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Übersicht Leipzig: Junge bleibt nach Bootsunglück vermisst - Ruderer trugen keine Schwimmwesten

Von Matthias Hasberg, ddp | 14.04.2008, 09:42 Uhr

Leipzig - Nach dem Bootsunglück auf dem Elsterkanal in Leipzig bleibt ein Zwölfjähriger weiter vermisst.

Die Polizei konnte den Jungen bis zum frühen Montagabend nicht finden, wie ein Polizeisprecher sagte. Erstmals kamen auch Spezialtaucher an der Unglücksstelle zum Einsatz. Kräfte von Feuerwehr und Bereitschaftspolizei sowie ein Hubschrauber unterstützten die Suche. Der genaue Unfallhergang ist bislang noch unklar. Entgegen erster Polizeiangaben hat ein Elfjähriger das Unglück überlebt.

Unterdessen stellte sich heraus, dass die fünf verunglückten Kinder im Alter von zehn bis zwölf Jahren keine Schwimmwesten trugen. Sie wollten an einer Regatta teilnehmen, die laut Stadtverwaltung nicht offiziell angemeldet war. Der Ruderverein Triton als Veranstalter war am Montag nicht zu erreichen.

Das Boot eines Rudervereins aus Dessau war am Sonntag auf dem Elsterkanal gekentert und ein rund vier Meter hohes Wehr hinab gestürzt. Zwei Mädchen und zwei Jungen konnten aus dem kalten Wasser gerettet werden. Einer von ihnen, ein elfjähriger Junge, wurde schwer verletzt in ein Krankenhaus eingeliefert, er ist noch nicht ansprechbar. Nähere Angaben zum Gesundheitszustand machte die Polizei nicht. Am Sonntagabend hatte es zunächst geheißen, der Elfjährige sei seinen Verletzungen erlegen. Am Montagmorgen korrigierte die Polizei ihre Angaben. Man bedauere die Falschmeldung vom Sonntagabend, sagte eine Polizeisprecherin.

Wegen der starken Strömung und Verwirbelungen unterhalb des Wehrs konnten am Morgen an der Unglücksstelle keine Polizeitaucher eingesetzt werden. Daraufhin seien spezielle Bau-Taucher angefordert worden, deren Ausrüstung auch für schwierige Gewässer geeignet sei, sagte ein Polizeisprecher. Unklar ist weiterhin, ob aufgrund der Hochwassersituation in Leipzig am Wochenende die Regatta überhaupt hätte stattfinden dürfen.

Das Unglücksgewässer „Elsterflutbett“ wird von der Weißen Elster und der Pleiße gespeist. Für die Weiße Elster bestand am Sonntag nach Angaben des Landesamts für Umwelt und Geologie wegen der starken Regenfälle Hochwasserwarnstufe eins. Der Pegel lag knapp oberhalb des Meldewerts von 180 Zentimetern, der Normalpegel liegt bei rund 120 Zentimetern. Auch die Pleiße war aufgrund der starken Regenfälle stark gefüllt, der Pegel war auf rund 150 Zentimeter geklettert, 20 Zentimeter höher als normal. Im „Elsterflutbett“ strömten am Sonntag nach Angaben der Landestalsperrenverwaltung rund hundert Kubikmeter Wasser pro Sekunde durch den Pegel. „Das ist rund zehnmal mehr als normal“, sagte ein Sprecher.

Ein Sprecher des Deutschen Ruderverbands sagte, das Anlegen von Schwimmwesten sei bei Wettkämpfen unüblich, da es die Sportler behindere. Hans-Dieter Lembke vom sächsischen Ruderverband verwies auf die Verantwortung des örtlichen Veranstalters. Dieser entscheide, ob eine Regatta durchgeführt wird und ob Rettungswesten getragen werden müssen. Offen sei weiterhin die Frage, wie das Boot bei der Anfahrt an die Startlinie in die Strömung geraten und schließlich das Wehr hinab stürzen konnte.

Laut Stadtverwaltung hatte der Ruderclub Triton die Regatta nicht angemeldet. Ob auch bei Hochwasser ein Wettkampf durchgeführt werden könne, liege in der Verantwortung des Veranstalters, sagte ein Stadtsprecher. Normalerweise werde dies aber bei Hochwasser untersagt. Vor dem Wehr seien ausreichend Warnbojen und -ketten angebracht gewesen.