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Neues Naturschutzgebiet Neues an der Schleimündung

Von Sebastian Conradt | 16.09.2011, 11:57 Uhr

Die Landschaftsentwicklung am Übergang der Schlei zur Ostsee ist mit keiner Flussmündung vergleichbar. In der Vergangenheit wurde viel für Natur und Kultur bewegt.

Bereits vor 90 Jahren wurde die vielgestaltige Küstenlandschaft nördlich der Schleimündung vor dem störenden Einfluss des Menschen in Schutz genommen. Auf den Strandwällen, Dünen und Salzwiesen fanden zahlreiche Seevögel einen idealen Brut- und Rastplatz, der von Menschen nicht mehr betreten werden sollte. So konnte hier lange eine der größten Sturmmöwenkolonien Schleswig-Holsteins bestehen.

Mit der Verlandung der alten Schlei mündung kamen jedoch Füchse auf die Nehrung, die die Nester der am Boden brütenden Vögel ausraubten. In der Folge wanderten die Sturmmöwen auf die am Südufer der Schlei gelegene Halbinsel Olpenitz ab.

Nach intensiven Verhandlungen ist seit dem 27. Mai 2011 nun auch dieser Küstenabschnitt, der in unmittelbarer Nachbarschaft zum entstehenden Ferienressort Port Olpenitz liegt, unter Naturschutz gestellt worden. "Wir bewahren an der gesamten Schleimündung ein vom Menschen weitgehend ungestörtes und für die Ostsee typisches Küsten-Ökosystem, wie es sie in Schleswig-Holstein kaum noch gibt", betont Thorsten Harder, Geschäftsführer des Naturschutzvereins Jordsand. Im ehemaligen Lotsenhaus hat der Verein seinen Vogelwart stationiert, der interessierten Besuchern auf Führungen Einblicke in die einzigartige Tier- und Pflanzenwelt gewährt.

Informationen: www.jordsand.eu

Die "Lighthouse Foundation" bringt neuen Schwung

Sie misst nicht einmal einen Hektar, ist keine Insel und doch nur auf dem Wasserweg zu erreichen. Vielleicht ist es diesen Besonderheiten zu verdanken, dass Segler und Naturfreunde über Jahre auf der Lotseninsel ein Flair entfaltet haben, das von sozialem Miteinander und pfleglichem Umgang mit natürlichen Ressourcen gleichermaßen geprägt ist. Als vor drei Jahren die Insel - zwischen Naturschutzgebiet und heutiger Schleimündung gelegen - aus dem Bundesbesitz veräußert werden sollte, drohte dieses abgeschiedene Kleinod für die Öffentlichkeit verloren zu gehen. Mit überraschendem Einsatz sicherte sich die "Lighthouse Foundation" seinerzeit das Anwesen als eines ihrer weltweiten Projekte zur Rettung einer schonenden Lebensweise mit und an den Meeren. "Gerade dies ist ein Ziel unserer Stiftung", sagt Vorstand Jens Ambsdorf, "um ein Beispiel für eine an den Prinzipien der Nachhaltigkeit orientierte Lebensweise zu geben".

Und es gab viel zu tun für die Lighthouse Foundation: Das über 100 Jahre alte Lotsenhaus war durch Salzwassergischt und Ostseestürme stark sanierungsbedürftig geworden. Auch suchte es schon länger nach einer weiteren Bestimmung, denn für die Naturschützer allein war es überdimensioniert. So wurde das Gebäude nach historischem Vorbild aufwendig restauriert und umgebaut, um es als Unterkunft für verschiedenste Gruppen nutzen zu können, die hier ihre Workshops und Seminare abhalten. Der Verein Jordsand bietet Kurse zum Naturerlebnis an, etwa über das marine Leben in der Ostsee, die Biodiversität der Schlei oder den Schweinswal. Ein Ostseelabor für kleine und große Freizeitforscher soll folgen.

Infos: www.lotseninsel.de

Genießerland Schleimünde

Schier unersättlich trotten die Galloways über die Strandwälle und Salzwiesen, fressen Beifuß und Boddenbinse, Strandquecke und auch die Büsche der Kartoffelrose kurz und klein. Schwelgen - das ist ihr Lebenssinn. Denn nachdem die traditionelle Beweidung im Naturschutzgebiet Mitte der 1970er Jahre aufgegeben worden war, schoss die Vegetation enorm in die Höhe. Die Seevögel fanden kaum noch einen geeigneten Platz am Boden für ihre Gelege.

Vor fünf Jahren entschloss sich daher die Stiftung Naturschutz Schleswig-Holstein, die Beweidung mit Robust-Rindern auf der 362 Hektar großen Nehrung wieder aufzunehmen. "Im Rahmen des Life-Baltcoast Projekts zur europaweiten Verbesserung von Küstenlebensräumen grast nun eine Herde von 20 Galloways in einem unberührten Naturschutzgebiet", erklärt Stiftungsmitarbeiterin Britta Küper, "und produziert ganz nebenbei feinstes Biorindfleisch". Auf kulinarischen Genießerland-Touren zur Lotseninsel bietet die Naturschutzstiftung nicht nur einen Einblick in das Leben der Rinderherde auf ihrer "Wilden Weide". Beim Galloway-Snack kann sich jeder Teilnehmer außerdem vom Geschmack des Naturschutzfleisches überzeugen.

Infos: www.sh-geniesserland.de
Kultur mit Meeresrauschen

Nachhaltigkeit bedeutet der Lighthouse Foundation nicht nur naturverträgliches Wirtschaften, auch das sozio-kulturelle Leben bildet für sie einen elementaren Baustein dieser Wertorientierung. Und so fördert die Stiftung Kulturschaffende unterschiedlichster Ausrichtung bei Auftritten und Präsentationen auf der Lotseninsel. Zu den größten Attraktionen gehört die jährliche Kulturwoche "unmarked_space": Dann spielen Musiker auf der Kleinkunstbühne direkt am Ostseestrand, und Schauspieler rezitieren neue Literatur unter dem Leuchtturm. Überall auf der Insel können spontane Performances erlebt werden. Tänzer bewegen sich zum Rauschen der Wellen und auch bildende Künstler sind in dem bunten Programm mit ihren Gemälden, Grafiken und Skulpturen vertreten.

"Wir wollten mit unserer Kulturwoche unbedingt auf eine Insel gehen", erklärt Veranstalter Thimo Plath. "Die Besucher, die sich auf den Weg hierher machen, die wollen auch etwas. Und der Austausch unter allen Teilnehmern - ob Künstler oder Zuschauer - ist viel intensiver."