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Landgericht Rostock fällte am Freitag Urteil Lea-Marie: Geld fürs große Leid

Von Redaktion svz.de | 16.09.2011, 10:07 Uhr

Lea-Marie erhält Schadensersatz. Allerdings steht die Höhe noch nicht fest. Der Streitwert in dem Prozess wurde aber von 30 000 auf 80 000 Euro festgelegt. Grund sind die schlimmen Verletzungen des Kindes.

Lea-Marie erhält Schadensersatz. Allerdings steht die Höhe noch nicht fest. Der Streitwert in dem Prozess wurdeaber von 30 000 auf 80 000 Euro festgelegt. Grund sind die schlimmen Verletzungen des Kindes, die eine lebenslange Nachsorge und Beeinträchtigung nach sich ziehen. Das war am Freitag das Ergebnis in der Schmerzensgeldklage des durch die eigene Mutter misshandelten Kindes aus Teterow gegen den Ex-Landkreis Güstrow, das die 10. Zivilkammer des Landgerichtes Rostock verkündete.

Der heute zehnjährigen Lea-Marie steht Geld vom 9. Juli 2003 bis 12. Juni 2006 zu (siehe „Der Fall: Chronologie). Der Landkreis sei zudem verpflichtet, dem Kind alle weiteren materiellen und immateriellen Schäden aus dem Vorfall der fahrlässigen Körperverletzung zu ersetzen, soweit sie nicht auf Sozialversicherungsträger übergegangen seien, heißt es in der Urteilsbegründung.

Für die Kammer gibt es keinen Zweifel daran, dass der Landkreis durch eine seiner Jugendamtsmitarbeiterinnen eine Pflichtverletzung begangen hat, für die der Kreis haftet. Die Mitarbeiterin sei verpflichtet gewesen, dem Hinweis der Demminer Kinderärztin vom 31. Mai 2003 auf die häufigen Verletzungen des Kindes nachzugehen, die Information an die zuständige Mitarbeiterin verlässlich weiterzugeben, so dass Hausbesuche bei der Mutter des Kindes hätten veranlasst werden können. Ein Einschreiten des Jugendamtes sei wegen des ärztlichen Hinweises geboten gewesen. Das Gericht geht davon aus, dass die Mutter zunächst weitere Verletzungshandlungen unterlassen hätte. „Die überforderte Mutter hätte die Hilfe des Jugendamtes bei der Erziehung angenommen, so dass es zu weiteren eskalierenden Handlungen nicht gekommen wäre“, war sich der Vorsitzende Richter sicher. Jedenfalls sei anzunehmen, dass den Jugendamtsmitarbeitern bei weiteren Hausbesuchen auch die körperlich schlechte Verfassung des damals zweijährigen Kindes aufgefallen wäre, so der Richter weiter.

Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig. Es wird damit gerechnet, dass der Landkreis Berufung beim Oberlandesgericht gegen dieses Urteil einlegen wird. Erst danach wird über die Höhe des Schmerzensgeldes entschieden.
Der Vorsitzende Richter machte aber gestern klar, dass keine Verjährung vorliegt und die Ärzte des Demminer Krankenhauses nicht mehr belangt werden können. Das waren Punkte, mit denen der Landkreis argumentierte.