investitionen in höhere Tierschutzstandards vom Handel direkt honoriert würden. Doch das Vorhaben sei nicht neu. Bisherige Kennzeichnungen für spezielle Haltungskriterien hätten sich am Markt jedoch nie wirklich durchgesetzt. "Unsere Tiere werden auf Basis der geltenden Tierschutzbestimmungen gehalten, Tierhaltungen mit großen Beständen erfüllen diese genau wie andere", sagte Harald Kienscherf.

Der Deutsche Tierschutzbund will das blaue Label zunächst nur für Produkte von Hühnern und Schweinen vergeben. Erste Angebote sollen Anfang 2013 in den Kühltheken der Supermärkte liegen. Fleisch mit diesem Siegel werde wohl mehr als zehn Prozent teurer sein als konventionelles Fleisch. Der Tierschutzbund will das blaue Siegel in der Einstiegsstufe vor allem an konventionelle Betriebe vergeben, die Tiere deutlich artgerechter halten als gesetzlich vorgeschrieben. Das heißt, ihnen zum Beispiel mehr Platz geben oder sie nicht zu lange in Tiertransporter laden. Die zweite Variante mit höheren Anforderungen wie etwa Auslauf richte sich auch an Biobetriebe.

Erste Erzeugerbetriebe und Supermärkte, die mitmachen wollen, seien schon gewonnen, erläuterte Karl-Heinz Steinkühler für den Tierschutzbund. Allerdings - das Agrarland Mecklenburg-Vorpommern ist vorerst noch nicht dabei. Ab Januar beginne man mit Supermärkten in Kiel, München, Berlin und dem Ruhrpott eine Testphase, die Erzeugerbetriebe, die sich bislang beteiligen, haben ihren Sitz in Niedersachsen und in Schleswig-Holstein. In Mecklenburg-Vorpommern gebe es eben mehr Großbetriebe, erklärte er und deutete an, dass dort der Label-Versuch eher auf weniger Entgegenkommen stoßen könnte. Gesucht habe man vorerst Betriebe, die auch schon in der Vergangenheit besonders auf den Tierschutz geachtet hätten und nach Regionen, wo Handelspartner, Erzeuger und auch Schlachtbetriebe ein Zusammenspiel ergeben, so dass möglichst wenig Investitionen für das Label nötig sind. Mitte des kommenden Jahres sei eine erste Bilanz der Testphase geplant. "Wenn es gut anläuft, ist es natürlich nicht ausgeschlossen, dass Mecklenburg-Vorpommern mit einbezogen wird", sagte Karl-Heinz Steinkühler.

Der Nordost-Bauernverband betonte seinerseits , dass mit dem Lebensmitteleinzelhandel und der Fleischwirtschaft die konkrete Ausgestaltung einer Initiative Tierwohl im Detail verhandelt werden solle. MV-Bauernpräsident Rainer Tietböhl: "Mit jeder Investition in einen neuen Stall wollen Bauern eine Verbesserung für das Wohlbefinden der Tiere und für die Arbeitsbedingungen der Menschen erreichen." Tierkomfort sei nicht mit der bisherigen Strategie von Billigstpreisen des Lebensmitteleinzelhandels erreichbar. Deshalb werde in einer Projektgruppe mit Fleischwirtschaft und Lebensmitteleinzelhandel geprüft, wie mehr Tierwohlkriterien im Einklang mit einer entsprechenden Honorierung realisiert werden könnten.