Ein Angebot des medienhaus nord

Weihnachtsspendenaktion Ein glücklicher Tag in Warnemünde

Von Dörte Rahming | 15.12.2022, 18:36 Uhr

Barbara Körner kann dank des ASB-Wünschewagens mit ihrer Familie noch einmal Zeit an der Ostsee verbringen.

Blauer Himmel, wenig Wolken, ruhiges Wasser: der perfekte Tag für einen Ausflug an die Ostsee. Und genau das hat Barbara Körner sich gewünscht. Allerdings kann sie sich nicht mehr einfach ins Auto setzen und von Güstrow nach Warnemünde fahren. Denn seit zwei Jahren leidet sie an ALS, einer Nervenerkrankung, die bestimmte Zellen im Gehirn und im Rückenmark zerstört, dadurch verlieren Muskeln ihre Funktionsfähigkeit – schleichend, tückisch und unheilbar.

Aber das hält sie nicht davon ab, noch einmal mit eigenen Augen den Horizont über dem Meer sehen zu wollen. „Denn wir waren früher viel an der Ostsee, in Markgrafenheide oder Warnemünde oder auch zum Zelten auf Rügen“, erzählt sie.

Mann, Tochter und als Überraschungsgast die Enkelin sind mit dabei

Ein paar Gespräche und Telefonate später hatte das Team des Wünschewagens den Ausflug organisiert, und nun, an diesem sonnigen Tag, kommt Barbara Körner am Hotel „Neptun“ in Warnemünde an. Bei ihr sind ihr Mann Fritz und ihre Tochter Christin – und natürlich die drei Ehrenamtler vom Wünschewagen. Als Überraschung taucht auch noch Enkelin Maja auf.

Es kostet ein bisschen Mühe, die 72-Jährige aus dem Auto in ihren Rollstuhl zu setzen, denn sie kann ihre Beine nicht mehr bewegen, also nicht mithelfen. Aber „mit Geduld und Spucke“ gelingt es – und mit der fachkundigen Unterstützung von Ehrenamtlerin Britta Schermer, die ausgebildete Krankenschwester ist.

Schon nach den ersten Metern ein ungeplanter Stopp: In einem der Souvenirläden am Kurpark gibt es bunte Accessoires für den Winter. Barbara Körner hat sichtlich Spaß daran, sich ein Stirnband auszusuchen, das genau zu ihrer Jacke passt.

Essen, Plaudern, Genießen

Doch dann hat die kleine Gruppe einen Termin: Zum Mittagessen ist die Familie im Restaurant „Carls“ in der Mühlenstraße angemeldet. Auf dem Weg dahin erzählt Tochter Christin, dass ihre Mutter am meisten darunter leidet, dass sie nur noch so wenig selbst tun kann und täglich auf Hilfe angewiesen ist. „Sie war so aktiv und selbständig, immer die Starke. Und dann konnte sie praktisch von heute auf morgen nicht mehr laufen. Jetzt kann sie zwar die Hände noch etwas bewegen, hat aber auch schon Lähmungen.“

Auch Ehemann Fritz ist nicht mehr so gut zu Fuß. Seine Frau hätte ihn gepflegt, wenn es mal schlechter wird, erzählt er. „Aber nun kommt alles anders.“ Das ganze Leben musste umgestellt werden: Früher hatten die beiden ihren Garten und waren auch immer gern auf Reisen. Heute kommt täglich der Pflegedienst, denn es ist ihnen wichtig, zu Hause zu wohnen. Auch die Familie hilft – parallel zum eigenen Leben.

Aber auf diesen Tag am Meer hat sich ihre Mutter sehr gefreut, weiß Christin. Im „Carls“ ist ein separater Tisch am Fenster reserviert, und es dauert nicht lange, bis alle etwas auf der umfangreichen Speisekarte gefunden haben.

Da die Patientin sonst meist liegt, wird das Sitzen im Rollstuhl für sie etwas anstrengend. Wieder ist Britta Schermer mit einem Trick zur Stelle: Sie polstert die Sitzfläche an einer Seite mit einem Schal, das bringt Erleichterung.

Alle genießen das Essen, daneben ist Gelegenheit zum entspannten Plaudern. Die Stimmung ist freundlich und vertrauensvoll. Die Ehrenamtler vom Wünschewagen freuen sich mit. Für Uwe Kleinhans ist es die erste Fahrt, vor ein paar Tagen erst hat er die Helfer-Schulung beim ASB absolviert.

Das Meer von oben

Barbara Körner schiebt ihre Krankheit heute mal weg. „Ich bin so glücklich, das glaubt ja keiner“, sagt sie immer wieder. Ihre Stimme ist leise, aber die glänzenden Augen und das strahlende Lächeln erzählen auch ohne viele Worte, wie es ihr geht. Mit langsamen Bewegungen zieht sie ihr Smartphone zu sich heran, entsperrt es. „Als ich vor ein paar Jahren an Krebs erkrankt war, habe ich angefangen zu malen“, erzählt sie und zeigt Fotos von den Bildern, die sie bisher geschaffen hat: gemalt, gezeichnet, gestaltet – vielfältig und voller Farben. „Ich hab schon immer gern gemalt, aber ich wusste nicht, dass ich so ein Talent habe.“ Sie hat sich mindestens ein weiteres Bild vorgenommen, solange Arme und Hände es noch mitmachen. „Das tut mir so gut.“

Nach dem reichhaltigen Essen kommt ein kleiner Spaziergang gerade recht, denn nun endlich geht es ans Meer. Zwar kommt die Familie mit dem Rollstuhl nur bis ans obere Ende des Strandes. Aber hier, direkt am Teepott, hat Barbara Körner freie Sicht auf die Ostsee, die Fähre nach Dänemark, die bunten Drachen am Himmel – und den Horizont. Sie sitzt da, schweigt und genießt.

Danach folgt der letzte Programmpunkt dieses Tages: ein Blick von oben. Denn auch in der Sky-Bar des „Neptun“-Hotels ist die Gruppe angemeldet. Auf dem Tisch ganz vorn, dort wo der Blick am besten ist, steht das Reserviert-Schild. „Wir waren schon so oft in Warnemünde, aber hier hoch haben wir es nie geschafft“, sagt Barbara Körner. „Es ist herrlich.“ Immer noch wirkt sie fit und freudig, lächelt, erzählt und genießt – das Panorama genauso wie die fröhliche Runde.

Der Familie liegt der Wünschewagen so am Herzen, dass sie sogar selbst eine Spende bei den Ehrenamtlern abgibt. „Da ist kein Wasserkopf, sondern hier kommt das Geld da an, wo es hin soll“, meint Fritz Körner. Seine Frau schaut glücklich auf das Meer, das an diesem Nachmittag so ruhig daliegt. Und sie hat schon längst entschieden, dass sie dort draußen eines Tages auch ihre letzte Ruhe finden will.

Mehr Informationen:

Spendenkonten:

ASB-Landesverband MV e.V.
Bank für Sozialwirtschaft
IBAN: DE82 1002 0500 0001 4951 00
BIC: BFSWDE33BER

ASB-LV Brandenburg e.V.
Bank für Sozialwirtschaft
IBAN: DE49 100 20 50 0000 3545 401
BIC: BFSWDE33BER

Stichwort „Weihnachtsaktion Wünschewagen“

Benötigen Sie eine Spendenquittung, schreiben Sie bitte Ihren Namen und Ihre Adresse in die Zeilen für den Verwendungszweck.

Wunschanmeldungen:
www.wuenschewagen-mv.de
www.asb-lv-bbg.de/wuenschewagen

Noch keine Kommentare