Ein Angebot des medienhaus nord

DGB Nord kritisiert deutliches Lohngefälle im Land Leiharbeiter verdienen 35 Prozent weniger

Von Angela Hoffmann | 17.02.2011, 07:55 Uhr

Leiharbeiter mit Berufsabschluss verdienen in Mecklenburg-Vorpommern rund 35 Prozent weniger als entsprechend qualifizierte Vollzeitbeschäftigte. Das teilte gestern der Deutsche Gewerkschaftsbund (DGB) mit.

Leiharbeiter mit Berufsabschluss verdienen in Mecklenburg-Vorpommern rund 35 Prozent weniger als entsprechend qualifizierte Vollzeitbeschäftigte. Das teilte gestern der Deutsche Gewerkschaftsbund (DGB) unter Berufung auf Statistiken der Bundesagentur für Arbeit mit. Demnach erhalten Leiharbeiter im Nordosten im Durchschnitt nur 1275 Euro monatlich im Vergleich zu 1942 Euro aller Vollzeitbeschäftigten mit Berufsausbildung. Nur 4,4 Prozent aller Vollzeit-Leiharbeiter mit Berufsausbildung verdienten mehr als 2100 Euro.

"Die finanzielle Lage ist noch weit schlechter, als wir befürchtet haben", sagte Uwe Polkaehn, Vorsitzender des DGB Nord. "Leiharbeiter leisten die gleiche Arbeit wie andere Beschäftigte, bekommen aber deutlich weniger Geld und werden häufiger auch entlassen." Viele könnten trotz Vollzeitarbeit von ihrem Gehalt als Leiharbeiter nicht leben, kritisierte Polkaehn. Sie müssten oftmals einem Zweit- oder Drittjob nachgehen oder seien auf Hartz IV angewiesen. "Die Zahlen im Land sind deshalb besonders dramatisch, weil in Mecklenburg-Vorpommern die niedrigsten Löhne gezahlt werden", so der DGB-Chef.

Er bezeichnete die Leiharbeit generell als ausgeprägten Niedriglohnsektor, bei dem "der Staat Lohndumping und nicht existenzsichernde Arbeitseinkommen oftmals über Hartz IV oder andere Sozialleistungen wie das Wohngeld subventionieren muss". Die Neuordnung der Leiharbeit mit den Hartz-IV-Gesetzen sei gründlich gescheitert, sagte Polkaehn. Der Gesetzgeber sei nun gefordert, diesen "unwürdigen Zustand" zu beenden. In zehn anderen EU-Ländern würde inzwischen eine Gleichbehandlung der Leiharbeitskräfte gelten.

Nach Angaben der Agentur für Arbeit gibt es derzeit knapp 11 000 Leiharbeiter im Land. Die Zahl ist in den vergangenen Monaten gestiegen. Bundesweit gibt es rund 700 000 Leiharbeiter.

Trotz des aktuellen Lohngefälles hält Landeswirtschaftsminister Jürgen Seidel (CDU) die Leiharbeit weiterhin für ein "wertvolles Instrument vor allem in wirtschaftlichen Krisensituationen" wie in den vergangenen zwei Jahren. Das Ministerium verweist zudem auf den jüngsten Pakt für Arbeitskräftesicherung in Mecklenburg-Vorpommern, nach dem "arbeitsmarktgerechte Löhne" gezahlt und die Tarifbindungen erhöht werden sollen. Aufgrund des sich abzeichnenden Fachkräftemangels seien die Unternehmer gefordert, für entsprechende Arbeitsbedingungen zu sorgen.