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Begehrte "Seepferdchen" Langes Warten auf Schwimmkurse

Von Grit Büttner, dpa | 25.09.2011, 05:57 Uhr

Längst nicht jedes Kind in MV kann schwimmen, trotz der vielen Seen und Küsten im Land. Schulschwimmen sei zwar im Rahmenplan für den Sportunterricht verankert, sagte eine Sprecherin des Bildungsministeriums.

Längst nicht jedes Kind in Mecklenburg-Vorpommern kann schwimmen, trotz der vielen Seen und Küsten im Land. Schulschwimmen sei zwar im Rahmenplan für den Sportunterricht verankert, sagte eine Sprecherin des Bildungsministeriums. Stattfinden könne der Lehrgang im Wasser aber nur dort, wo die Möglichkeiten dazu in Schwimmhalle, See oder Freibad bestünden, schränkte sie ein. Es gebe keine Statistik darüber, wie viele Grundschüler auf dem Trockenen bleiben müssen und nicht mal die Chance auf das Erstschwimmerabzeichen "Seepferdchen" erhalten.

"Dort, wo Schwimmhallen vorhanden sind, funktioniert das Schulschwimmen gut", hieß es aus dem Bildungsministerium. So könnten in Schwerin fast alle Schüler der vierten Jahrgangsstufe nach eineinhalb Jahren Ausbildung frei schwimmen, bestätigte eine Stadtsprecherin. Jüngere Kinder indes hätten das Nachsehen. Weil die beiden städtischen Hallenbäder mit dem Schul- und Vereinsschwimmen nahezu ausgelastet seien, gebe es Wartezeiten für zusätzliche Schwimmkurse von bis zu einem halben Jahr. Für die stark sanierungsbedürftigen Hallen in der Landeshauptstadt sei jetzt ein Ersatzneubau geplant, hieß es.

In Rostock und Neubrandenburg gibt es laut Stadtsprechern keine Engpässe in den kommunalen Schwimmhallen. In Greifswald betreiben die Stadtwerke das Hallenbad, in dem vor allem das Schulschwimmen für die Hansestadt und das Umland stattfindet. Allerdings reichten auch dort die Kapazitäten nicht aus. So gebe es lange Wartelisten für Vorschulkinder, sagte Kathrin Michaelis, Betriebsleiterin des Bades. Der verregnete Sommer habe die Situation noch verschärft. Derzeit hätten sich 80 Kinder angemeldet, die letzten könnten erst ab Februar 2012 mit einem Platz im Schwimmkurs rechnen.

Thomas Powasserat, Referent für Wasserrettung im DRK-Landesverband, schätzt die Zahl der Nichtschwimmer im Land auf rund 30 Prozent allein unter den 10- bis 12-Jährigen. Grundlage sei eine Studie aus Nordrhein-Westfalen von 2008. "In MV wird es nicht besser aussehen", vermutete er. Besonders auf dem Land stünde bei etwa jedem dritten bis vierten Grundschüler Schwimmunterricht erst gar nicht auf dem Stundenplan.