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SVZ-Spendenaktion: Unsere Kinder Leiden bei Kindern stoppen

Von Redaktion svz.de | 14.12.2016, 05:00 Uhr

Endspurt bei unserer Spendenaktion. Experte beantwortete Fragen zu chronischen Darmerkrankungen

Starke Bauchkrämpfe, Gewichtsverlust und andauernde Durchfälle können auf eine chronisch-entzündliche Darmerkrankung hinweisen. In Deutschland sind etwa 320 000 Menschen von dieser Erkrankung betroffen. Darunter auch zahlreiche Kinder und Jugendliche, denen wir mit unserer diesjährigen Weihnachtsspendenaktion helfen möchten. Die Aktion geht in den Endspurt. Bitte helfen Sie mit!

Die zwei häufigsten Erkrankungsformen sind Morbus Crohn und Colitis ulcerosa. Anlässlich des jährlich stattfindenden Crohn & Colitis-Tags wurde eine bundesweite Telefonaktion zum Thema chronisch-entzündliche Darmerkrankungen (CED) durchgeführt: Betroffene konnten eine Woche lang ihre Fragen an renommierte CED-Experten aus ganz Deutschland richten. Darunter auch Prof. Michael Radke, Direktor der Kinder- und Jugendklinik an der Universitätsmedizin Rostock. Er berichtet exklusiv für die Leser unserer Zeitung über die Fragen, die die Anrufer am häufigsten beschäftigten.

Wie äußert sich eine chronisch-entzündliche Darmerkrankung? Weisen Bauchschmerzen oder Magen-Darm-Probleme wie Durchfall oder Blähungen auf eine CED hin?

Die ersten Zeichen einer chronisch-entzündlichen Darmerkrankung können von Fall zu Fall unterschiedlich sein. Symptome wie Bauchschmerzen oder Magen-Darm-Probleme ähneln auch anderen Erkrankungen wie beispielsweise dem sogenannten Reizdarmsyndrom. Aber auch Lebensmittelunverträglichkeiten (zum Beispiel eine Milch- oder Fruchtzuckerunverträglichkeit) könnten die Ursache von Bauchschmerzen sein. Nicht immer handelt es sich gleich um eine chronisch-entzündliche Darmerkrankung.

Typisch für eine CED sind Bauchschmerzen und häufige, schwere Durchfälle über mehrere Wochen, bei Colitis ulcerosa sind die Durchfälle meist blutig. Treten die Beschwerden dauerhaft auf, sollte auf jeden Fall ein Gastroenterologe aufgesucht werden, um die Ursache für die Symptome herauszufinden. Ein Selbsttest, der zum Beispiel auf der Patientenwebseite www.leben-mit-ced.de zu finden ist, kann zudem erste Hinweise geben, ob eine CED vorliegt. Solch ein Test kann und soll den Arztbesuch nicht ersetzen.

Welche Ursachen haben chronisch-entzündliche Darmerkrankungen? Gibt es Faktoren, die eine CED begünstigen?

Die genauen Ursachen der Erkrankung sind bislang noch unbekannt. Man geht davon aus, dass neben anderen Faktoren eine Barrierestörung der Darmwand eine Rolle spielt: Gewöhnliche Darmbakterien können in die Darmwand eindringen und lösen eine Fehlreaktion des Immunsystems aus, was zu einer chronischen Entzündung führt. Es handelt sich also um eine Autoimmunerkrankung. Hinzu kommt, dass die Erkrankung familiär gehäuft auftritt, was eine genetische Veranlagung vermuten lässt.

Was häufig missverstanden wird: Trotz familiärer Häufung wird die CED nicht direkt von den Eltern an die Kinder vererbt. Das Risiko für eine CED steigt zwar, aber vererbt wird lediglich die Veranlagung dafür. Ist die Erkrankung ausgebrochen, können sich Rauchen oder Stress negativ auf den Verlauf der Erkrankung auswirken.

Kann sich aus einer CED gegebenenfalls auch Darmkrebs entwickeln?

Menschen mit CED haben ein erhöhtes Risiko, an Darmkrebs zu erkranken. Je länger die Erkrankung besteht, desto größer das Darmkrebsrisiko. Aufgrund dessen sind Vorsorgeuntersuchungen wie Darmspiegelungen mit Biopsie insbesondere für CED-Betroffene unerlässlich.

Wann welche Vorsorgeuntersuchung relevant ist, hängt von der Dauer und der Schwere der Erkrankung ab und muss mit dem behandelnden Gastroenterologen besprochen werden.

Wie wird eine CED behandelt und welche Therapieformen gibt es? Wann kommt eine medikamentöse, wann eine operative Behandlung infrage?

CED sind bislang leider nicht heilbar. Mit einer geeigneten Therapie, die an die individuellen Bedürfnisse des Patienten angepasst ist, lassen sich die Symptome der Erkrankung jedoch gut kontrollieren. Wichtige Ziele der CED-Therapie: Die Beschwerdefreiheit der Patienten erreichen und den nächsten Krankheitsschub so lange wie möglich hinauszuzögern.

Darüber hinaus sollte die Darmschleimhaut komplett abheilen, da damit eine bessere Prognose assoziiert wird.

Bei der medikamentösen Therapie unterscheidet man zwischen Schub- und Erhaltungstherapie. Die Schubtherapie zielt darauf ab, akute Beschwerden zu verringern. Die Erhaltungstherapie hingegen soll einen erneuten Krankheitsschub verhindern. Je nach Schwere der CED kommen folgende Wirkstoffe zum Einsatz: Aminosalizylate, Kortisonpräparate, Immunsuppressiva und Biologika.

