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Mecklenburg-Vorpommern Lehrer ohne Studium: Brodkorb wehrt sich gegen Kritik

Von Leithold/eska | 04.09.2013, 06:59 Uhr

Die Pläne von Bildungsminister Mathias Brodkorb (SPD) für mehr Seiteneinsteiger als Lehrer an den Schulen stoßen auf zunehmende Kritik.

Gestern sprach sich auch das Direktorium des Zentrums für Lehrerbildung und Bildungsforschung MV gegen das Vorhaben aus. In dem Direktorium sind alle lehrerbildenden Hochschulen des Landes vertreten. Den Angaben zufolge will Brodkorb es selbst Seiteneinsteigern ohne Hochschulabschluss ermöglichen, den Lehrerberuf ohne eine Nachqualifizierung zu ergreifen.

Der Minister verteidigte hingegen sein Vorgehen. Es gehe nicht um ein Absenken der Qualität, sondern um Gerechtigkeit im Lehrerzimmer. „Viele Fachleute ohne Lehramtsabschluss haben über Jahre in der Praxis bewiesen, dass sie Schüler gut unterrichten können“, erklärte Brodkorb. Sie würden sich weiterqualifizieren und eine Prüfung ablegen. Und deshalb hätten sie auch ein Recht auf Anerkennung ihrer Leistung und auf gleiche Bezahlung. In Einzelfällen seien Betroffene schon seit 15 Jahren im Schuldienst und hätten monatlich 500 Euro weniger als ihre Kollegen.

Hintergrund ist neben dem sich abzeichnenden Lehrermangel, dass in MV rund 2000 Lehrer ohne Hochschulabschluss mit einer DDR-Unterstufenausbildung arbeiten. Deren Abschlüsse wurden durch eine Initiative von Ex-Bildungsministerin Steffi Lamers (früher Schnoor) Anfang der 90er bundesweit anerkannt. Dennoch verdienen diese noch immer deutlich weniger als ihre Kollegen an den Grundschulen. Sie sollen durch die Gesetzesnovelle gleichgestellt werden. Brodkorb betont, es gehe um Lehrer im System: „Irgendwann muss Schluss sein mit der Bestrafung.“