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Reiseziele ab Hamburg Neue Streiks angekündigt: Ein Drittel der Eurowings-Flüge könnte ausfallen

Von dpa, afp und Jakob Koch | 27.12.2019, 18:12 Uhr

Der Streit zwischen Flugbegleitern und Lufthansa eskaliert. Jetzt trifft es Germanwings, die für Eurowings fliegen.

Die Kabinengewerkschaft Ufo kündigte am Freitag über den eigenen Youtube-Kanal neue Streiks bei der Lufthansa-Tochter Germanwings an. Konkret soll es um den Zeitraum von Montag, 30. Dezember, 0 Uhr, bis Mittwoch, 1. Januar 2020, 23:59 Uhr gehen. Weitere Streiks bei der Lufthansagruppe werde man frühestens nach dem 2. Januar verkünden, sagte Ufo-Vize Daniel Flohr.

Die Tochter Germanwings ist laut Konzernangaben noch mit 30 Flugzeugen und 1400 Mitarbeitern, davon 800 in der Kabine, für die Nachfolgemarke Eurowings unterwegs, soll aber perspektivisch auf den Eurowings-Flugbetrieb verschmolzen werden. Einen eigenen Markenauftritt gibt es nicht mehr. Das Management gebe den Mitarbeitern keine klare Perspektive für die Zukunft ihres Flugbetriebs, erklärte Flohr. Diese Perspektivlosigkeit zeige sich auch in den Tarifthemen am Verhandlungstisch.

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Eurowings kündigte am Freitagabend an, einen Sonderflugplan zu erstellen, um die Auswirkungen auf die Fluggäste gering zu halten. Offizieller Streikgrund sind Regelungen zur Teilzeit, die laut Eurowings bereits seit einem Jahr umgesetzt sind. "Der Streikaufruf ist absolut unangemessen", erklärte ein Unternehmenssprecher. Noch am Montag habe man der Ufo eine Moderation angeboten, was abgelehnt worden sei. Der entsprechende Tarifvertrag liege unterschriftsreif vor. Allerdings hatte auch Germanwings wie der Mutterkonzern Lufthansa die Vertretungsberechtigung der Ufo-Funktionäre bezweifelt.

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Eurowings

Vom Flughafen Hamburg aus bietet die Lufthansa-Tochter Eurowings zahlreiche Verbindungen an. Welche Flüge im betroffenen Zeitraum ausfallen, ist derzeit unklar. Eine Sprecherin des Flughafens teilte mit: "Wir wissen nicht, welche Auswirkungen es geben wird." Aktuelle Informationen dazu sollen auf der Internetseite veröffentlicht werden. "Ansonsten müssen die Passagiere auf den Sonderflugplan der Lufthansa-Tochter warten."

Nach Berechnungen des Fachportals "austrianaviation.net" soll Germanwings an den drei Streiktagen ein knappes Drittel des geplanten Eurowings-Flugprogramms absolvieren. Gefährdet sind danach 229 von 795 Starts aus Deutschland. Bereits beim ersten Warnstreik bei vier Lufthansa-Töchtern im Oktober war die Streikbeteiligung bei der Germanwings am höchsten gewesen. Damals waren innerhalb von 19 Stunden rund 150 Flüge ausgefallen, unter anderem in Berlin-Tegel, Köln, München, Stuttgart und Hamburg.

Das Ufo-Statement im Video:

Zuletzt hatten die tief zerstrittenen Parteien versucht, mit Hilfe der prominenten Schlichter Matthias Platzeck und Frank-Jürgen Weise zumindest einen Fahrplan für die anstehenden Schlichtungsgespräche zu vereinbaren. Die Ufo sieht diesen Versuch als gescheitert an.

In dem Konflikt hat es bereits einen Warnstreik bei vier Lufthansa-Töchtern sowie im November einen zweitägigen Streik bei der Kerngesellschaft Lufthansa gegeben. Hier waren etwa 1500 Flüge mit rund 200.000 betroffenen Passagieren ausgefallen. Das war nicht selbstverständlich, denn die Gewerkschaft hatte sich in den Monaten zuvor in internen Kämpfen selbst geschwächt. Mehrere Vorstandsmitglieder waren zurückgetreten und hatten sich gegenseitig mit Untreue-Vorwürfen überzogen, was auch zu staatsanwaltschaftlichen Ermittlungen geführt hat, die noch andauern.

Das grundsätzliche Problem des Konflikts

Es fehlt insgesamt wohl am gegenseitigen Vertrauen. Die Lufthansa hat die Ufo, mit der sie seit 2002 Tarifverträge geschlossen hat, in den vergangenen Monaten extrem hart bekämpft und sogar die Gewerkschaftseigenschaft infrage gestellt. Der Konflikt fußt im Jahr 2015, als der damalige Ufo-Chef Nicoley Baublies die bis dahin eher zahmen Flugbegleiter in den längsten Streik der Lufthansa-Geschichte geführt hat. Erst nach einer komplizierten Schlichtung unter Matthias Platzeck wurden 2016 neue, für die alteingesessenen Flugbegleiter recht vorteilhafte Tarifverträge geschlossen.

Gerüchteweise soll es seit dem Konflikt die Vorgabe aus dem Aufsichtsrat geben, dass Baublies das Unternehmen verlassen müsse. Dem 47-Jährigen wurde mehrfach gekündigt, es wurden angeblich überzahlte Bezüge zurück verlangt und sogar einem Drogentest musste sich der einstige Kabinenchef (Purser) unterziehen. Die Gewerkschaft verlangt eine Aufarbeitung des Konflikts und die Rücknahme mehrerer Klagen auch gegen die beiden aktuellen Vorsitzenden der Ufo, Sylvia de la Cruz und Daniel Flohr. Die Lufthansa spricht von unzulässigen Vorbedingungen und ist lediglich zu einem separaten richterlichen Güteverfahren bereit, das parallel zur Schlichtung laufen könnte.

Der Überlebenskampf von Ufo

Letztlich geht es der Spartengewerkschaft ums eigene Überleben. In der später widerrufenen Vereinbarung zur großen Schlichtung vom November hatte die damalige Lufthansa-Personalvorständin Bettina Volkens die Ufo als Mehrheitsgewerkschaft bei den rund 21.000 Flugbegleitern der Lufthansa Classic anerkannt. Die Belange der zweiten Gewerkschaft Verdi sollten geachtet werden. Die Ufo fürchtet allerdings, dass sich Lufthansa in Zukunft stärker an die Verdi halten könnte, die ihr bereits bei der Tochter Eurowings heftige Konkurrenz macht. Volkens wurde zwischenzeitlich abgelöst.