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Schwerin Mietern droht höhere Abrechnung

Von Bernhard Sprengel, dpa | 21.02.2010, 06:29 Uhr

Für viele Mieter in MV könnte es bei der Heizkostenabrechnung in diesem Jahr eine böse Überraschung geben.

Wegen der langen Frostperiode war der Heizenergieverbrauch überall deutlich erhöht, wie eine Umfrage bei Wohnungsgesellschaften und Experten ergab. Um Nachzahlungen möglichst zu vermeiden, achteten die Gesellschaften sehr darauf, die monatlichen Vorauszahlungen anzupassen, sagte Mieterbund-Geschäftsführer Christian Rudolph.

Die WIRO Rostock will noch den Februar abwarten, dann aber ihre Abschläge um voraussichtlich 40 Prozent erhöhen, wie eine Sprecherin sagte. Der Verbrauch habe bei den Rostocker Mietern in den ersten Wochen des Jahres um fast 50 Prozent höher als im Vorjahreszeitraum gelegen. Zudem hätten die Stadtwerke ihren Arbeitspreis für Fernwärme am 1. Januar um mehr als 20 Prozent angehoben, erklärte WIRO-Sprecherin Dörthe Hückel-Krause. Bei den Abrechnungen für 2009, die derzeit vorbereitet würden, erwarte die Gesellschaft "sehr gute Ergebnisse". Doch wer sparsam war, darf trotzdem nicht mit einer Senkung der Abschläge rechnen. "Grundsätzlich werden wir bei der Betriebskostenabrechnung in diesem Jahr nicht nach unten anpassen", so die Sprecherin weiter.

Die Greifswalder WVG will ähnlich vorgehen. In individuellen Gesprächen sollen die Mieter davon überzeugt werden, die Vorauszahlungen unverändert zu lassen, selbst wenn sie für 2009 zu viel gezahlt haben. Dann hätten die Mieter ein kleines Guthaben, dass die Gesellschaft wie ein Treuhänder verwalte, erläuterte Geschäftsführer Klaus-Peter Adomeit. Der Heizkostenanstieg werde aber nicht so dramatisch sein, auch wenn die Wohnungen zum größten Teil mit Fernwärme beheizt würden.

Während die Schweriner WGS noch keine Kostenvoraussage wagt, ist man bei der Wismarer Wohnungsbaugesellschaft optimistischer. Deren Häuser sind zu 90 Prozent mit Gasheizungen ausgestattet. Die Mieter können hoffen, dass die gesunkenen Gaspreise den Mehrverbrauch ausgleichen. "Ich vermute, die Abschläge werden reichen", sagte Geschäftsführer Klaus-Dieter Thauer.

Energieberater Horst-Ulrich Frank von der Neuen Verbraucherzentrale in Neubrandenburg erwartet, dass das allgemein gesunkene Energiepreisniveau den höheren Verbrauch nicht ganz ausgleichen wird. Einen ersten Ansturm auf seine Beratungsstunden erwartet er im April, wenn die ersten Abrechnungen verschickt werden. "Vorher hat man nicht so das Bewusstsein für die Kilowattstunden-Zahl", lautet seine Erfahrung. Es gebe aber auch Wohnungen, die seien so schlecht gedämmt, dass alles Sparen nichts nütze. Die Wohnungsgesellschaften fühlen sich da nicht angesprochen. "Mit der Sanierung der Plattenbauten sind wir seit Jahren durch", so der Sachgebietsleiter Betriebskosten der Schweriner WGS, Peter Majewsky.

Mehr als 200 000 Menschen in MV brauchen sich keine Sorgen über gestiegene Heizkosten zu machen, weil sie Hartz-IV- Leistungen beziehen. Für sie übernehmen Bund und Kommunen die Kosten der Unterkunft inklusive der Nebenkosten in "angemessener" Höhe, praktisch aber immer zu hundert Prozent. 2008 seien das im Nordosten 427 Millionen Euro gewesen, sagte der Finanzexperte des Städte- und Gemeindetages, Thomas Deiters. 302 Millionen Euro davon mussten die Landkreise und kreisfreien Städte tragen. "Wir befürchten natürlich, dass das gewaltig nach oben geht." Deiters beklagte, dass das Hartz-IV-Gesetz keinen Anreiz gebe, sich bei den Heizkosten wirtschaftlich zu verhalten. "Es wäre schön, wenn man die Leute belohnen könnte, die sparsam damit umgehen." Deiters regte an, die Regelleistungen für Langzeitarbeitslose um 20 bis 30 Euro pro Monat zu erhöhen und sie dafür an den Energiekosten zu beteiligen.