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Übersicht Meeresgigant für Ozeaneum

Von dpa | 04.04.2008, 03:47 Uhr

Er ist fast so schwer wie ein Jumbojet, gilt als der ungekrönte Riese der Weltmeere und ist trotzdem äußerst bedroht.

Der seit Ende der 1960er Jahre streng geschützte Blauwal zählt weltweit nur noch wenige tausend Exemplare, wie der Direktor des Deutschen Meeresmuseums, Harald Benke, berichtet. Die Forscher beunruhigt vor allem, dass trotz der 40-jährigen Schutzbemühungen kein Anstieg des Bestandes zu verzeichnen ist. „Offenbar ist die Population bereits soweit dezimiert, dass geschlechtsreife Tiere Schwierigkeiten haben, einen geeigneten Partner zu finden“, erklärt der Walforscher.

Mit der Ausstellung „1:1 Riesen der Meere“ im künftigen Ozeaneum in Stralsund will die Einrichtung zusammen mit der Umweltorganisation Greenpeace in besonderer Weise auf die Bedrohung der gigantischen Meeressäuger aufmerksam machen. Modellbauer, Bildhauer und Präparatoren fertigen derzeit lebensechte Wal-Nachbauten, die vom Juli 2008 an in der Eingangshalle des 60 Millionen Euro teuren Museumsneubaus zu sehen sein werden. Über dem Besucher wird ein 26 Meter langer Blauwal gleiten, daneben schwimmt ein Orca und eine Buckelwalmutter mit Kalb - alle in Lebensgröße. Ein 15-Meter-Pottwal soll mit einem Riesenkalmar kämpfen, der seine Arme um den Leib des Meeressäugers ringt. „Diese wunderbaren Tiere sind durch den Klimawandel, die Fischerei und die Verschmutzung ihres Lebensraumes bedroht. Wir wollen mit unserer Ausstellung die Faszination der Meeresriesen und ihre Bedrohung erlebbar machen“, sagt Greenpeace- Projektleiter Thomas Henningsen.

Der Umweltverband übernimmt die Finanzierung dieses 1,45 Millionen Euro teuren Ausstellungsteils. Vor allem die Klimaerwärmung wird nach Einschätzung von Greenpeace zur akuten Bedrohung für den Blauwal, der sich täglich von drei bis vier Tonnen Krill ernährt. Zusammen mit der Überfischung sorge das Erderwärmung dafür, dass immer weniger dieser Kleinkrebse zu finden seien, erklärt Henningsen.
In einer Lagerhalle bei Stralsund entsteht derzeit eines der weltweit wenigen Blauwalmodelle. Mit seiner Gesamtlänge von 26 Metern ist der Styropor-Wal etwas kleiner als sein mehr als 70 Jahre älterer Artgenosse im National History Museum in London. Die Präparatoren und Künstler haben den Ehrgeiz, einen möglichst lebensechten Riesen herzustellen. „Wir haben Fachbücher gelesen, Filme gesehen, Walskelette studiert“, berichtet der Bildhauer Volker Stein. Der 39- Jährige gehört zum Team des Dresdner Figurenbaubetriebes Peter Ardelt, das derzeit den Blauwal fertigt. An einem Stahlkorsett haben die insgesamt zehn Modellbauer große Styroporquader befestigt. Mit Sägen und grobem Sandpapier geben Volker Stein und seine Kollegen dem Wal derzeit die typische Form. Anders als in London wollen sie das Tier in Bewegung zeigen: die Fluke zeigt nach unten, der massige Körper beschreibt einen großen Bogen, so als würde das Tier nach dem Luftholen wieder ins Meer abtauchen.

In den nächsten Wochen wird das elf Tonnen schwere Modell mit einer Spezialspachtelmasse versehen. Brandschutzfarbe und glasfaserverstärktes Polyesterharz sorgen für eine glatte, dehnbare und feuerresistente Oberfläche. Zum Schluss werden die Exponate naturgetreu bemalt. Zusammen mit den zwei Buckelwalen, dem acht Meter langen Orca, Pottwal, Riesenkalmar und Kelp - einer Großalge - wird er hängend unter dem Hallendach platziert. Multimediale Infopulte und über Lautsprecher eingespielte Walgesänge und Meeresgeräusche ergänzen diesen Ausstellungsteil.
Die Arbeiten im Museumsneubau laufen derzeit auf Hochtouren. Parallel zum Innenausbau bestücken Aquarienspezialisten aus Dänemark die ersten der 40 Großaquarien mit Dekorationselementen. Auf dem Grund des 2,6 Millionen Liter fassenden Schwarmfischbeckens wird ein Pottwalskelett installiert. In dem Ostseebecken sorgt ein Schiffswrack für eine naturnahe Atmosphäre. In den Aquarien werden später rund 7000 Meerestiere leben.