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Schwachpunkte in Lebensmittelsicherheit Abschlussbericht zum Skandal bei Wursthersteller Wilke: "Zu wenige Kontrollen"

Von dpa | 18.11.2019, 14:27 Uhr

Die Verbraucherschutzorganisation Foodwatch sieht die Aufarbeitung damit längst nicht als abgeschlossen an.

Im Fleischskandal um das Unternehmen Wilke sieht das hessische Verbraucherschutzministerium erhebliche Versäumnisse bei dem für die Lebensmittelüberwachung zuständigen Landkreis. Das geht aus dem Abschlussbericht hervor, den Ministerin Priska Hinz (Grüne) am Montag in Wiesbaden vorstellte. Demnach hätte der nordhessische Wursthersteller planmäßig zwölfmal im Jahr vom Landkreis Waldeck-Frankenberg kontrolliert werden müssen. "Aufgrund eines Fehlers des Landkreises ist die Firma Wilke auf ein dreimonatiges Kontrollintervall herabgesetzt worden", heißt es in dem Bericht.

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Ministerium will Lebensmittelsicherheit fördern

Das war laut Ministerium nicht der einzige Fehler: So sei bei einer Betriebsgröße wie bei Wilke eine regelmäßige Überprüfung aller Betriebsräume nötig. "Die vorgelegten Kontrollberichte aus dem Jahr 2018 sagen aus, dass Kontrollen jeweils nur in verschiedenen Bereichen des Betriebes stattgefunden haben, schwerwiegende Mängel werden in diesen Berichten nicht erwähnt." Hinz bekräftigte ihre Ankündigung, Konsequenzen aus dem Fall zu ziehen, unter anderem soll die Lebensmittelsicherheit durch drei zusätzliche Stellen im Ministerium und acht in den Regierungspräsidien verbessert werden.

Mehrere Tote durch Listerien

Anfang Oktober war der Fleischhersteller Wilke geschlossen worden, nachdem wiederholt Listerien-Keime in seinen Produkten entdeckt worden waren. Sie können bei geschwächtem Immunsystem lebensgefährlich sein. Drei Todes- und 37 Krankheitsfälle werden mit Wilke-Produkten in Verbindung gebracht. Die Staatsanwaltschaft Kassel ermittelt wegen fahrlässiger Tötung gegen den Geschäftsführer.

Aufarbeitung nicht abgeschlossen

Bereits vor dem Abschlussbericht zum Wilke-Fleischskandal erneuert die Organisation Foodwatch ihre Kritik an hessischen Behörden. "Die Aufarbeitung des Wilke-Skandals ist alles andere als abgeschlossen", sagte Foodwatch-Geschäftsführer Martin Rücker der Deutschen Presse-Agentur. Ministerin Hinz verweigere die nötige Aufklärung und erforderliche politische Konsequenzen. Rücker fordert eine Offenlegung aller relevanten Berichte, damit sich die Öffentlichkeit selbst ein Bild machen könne.

Laut Foodwatch hat der Fall Wilke einmal mehr die Schwachstellen des Kontrollsystems für Lebensmittel und der gesetzlichen Grundlagen gezeigt. Keine der von Hinz vorgelegten Schritte behebe diese Probleme. "Statt kommunaler Behörden, die einem permanenten Interessenkonflikt zwischen lokaler Wirtschaftsförderung und unabhängigen Betriebskontrollen ausgesetzt sind, benötigen wir eine politisch unabhängige Landesbehörde, die hessenweit die Kontrollen organisiert", erklärte Rücker.