Operative Eingriffe müssen meist bei Patienten angewendet werden, die die Medikamente nicht vertragen, bei denen die Wirkstoffe keine Wirksamkeit zeigen oder deren Krankheitsverlauf kompliziert ist, das heißt, wo es aufgrund der Entzündung zum Beispiel Engstellen gibt.

Welche Therapien werden bei Kindern und Jugendlichen angewendet? Wie sehen die Therapieziele aus, und welche Nebenwirkungen können auftreten?

Eine CED tritt oft in jungen Jahren auf: Etwa jeder vierte Betroffene ist bei Erkrankungsbeginn jünger als 18 Jahre alt. Auch bei Kindern und Jugendlichen besteht das Therapieziel darin, die Beschwerden zu stoppen, um einen normalen Alltag und eine Teilnahme an sozialen Aktivitäten zu ermöglichen.

Hinzu kommt, dass eine CED die Entwicklung und das Wachstum von Kindern und Jugendlichen erheblich beeinträchtigen kann. Dies gilt es abzuwenden.

Bei der medikamentösen Behandlung kommen im Großen und Ganzen die gleichen Wirkstoffe wie bei Erwachsenen zum Einsatz. Ein chirurgischer Eingriff ist bei Kindern und Jugendlichen als letzte Therapieoption anzusehen, da eine OP am Darm immer mit Risiken verbunden ist.

Gibt es eine spezielle Diät bei CED? Was ist bezüglich der Ernährung zu beachten?

Eine spezielle „CED-Diät“, die Betroffene zwingend einhalten sollten, gibt es nicht. Es sollte bei diesem Thema jedoch zwischen aktiven Krankheitsphasen und Ruhephasen unterschieden werden. Während eines aktiven Schubs sollten Betroffene vorwiegend Lebensmittel zu sich nehmen, die den Darm nicht belasten, aber dennoch ausreichend Kalorien, Nährstoffe und Proteine enthalten. Weizen- oder Grießbrei, gedünstetes Gemüse und gekochter fettarmer Fisch wären beispielsweise ideal. Auch bei Komplikationen, beispielsweise bei Engstellen im Darm, ist Betroffenen zu raten, auf ballaststoffreiche, sehr fetthaltige und stark gewürzte Nahrung zu verzichten, um den Verdauungstrakt zu entlasten.

Im Gegensatz dazu gilt in Ruhephasen: Was dem Betroffenen bekommt, ist auch erlaubt. Welche Lebensmittel gut verträglich sind und welche nicht, muss leider jeder für sich selbst herausfinden. Dennoch ist darauf zu achten, dass der Körper immer ausreichend mit Nährstoffen, Vitaminen und Mineralstoffen versorgt ist.

So können Sie helfen
  Die Adventszeit ist die Zeit der Besinnung,  der Freude, der Familie und Kinder. Denkt man an Kinder und an Weihnachten, dann denkt man an ausgelassene Fröhlichkeit und ansteckendes Lachen. Kinder bedeuten  Glück. Kinder machen Familien aus. Doch nicht allen Eltern, Kindern und Großeltern in unserer  Gesellschaft geht es  gut.  Wenn Kinder krank werden, sind das oft doppelte Schmerzen – für die Kleinsten und bei den Eltern. Wenn Kinder an chronischen Krankheiten leiden, ist das nicht nur doppeltes Leid, sondern beeinflusst die Entwicklung und  verändert oft das ganze Leben der kleinen Patienten. Am Rostocker Universitätsklinikum haben sich erfahrene Mediziner, wie Prof. Dr. Michael Radke, Leiter der Kinder- und Jugendklinik,  und sein  Stellvertreter Prof. Dr. Jan Däbritz auf chronische Darmerkrankungen bei Kindern und Jugendlichen spezialisiert. Ihre medizinische Erfahrung: Starke Medikamente wie etwa Kortison, die bei Erwachsenen angewandt werden, richten bei Kindern oft mehr körperliche Schäden an, als dass sie helfen. Die Spezialisten sind überzeugt: Eine Ernährungstherapie ist die beste Medizin. Doch es fehlt seit Jahren an einer entsprechenden Beraterin. Wir wollen in einer gemeinsamen Aktion in der Adventszeit Spenden für eine Ernährungstherapeutin für die Kinderklinik sammeln. Es soll nur eine Anschubfinanzierung für das erste Jahr werden, an deren Beispiel Prof. Dr. Radke und Prof. Dr. Däbritz gerne nachweisen wollen, dass eine solche Stelle am Klinikum unverzichtbar ist. Warum unterstützen die „Schweriner Volkszeitung“, die „Norddeutschen Neuesten Nachrichten“ und „Der Prignitzer “ ein solches Vorhaben in der Uni-Medizin? Öffentliche Kassen sind bekanntlich immer leer. Die Krankenkassen müssen erst überzeugt werden.   Wir sagen, es ist Zeit,  etwas für unsere Kinder zu tun. Helfen Sie bitte mit bei der gemeinsamen Weihnachtsaktion unserer Zeitungen und der Kinder- und Jugendklinik, helfen Sie den Kindern. Jede Spende ist wichtig. Jede Spende hilft. Jede Spende kommt an. Kontodaten pro infantibus - Hilfe für das kranke Kind e. V. OSPA  Konto: 4 05 00 91 78 BLZ:  130 500 00 IBAN DE77 1305 0000 0405 0091 78 Verwendungszweck: „Unsere Kinder“ Bitte schreiben Sie für die Spendenquittung Ihre Adresse und Ihren Namen in die Zeilen für den Verwendungszweck. Vermerken Sie dort auch, falls Sie in der Zeitung nicht genannt werden möchten.