Ein Angebot des medienhaus nord

Erstes Projekt: Solarpark Güstrow Kundenbeteiligung an Öko-Kraftwerken

Von Torsten Roth | 02.02.2011, 10:38 Uhr

Ökologische Geldanlage in MV: Der Regionalversorger Wemag gründet heute in Schwerin die Norddeutsche Energiegemeinschaft zur Beteiligung an regenerativen Stromerzeugern.

Ökologische Geldanlage in Mecklenburg-Vorpommern: Der Regionalversorger Wemag gründet heute in Schwerin die Norddeutsche Energiegemeinschaft zur Beteiligung an regenerativen Stromerzeugern. Mit dem Modell sollen Kunden vom Umbau der Energiewirtschaft profitieren können, erklärte Wemag-Vorstand Caspar Baumgart gestern. Zugleich könne die Genossenschaft alternative Kapitalanlageformen bieten.

Bislang hätten drei im Versorgungsgebiet der Wemag engagierte Banken ihre Unterstützung bzw. eine Beteiligung an der Genossenschaft zugesagt. Mit weiteren drei werde verhandelt. Die letzten Einzelheiten sollen bis nach dem für Ende März erwarteten Abschluss des Prüfverfahrens feststehen. Klar ist: Als Mindesteinlage seien 500 Euro vorgesehen, die jeweils in 250-Euro-Schritten aufgestockt werden könnten, kündigte Baumgart an. Nach den Erfahrungen bei der Gründung anderer Energiegenossenschaften, gebe es Kapitalanleger-Interesse an Beteiligungen. Erste Anfragen habe es bereits gegeben, sagte Baumgart. Die Genossenschaft stehe allen Anlegern offen.

Zum vorläufigen Vorstand wird u. a. Wemag-Manager Rolf Bemmann bestellt. Im Aufsichtsrat sollen neben Warins Bürgermeister Michael Ankermann, Wemag-Vorstand Caspar Baumgart auch der frühere Wirtschaftsminister Otto Ebnet sitzen.

Mit dem Beteiligungsmodell will die Genossenschaft Kapital für den Bau verschiedener Öko-Stromanlagen im Versorgungsgebiet der Wemag zwischen der Prignitz und der Ostseeküste einsammeln. Das erste Projekt: ein Solarpark in Güstrow mit einem Megawatt Leistung. Kosten: zwei Millionen Euro. Etwa ein Drittel solle durch Eigenkapital aufgebracht werden. Zudem sei in Kürze auch der Bau von vier bis fünf weiteren Photovoltaikanlagen geplant - Kosten je Anlage: 40 000 bis 60 000 Euro. Noch im ersten Halbjahr solle zudem die Entscheidung über den Kauf eines Windpark-Projekts fallen. Investitionen: 32 Millionen Euro.

Die Wemag hatte 2010 eines der bisher größten Investitionsprogramme angeschoben - insgesamt 64 Millionen Euro. Davon seien inzwischen etwa 43 Millionen Euro in den Ausbau der Netze gesteckt worden, etwa zehn Millionen Euro sollen in regenerative Energieanlagen gesteckt werden.

Die Gründung so genannter Energiegenossenschaften liegt bundesweit im Trend: In den vergangenen beiden Jahren habe es einen regelrechten Boom gegeben, sagte Joachim Prahst vom Genossenschaftsverband in Frankfurt am Main. Etwa 80 Energiegenossenschaften seien gegründet worden. Beteiligt hätten sich Privatleute und die örtliche Wirtschaft aber auch Kommunen. 2010 hatte beispielsweise der Bau eines drei Millionen Euro teuren und drei Hektar großen Bürger solarparks bei Waren begonnen - betrieben von einer Bürger solargenossenschaft. In kurzer Zeit hatten sich dort 50 Anteilseigner mit Beiträgen von 2500 bis 10 000 Euro beteiligt.