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ASB-Wünschewagen Ein Samariter für jeden Tag

Von Karin Koslik | 10.12.2022, 10:00 Uhr

Ehrenamtler sind die Basis des Wünschewagen-Projektes. Zu den 68 Frauen und Männern, die in Mecklenburg-Vorpommern ihre Freizeit opfern, um letzte Wünsche wahr werden zu lassen, gehört Maik Eutin. Er begleitet mindestens eine Wunschfahrt pro Monat.

Für zwölf Leute zu kochen, ist für Maik Eutin gar nicht so einfach – der Profi-Koch ist eher an hundert Hungrige gewöhnt. Doch im Moment wird umgebaut, erst im Januar soll seine Küche im Mutter-Kind-Therapiezentrum des Arbeiter-Samariter-Bundes (ASB) in Graal-Müritz wieder voll hochgefahren werden.

Schon seit er fünf Jahre alt war, stand der Rostocker am Herd – zuerst neben seiner Oma, später mit seiner Mutter. „Ich wollte schon immer Koch werden“, erzählt er. Und so kam es: Nach seiner Ausbildung arbeitete er in einem Hotel in Warnemünde, wechselte aber bald in die Zentralküche der Uni-Medizin Rostock. Danach reiste er zehn Jahre lang für einen Caterer durch die gesamte Republik und bekochte Menschen in Seniorenheimen und Kitas. „Da war ich nur vier Tage im Monat zu Hause“, erzählt er. Also nahm er zunächst eine Stelle in der Rehaklinik in Prerow an und ist nun schon seit sechs Jahren Küchenleiter hier beim ASB in Graal-Müritz. „So habe ich geregelte Arbeitszeiten.“

Beim Kochen Kreativität ausleben

Kochen bedeutet für ihn, seine Kreativität auszuleben – selbst in der Küche für die Gemeinschaftsverpflegung. „Wir haben sie so aufgebaut, dass wir Restaurant-Standard fahren“, sagt der Küchenleiter. „Zum Beispiel würzen wir feiner, nicht nur mit Salz, Pfeffer und Paprika. Wir probieren auch mal was aus und kochen so viel wie möglich frisch.“ Sein jeweils dreiköpfiges Team ist perfekt eingespielt, alle unterstützen sich gegenseitig. „Und hier geht kein Essen raus, das nur der Koch allein probiert hat – wer gerade Dienst in der Küche hat, gibt auch seine Meinung ab.“ Die kleinen und großen Gäste des ASB-Zentrums wissen diese Qualität zu schätzen, die Kritiken sind hervorragend.

Helfer für Freunde und Wünschende

Inzwischen bleibt ihm neben Arbeit und Familienleben noch Zeit fürs Ehrenamt. „Ich wollte unbedingt etwas Soziales machen“, sagt der 43-Jährige. „Ich brauche etwas, das meine Seele beruhigt. Und ich möchte helfen.“ Eutin ist in seinem Freundeskreis als äußerst hilfsbereit bekannt. Gerade unterstützte er eine ukrainische Familie dabei, ihre neue Wohnung in Graal-Müritz einzurichten. „Manche sagen, ich bin der Samariter“, lacht er – passend zu seinem Arbeitgeber, der ja auch den Wünschewagen betreibt.

Von diesem Projekt hatte ihm Bettina Hartwig, die Projektleiterin, schon beim Einstellungsgespräch erzählt. „Damals war das in MV gerade gestartet“, erinnert er sich. „Ich habe gleich den Einführungskurs gemacht, aber in den ersten zwei Jahren haben die Termine nie zu meinem Terminplan gepasst. Und dann auf einmal klappte es ganz oft.“ Mindestens einmal pro Monat begleitet er nun eine Wunschfahrt. Meist startet das Team morgens und ist am Abend zurück. „Wir müssen ja erstmal die Wünschenden abholen, und die wohnen natürlich nicht alle in Rostock und Umgebung.“ Besonders bei Familienfeiern kann es manchmal spät werden, wenn der Wünschende gern noch länger bleiben möchte. Aber egal wie lange es dauert – „ich gehe danach mit einem ganz ruhigen Gefühl nach Hause und bin für mich zufrieden, dass ich jemandem einen schönen Tag bereiten konnte.“

Von wegen „nur der Fahrer“

Während der Fahrt sei er „nur der Fahrer“, sagt Eutin, weil er keine medizinische Ausbildung hat. Aber ganz so ist es nicht, denn er bedient auch die Trage, schiebt den Rollstuhl, spricht viel mit den Fahrgästen. Und sollte mal ein Notfall eintreten, hilft er den Fachkräften, so gut es geht.

Mit welchem Team er fährt, ist ihm komplett egal. „Selbst wenn ich jemanden nicht leiden könnte – für den einen Tag kann man sich ja wohl zusammenreißen“, meint er. „Da geht es schließlich nur um den Wünschenden.“

Der Umgang mit den Schwerkranken hat Eutins Reaktionen verändert, wenn im Bekanntenkreis ein ähnlicher Fall eintritt. „Man stellt seine eigenen Probleme hintenan. Meine Frau sagt, ich bin durch diese Fahrten viel entspannter geworden.“ So nützt sein Einsatz nicht nur dem Wünschewagen, sondern auch ihm selbst.

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