Ein Angebot des medienhaus nord

Nach Facebook-Streit wegen Mathe-Rätsel Messerstecher soll fast sechs Jahre in Haft

Von Redaktion svz.de | 01.12.2017, 12:13 Uhr

Im Revisionsprozess um den Messerangriff wegen eines Mathe-Rätsels ist das Gericht bei einer mehrjährigen Haftstrafe wegen versuchten Totschlags geblieben. Der Streit um die richtige Lösung sei ein „nichtiger Anlass“ für versuchten Totschlag gewesen, befand der Richter.

Im Revisionsprozess um eine Messerattacke in Wismar nach einem Facebook-Streit hat das Landgericht Schwerin den Angeklagten zu fünf Jahren und neun Monaten Haft verurteilt. Der 30-Jährige sei des versuchten Totschlags schuldig, sagte der Vorsitzende Richter am Freitag zur Begründung des Urteils. Der Maler hatte gestanden, im April 2016 einen damals 19-Jährigen mit einem Küchenmesser schwer verletzt zu haben. Am Tag zuvor hatten die beiden, die sich bis dahin nicht kannten, via Facebook über die Lösung eines Mathematik-Rätsels gestritten und sich dabei gegenseitig heftig beleidigt. Ein erstes Urteil des Landgerichts über sechs Jahre und sechs Monate Haft von 2016 hatte der Bundesgerichtshof aufgehoben.

Der Täter hatte den damals 19-Jährigen zufällig auf der Straße getroffen und anhand seines Fotos auf Facebook erkannt. Spontan entschloss er sich laut Gericht, dem anderen „eine Lektion zu erteilen“. Erst stach er ihn mit seinem Messer in den Bauch und danach in den Rücken. „Ohne sich weiteres zu denken“, so das Gericht, sei der Mann weggegangen, als der Attackierte am Boden lag. Nach Ansicht des Gerichts wusste er, dass das Opfer durch die Wucht und Tiefe der Stiche hätte sterben können. Dennoch holte er keine Hilfe.

Dem 19-Jährigen musste eine Niere entfernt werden. Er habe den Angriff „nur durch glückliche Umstände“ überlebt.

Der Angeklagte hatte ausgesagt, dass er seinen Kontrahenten keinesfalls töten wollte. Auch sei ihm der lebensgefährdende Zustand seines Opfers nicht bewusst gewesen. Seine Verteidiger hatten deshalb beantragt, ihn lediglich wegen gefährlicher Körperverletzung zu maximal zwei Jahren und sechs Monaten Gefängnis zu verurteilen. Der Angeklagte zahlte zudem bereits 20 000 Euro Schmerzensgeld und sagte weitere 10 000 Euro zu. Am Ende kam die Strafkammer jedoch zur selben Einschätzung wie die Strafkammer vor einem Jahr und wertete den Fall als versuchten Totschlag. Lediglich beim Strafmaß urteilte sie um neun Monate milder.

Das umstrittene Mathe-Rätsel lautete: „Die Hälfte meiner Zahl ist die Hälfte von 400“. Der Streit um die richtige Lösung sei ein „nichtiger Anlass“ für den versuchten Totschlag gewesen, sagte der Vorsitzende Richter in seiner Urteilsbegründung.