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Start-Förderinitiative Mit Willensstärke in den Traumjob

Von DABE | 14.02.2014, 21:30 Uhr

Die Start-Förderinitiative unterstützt engagierte Jugendliche mit Migrationshintergrund – Jan Krasnjanskij ist einer von 21 Stipendiaten in MV.

Wenn andere Jugendliche in seinem Alter am Wochenende vor dem Computer hocken und irgendetwas spielen, übt Jan Krasnjanskij lieber auf dem Klavier, besucht Seminare zur Berufsorientierung oder liest ein Buch von Oscar Wilde in Originalsprache. Der 15-Jährige möchte in seinem Leben unbedingt etwas erreichen, ein sehr gutes Abitur schreiben, eine Naturwissenschaft studieren, um irgendwann einen tollen Job zu finden. Auf der ersten Etappe zu seinem Ziel wird der Neuntklässler seit August 2013 von der Start-Förderinitiative unterstützt und bekommt dabei mehr als nur 100 Euro Bildungsgeld.

„Es ist vor allem die ideelle Unterstützung, die mir wichtig ist“, sagt der Schüler des Goethe-Gymnasiums in Schwerin. Mit einem freundlichen Lächeln erklärt er, wie viel ihm die Unternehmungen mit den anderen Stipendiaten geben. „Wir gehen zum Beispiel ins Museum oder tauschen uns einfach nur über die aktuelle Politik aus.“ Jan ist einer von momentan 21 jungen Leuten in Mecklenburg-Vorpommern, die von der Start-Förderinitiative unterstützt werden. Es die größte deutsche Förderinitiative für Schüler mit Migrationshintergrund. Einmal im Jahr werden neue Stipendiaten aufgenommen. Neben dem monatlichen Bildungsgeld bekommen sie einen Laptop und Drucker gestellt. Bei Bedarf können die Jugendlichen außerdem zusätzliche finanzielle Mittel in Anspruch nehmen, beispielsweise für Sprachkurse.

Jan wurde im ukrainischen Charkow geboren und kam 2002 mit seinen Eltern nach Deutschland. Für ihn ist es ein großer Gewinn, dass er seit Schuljahresbeginn Teil des Start-Programms ist. Von den monatlich 100 Euro Bildungsgeld kaufe er sich nicht nur Stifte und Hefte für den Unterricht, sondern auch Zeitungen, Magazine und Bücher, um sich nach Schulschluss weiterzubilden. Derzeit verfolgt er besonders aufmerksam die politischen Entwicklungen in seinem Heimatland. Er ist sich sicher: „Die Ukraine schafft das schon.“ Ohne die Förderung wären Extras wie Zeitungs- oder Magazin-Abos nicht drin, denn Jans Eltern sind derzeit arbeitssuchend. Es war der Klassenleiter des 15-Jährigen, der ihn auf die Förderinitiative aufmerksam machte. „Ich habe mir gedacht, warum soll ich es nicht einfach mal versuchen“, so Jan. Am Ende überzeugte er die Jury in allen drei Qualifikationsrunden. Jetzt kandidiert er sogar als Sprecher seiner Regionalgruppe. Führungsqualitäten bringe er auf jeden Fall mit, sagt Jan selbstbewusst. Als Schulsanitäter müsse er regelmäßig Leute anleiten. Doch die Konkurrenz ist groß, denn alle Start-Stipendaten tun sich durch ihr außergewöhnliches Engagement hervor. Ob es für Jan am Ende reicht, entscheidet sich am nächsten Wochenende. Dann treffen sich die Stipendiaten wieder einmal bei einem Bildungsseminar. Dieses Mal geht es um Berufsorientierung.

Jan hat so viele Interessen, dass er noch nicht genau sagen kann, was er später einmal werden will. Er könne sich vorstellen Geografie zu studieren, aber auch Biologie, Chemie und Physik interessieren ihn sehr. Und dann ist da auch noch die Medizin, die er spannend findet. „Manchmal reicht es aus, jemanden ein Pflaster zu geben und man bekommt viel Dankbarkeit zu spüren“, so Jan. Ihm bereite es große Freude, anderen zu helfen. Das liegt womöglich daran, dass er selbst erfahren hat, wie wichtig die Hilfe anderer Menschen ist. Als Jan nach Deutschland kam, musste er eine neue Sprache lernen. „Im Kindergarten wurde ich immer mit viel Respekt behandelt und die anderen Kinder haben mir geholfen, neue Wörter zu lernen“, sagt er. Heute spricht er fließend und nahezu akzentfrei Deutsch. Zu Hause wird sich aber immer noch auf Ukrainisch unterhalten. Der ständige Wechsel zwischen den Sprachen bereite ihm aber keine Probleme – das sei Gewöhnung. Oder eben sprachliches Talent. Denn neben seiner Muttersprache spricht Jan auch noch Russisch und Englisch. Und in Latein schreibt er auch nur gute Noten.

Wie viele Einser und Zweier er auf dem Zeugnis hat, weiß der 15-Jährige nicht genau. Noten seien ihm nicht so wichtig. Für ihn gehe es einzig und allein darum, irgendwann einen tollen Job zu bekommen. Und daran hat er keine Zweifel: „Wenn ich mir etwas in den Kopf gesetzt habe, dann bekomme ich das auch hin.“

Start-Förderinitiative: Bewerbung bis 1. März im Internet unter www.start-stiftung.de