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Tödlicher Schuss auf CDU-Politiker Mordfall Walter Lübcke: Mutmaßlicher Mörder bezeichnete Opfer als "Volksschädling"

Von dpa | 08.05.2020, 17:53 Uhr

Offensichtlich war eine von Fremdenfeindlichkeit getragene Einstellung ausschlagebend für die Tat.

Der mutmaßliche Mörder des Kasseler Regierungspräsidenten Walter Lübcke soll den CDU-Politiker als "Volksschädling" bezeichnet haben. Diesen Begriff habe der Hauptverdächtige Stephan E. gegenüber seinem damaligen Rechtsanwalt Dirk Waldschmidt verwendet, berichtet "Der Spiegel" (Samstag). Demnach habe E. früh gestanden, dass Lübcke für ihn ein "Volksschädling" gewesen sei, der den Tod verdient habe. Waldschmidt hatte ihn zu Beginn des Ermittlungsverfahrens vertreten.

Frühere Tötungsabsichten

"Er hat es mir gesagt, nachdem er gegen meinen Rat ein Geständnis bei der Polizei abgelegt hat", erklärte Waldschmidt der Deutschen Presse-Agentur. Dabei habe Stephan E. in einem Gespräch eingeräumt, dass er bereits zu einem früherem Zeitpunkt Lübcke wegen seiner Äußerungen zur Asylpolitik habe töten wollen. In diesem Zusammenhang habe E. den Politker als "Volksschädling" bezeichnet.

Rassismus und Fremdenfeindlichkeit

Walter Lübcke war im Juni 2019 auf der Terrasse seines Hauses im Landkreis Kassel mit einem Kopfschuss getötet worden. Der Generalbundesanwalt hat Ende April Anklage gegen Stephan E. und einen mutmaßlichen Unterstützer erhoben. Laut Ermittlern war eine von Rassismus und Fremdenfeindlichkeit getragene völkisch-nationalistische Grundhaltung ausschlagebend für die Tat. E. selber hat ein erstes Geständnis zurückgezogen und im Januar die Schussabgabe als Versehen dargestellt.