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Mecklenburg-Vorpommern Lehrlingslücke bleibt offen

Von Andreas Frost | 06.11.2012, 11:08 Uhr

Mehr als zehn Prozent aller Lehrstellen in Mecklenburg-Vorpommern waren Ende Oktober immer noch unbesetzt. Vor allem die Hotel- und Gaststättenbranche im Nordosten sucht noch händeringend Nachwuchs.

Mehr als zehn Prozent aller Lehrstellen in Mecklenburg-Vorpommern waren Ende Oktober immer noch unbesetzt. Besonders Hotels und Gaststätten fällt es offenbar schwer, genügend Auszubildende zu finden. Gesucht werden aber auch noch junge Verkäuferinnen, Installateure und Friseure. Der Deutsche Gewerkschaftsbund (DGB) forderte unterdessen, den Übergang von den Schulen in die Berufsausbildung in Mecklenburg-Vorpommern besser zu organisieren.

Für rund 1300 der 10 700 betrieblichen Ausbildungsplätze, die bei der Bundesagentur für Arbeit gemeldet waren, konnten die Unternehmen bislang keine passenden Bewerber finden. Allerdings hatten sich bislang auch nur 8900 Jugendliche aus Mecklenburg-Vorpommern über die Agentur für Arbeit auf Lehrstellensuche begeben, von denen bislang 202 erfolglos blieben. Laut DGB-Landeschef Ingo Schlüter sind in der Statistik jedoch nicht jene rund 2000 Jungen und Mädchen erfasst, die zum Beispiel mangels eines Schulabschlusses nicht bei der Agentur gemeldet sind. Um diese Jugendlichen in den Arbeitsmarkt zu integrieren, müsse das Land endlich den Übergang von der Schule in die Ausbildung besser organisieren. Dazu seien im so genannten Fachkräftebündnis, in dem unter anderem die Landesregierung, die Gewerkschaften, die Handwerkskammern und die Unternehmerverbände vertreten sind, im Frühjahr kluge Ideen zur Berufsorientierung, - beratung und -vermittlung gesammelt worden. Allein mit der Umsetzung komme die Landesregierung nicht hinterher. "Es ist mehr als ein Ärgernis", so Schlüter, wenn sich offenbar Bildungsminister Mathias Brodkorb (SPD) und Sozialministerin Manuela Schwesig (SPD) nicht einigen könnten, wer dafür zuständig ist.

Lehrlingsmangel wird zum Wachstumshemmnis

Wirtschaftsminister Harry Glawe (CDU) bewertete die Situation auf dem Ausbildungsmarkt dank der Auswahlmöglichkeiten als "Glücksfall für die Jugendlichen", aber als potenzielles "Wachstumshemmnis für die Unternehmen". "Große Sorgen" bereite ihm der Hotel- und Gaststättenbereich, in dem besonders viele Lehrstellen unbesetzt blieben. Der Tourismus sei ein "Eckpfeiler unserer Wirtschaft", so der Minister, und müsse dringend Nachwuchs ausbilden, wenn der "hohe Qualitätsstandard" der Branche gehalten werden soll. 630 Lehrstellen für Köche, Restaurant- und Hotelfachfrauen waren Ende Oktober frei. DGB-Landeschef Schlüter gab der Branche selbst die Schuld für die Lehrlingslücke. Lehrlingslohn und Qualität der Ausbildung würden nicht stimmen. "Wer würde sein Kind gern in Betriebe schicken, in denen der Jugendschutz nicht eingehalten wird und nur die Hälfte der Köche ihre Ausbildung auch beenden?", so Schlüter.

Matthias Dettmann, Hauptgeschäftsführer des Hotel- und Gaststättenverbandes (Dehoga) in Mecklenburg-Vorpommern, wies die Kritik zurück. Die Lehrstellen seien vor allem frei geblieben, weil die Zahl der Schulabgänger im Land sich in den vergangenen Jahren halbiert habe. Außerdem böten Hotels und Gaststätten deutlich mehr Lehrstellen an als andere Branchen. Inzwischen kämen zahlreiche Auszubildende aus anderen Bundesländern nach Mecklenburg-Vorpommern. "Das würden die Jugendlichen nicht machen, wenn hier generell die Bedingungen so schlecht wären", sagte Dettmann.