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Kommentar zu Sammeltaxis Mobilität: Von der Droschke zum Digitalen

Von Katharina Ritzer | 06.12.2019, 18:24 Uhr

In Afrika und Asien sind Sammeltaxis wichtige Verkehrsmittel. Hierzulande wächst das Angebot auch – allerdings vornehmlich in den städtischen Ballungsräumen. Dabei wäre das Angebot in den vom öffentlichen Nahverkehr unterversorgten ländlichen Regionen wesentlich notwendiger und nützlicher. Ein Kommentar.

Er ist tatsächlich noch gültig, der amtliche Erlass zum „Gelegenheitsverkehr mit Kraftdroschken“. Damit wird in NRW den Landkreisen und kreisfreien Städten die Genehmigung von Kraftdroschken übertragen, besser bekannt als Taxis. So alt wie der Erlass ist auch das Denken, mit der unser öffentlicher Verkehr reguliert wird: Es gibt Bus und Bahn für die Masse und Taxis für Menschen bei Kasse. Dazwischen gibt es – nichts.

Bis jetzt, denn im digitalen Zeitalter ist die Kraftdroschke ein Auslaufmodell. Mit dem Fahrdienst Uber etwa soll jeder über eine App zum Gelegenheits-Taxifahrer werden können, beim Ridepooling lassen sich ebenfalls per App Sammeltaxis rufen, deren Strecken vom Algorithmus berechnet werden. Angebote also, die billiger als das Taxi und komfortabler als der Bus sind und so Autofahrer überzeugen sollen, ihren Verbrenner stehen zu lassen. Was in der Theorie Straßen und Luft gleichermaßen entlasten soll, derzeit in der Praxis aber dazu führt, die Innenstädte mit noch mehr Fahrzeugen zu verstopfen.

Auf dem Land aber werden solche neuen Angebote dringend benötigt. Da fahren Busse viel zu selten, da sind lange Strecken mit dem Taxi viel zu teuer. Immer mehr Bürgerbusse mit ehrenamtlichen Fahrern zeigen hingegen, woran Bedarf besteht. Eine große Aufgabe also für die Autoindustrie – und für den Staat, denn auch dafür braucht es ein Netz in der Fläche.