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Rostock Nächster Auftritt bei Gericht

Von mart | 05.11.2012, 05:15 Uhr

Seit gestern steht es fest: Radiomoderator Marcus Japke muss sich wegen sexueller Vergehen an einem Kind beziehungsweise einer Jugendlichen vor dem Landgericht Rostock verantworten.

Die Staatsanwaltschaft hat Anklage wegen schweren sexuellen Missbrauchs von Kindern und schweren sexuellen Missbrauchs von Jugendlichen erhoben.

Mit dem Beginn des Prozesses wird in den kommenden drei Monaten gerechnet. Der Grund: Japke sitzt seit 29. Mai in Untersuchungshaft. Nach genau sechs Monaten, am 29. November, erfolgt eine Haftprüfung durch das Oberlandesgericht. Sollte das Hauptverfahren bis dahin nicht begonnen haben, könnte der Verdacht der Verschleppung entstehen.

Laut Anklage werden dem 39-jährigen Mann 46 Einzeltaten zwischen September 2005 und Oktober 2008 zur Last gelegt, darunter auch Geschlechtsverkehr. Anfangs soll das betroffene Mädchen gerade einmal zwölf Jahre alt, also ein Kind, gewesen sein. Ab 14 gelten Heranwachsende als Jugendliche. Nach Darstellung des Gerichts gehen die Ankläger davon aus, dass bei mehreren Missbrauchsfällen ein zweites Mädchen - immerhin bereits über 14 - anwesend war. Sollten sich die Vorwürfe bestätigen, könne dem Anklagten eine Freiheitsstrafe von mehr als zehn Jahren drohen, wie das Gericht einschätzte.

Japkes Anwalt, der Rostocker Norbert Wendorff, lehnte gestern Nachmittag jede Stellungnahme ab. "Ich habe noch keine Anklage gesehen", begründete er. Angesichts des genannten Strafmaßes konnte der Jurist sein Unverständnis indes nicht verbergen. Er sei von der Unschuld des Moderators überzeugt, hatte Norbert Wendorff bei vorangegangenen Gelegenheiten gegenüber unserer Zeitung erklärt. In der Hauptverhandlung werde man die Beweise dafür auf den Tisch legen, kündigte er an. Marcus Japke selbst soll sich bislang gegenüber den Ermittlungsbehörden nicht geäußert haben. Unmittelbar nach seiner Verhaftung hatte er die Anschuldigungen als Verschwörung bezeichnet. Ende Juni war der Moderator mit einer Haftbeschwerde gescheitert. Das Landgericht lehnte die Aufhebung des Haftbefehls ab. Angesichts der möglichen hohen Strafe bestehe Fluchtgefahr, hieß es zur Begründung.

Die Verhaftung des Radiomannes während seiner Morgensendung und vor laufenden Kameras hatte landesweit für Aufsehen gesorgt und kontroverse Diskussionen über den Umgang mit bekannten Tatverdächtigen ausgelöst. Marcus Japke war für seinen großspurigen Lebensstil berüchtigt. Er hat eine Lebensgefährtin und ist Vater von einjährigen Zwillingen.