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Weihnachtsspendenaktion Letzten Wunsch erfüllt: Noch einmal zu Orang-Utans, Eisbären und Korallen in den Zoo Rostock

Von Dörte Rahming | 02.12.2022, 14:47 Uhr | Update am 04.12.2022

Der ASB-Wünschewagen bringt Hospiz-Bewohner Gerhard R. in den Rostocker Zoo. Für den 72-Jährigen wird ein Herzenswunsch wahr.

Dieser Tag ist zwar kühl, aber sonnig – gut geeignet für einen Rundgang im Zoo. Am Haupteingang hat sich sogar eine Schlange gebildet, obwohl es mitten in der Woche ist. Besonders die Kinder sind voller Vorfreude auf all die Tiere, und auch Gerhard R. hatte sich schon sehr lange vorgenommen, hierherzukommen.

Allerdings kann er nicht mehr einfach so losgehen, obwohl er nur eine halbe Stunde entfernt wohnt. Aber seine Krankheit ist weit fortgeschritten, zwingt ihn in den Rollstuhl – nur kurz kann er daraus aufstehen, ihm wird schnell schwindlig. Sogar allein zu wohnen, ist nicht mehr möglich, deshalb lebt der 72-Jährige nun im Rostocker Hospiz.

Aber den Wunsch, in den Zoo zu kommen, hat er nicht aufgegeben. Zusammen mit seiner Schwester und dem Team vom ASB-Wünschewagen geht es nun los. „Wir haben es bisher nicht geschafft – immer, wenn es geplant war, ist gesundheitlich etwas dazwischen gekommen“, erzählt die Schwester.

Die erste Station soll das Darwineum sein, denn hier war Gerhard noch nie. Doch noch bevor die Gruppe das imposante Gebäude erreicht, steht ein Kamel in Sichtweite. „Ist das überhaupt ein Kamel? Es hat nur einen Höcker.“ Ein Schild klärt auf: Es ist ein Dromedar.

Dann wird es warm: Schon im Eingangsbereich des Darwineums kündigen sich tropische Temperaturen an. Die Riesenschildkröten gleich vorn bewegen sich erstaunlich schnell, die Besucher vom Wünschewagen sind fasziniert.

„Ein Aquarium zu haben – das wär´s“

Ein paar Schritte weiter: die ersten Aquarien, darin eine bunte Welt aus Korallen, Fischen oder Quallen. Ehrenamtler Maik Lewermann schiebt den Rollstuhl ganz nahe an die Scheibe. „Ein Aquarium zu haben – das wär´s“, murmelt Gerhard.

Und dann: das Menschenaffen-Haus. Das Dschungelklima lässt die Kühle draußen vergessen. Und beim Beobachten der jungen Gorillas und der großen Orang-Utans vergeht die Zeit schnell.

Gerhard steht aus dem Rollstuhl auf, lehnt sich an die Brüstung, damit er die Tiere so gut wie möglich sehen kann. „Das ist wirklich gut hier“, meint er. „Aber in den Tropen leben möchte ich nicht. Diese Luftfeuchtigkeit ist ja anstrengend.“ Er lacht.

Gleich nebenan thront ein riesiger Gorilla über dem Gelände und lässt sich scheinbar durch nichts aus der Ruhe bringen. In einem Extra-Käfig springen winzige Zwergseidenäffchen umher, die kaum größer als eine Handfläche sind. Und über allem hangelt sich ein Faultier sehr gemächlich an einem Seil entlang.

Direkt hinter einer Scheibe sitzen zwei Orang-Utans zusammen – es sieht aus, als würden sie plaudern. Mit dem Rollstuhl kommt Gerhard ganz dicht heran, Mensch und Tiere betrachten sich gegenseitig.

Krankheit für Stunden fast vergessen

Der besondere Zoobesucher fühlt sich sichtlich wohl. Für ein paar Stunden ist seine Krankheit fast vergessen. Und auch für seine Schwester ist es eine Auszeit, in der sie sich um nichts kümmern muss. „Einfach entspannen – das ist schön“, sagt sie. Und sie hätte sich auch nicht zugetraut, den Rollstuhl längere Zeit durch den Zoo zu schieben. „Es geht ja doch ein bisschen hoch und runter – das hätte ich unterschätzt.“

Ihre Familie stammt aus Stralsund. Gerhard hat lange in Berlin gewohnt, zog aber vor anderthalb Jahren nach Rostock, um in der Nähe seiner Schwester zu sein. Sie ist froh, dass ihr Bruder nun einen Platz im Hospiz hat und dort wirksame Medikamente gegen seine starken Schmerzen bekommt.

Inzwischen ist die kleine Gruppe wieder an kühler Herbstluft. Familien mit Kindern kommen entgegen, schauen auch auf die Jacken des Wünschewagen-Teams. „Tolle Aktion von euch“, sagt ein Vater im Vorbeigehen.

Eisbären als letzter Höhepunkt

„Die Tiere da vorne, die haben ein schönes dickes Fell“, sagt Gerhard. „Die leben bestimmt in den Bergen.“ Er hat Recht: es sind Yaks, die in Hochgebirgen leben. Letztes Highlight, bevor es langsam dunkel wird: die Eisbären auf ihrer Anlage am Polarium. Die beiden Jungtiere sind in ihrem ersten Lebensjahr ein ganzes Stück gewachsen. Gerade sind sie intensiv auf Fischjagd – die sind allerdings in einem Eisblock eingefroren und müssen mit den Krallen herausgelöst werden. Gerhard steht auch hier nochmal auf, lehnt sich wieder ans Geländer, um alles genau sehen zu können. „Die müssen ja wirklich was tun für ihr Essen“, lacht er.

Im Innenbereich des Polariums gibt es noch einmal Aquarien. Besonders faszinierend: die kleinen Haie. Wenn sie sich nicht bewegen, sind sie kaum zu sehen. „Die haben sich ja richtig angepasst“, meint Gerhard.

Gut zwei Stunden Zoo-Rundgang hat er durchgehalten. Er hat die Zeit still, aber offensichtlich genossen. „So im Rollstuhl ist das auszuhalten, so hab ich nichts dagegen“, lächelt er. Und seine Schwester ergänzt: „Nun haben wir das Schönste gesehen.“

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