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Schlagresdorf Kraftakt für betagte Trecker

Von Hans-Georg Taken | 12.09.2011, 11:45 Uhr

Der Wettbewerb hat noch nicht begonnen, aber Besucher sind an diesem Samstagvormittag schon zu Hauf da. Männer knipsen mit ihren Kameras viele der über 150 Oldtimer-Traktoren.

Aus den dunklen Wolken fällt Nieselregen. Noch mehr Regen, dabei trieft das Feld in Schlagsdorf doch nur so vor Feuchtigkeit. Jetzt, da Trecker um Trecker keuchend und knatternd auf das Gelände der Trecker- Treck-Veranstaltung einbiegen, drücken ihre Reifen immer tiefere Furchen in den Boden. Wer keine Gummistiefel anhat, wird später seine Schuhe putzen müssen. In der Luft hängt Dieselgeruch, denn aus vielen Schornsteinen der betagten Landwirtschaftsfahrzeuge quillt rauchend das, was vom Kraftstoff übrig geblieben ist. Betagt sind die Trecker alle, denn Auflage bei diesem kuriosen Wettbewerb ist es, dass die Fahrzeuge mindestens 25 Jahre auf dem Buckel haben müssen.

Der Wettbewerb hat noch nicht begonnen, aber Besucher sind an diesem Samstagvormittag schon zu Hauf da. Männer knipsen mit ihren Kameras viele der über 150 Oldtimer-Traktoren, die dicht gedrängt auf dem stehen, was vor dem Regen wohl mal eine Wiese war. Mittendrin stapfen Kinder in Gummistiefeln durch den Schlamm und stehen staunend vor der Technik, die nicht nur den Nachwuchs begeistert. Ian ist zweieinhalb Jahre alt, und er ist mit Opa Peter aus Stove gekommen. "Der Kleine ist ganz fasziniert von den Treckern", sagt der Großvater und hebt den Knirps auf den Sitz eines grünen Fahrzeugs. Zuhause, sagt der Opa, habe Ian drei Spielzeug-Traktoren. "Aber das hier, das ist für ihn schon etwas ganz Besonders".

Etwas Besonderes, das ist auch das Fahr-D-130-Modell, mit dem Mike Hoffmeister aus Lüttmark bei Boizenburg als erster Starter ins Rennen geht. "Den Traktor habe ich erst am Montag für 1100 Euro bei e-bay ersteigert", sagt der 35-jährige Hobby-Traktorist. Jetzt hängt ein Bremswagen an seinem 13 PS-Gefährt und will so weit wie möglich gezogen werden. "Das Problem dabei ist", sagt Herbert Ruge vom Bremswagenteam, "dass der Bremswagen sein Gewicht verlagern kann und es somit für Traktoren immer schwieriger wird, ihn weiter zu ziehen." So weit wie möglich ziehen, das ist die Aufgabe, an die sich Mike Hoffmeister in der Klasse bis 14 PS macht. Es gibt noch neun weitere Wettbewerbsklassen, wobei die oberste und letzte Klasse, die Klasse 10, den Schwergewichten von 81 bis 110 PS vorbehalten ist.

Mike Hoffmeister fährt an. Links und rechts der 80 Meter langen Strecke stehen die Besucher hinter langen Holzbalustraden und schauen sich den Kraftakt an. Auf dem Bremswagen leuchtet die Meteranzeige. 15 Meter geschafft, 20 auch. Bei 24 wird’s kritisch, bei 25 Meter geht die Vorderachse in die Höhe. Schluss, weiter geht’s nicht. Später wird Hoffmeister noch einmal antreten, dann mit einem 25-PS-Trecker.

Im kommenden Jahr ist dritte Auflage geplant

Urs Sass ist einer der beiden Organisatoren dieser Veranstaltung und ist überall und nirgends. Gerade noch im Startbereich, sitzt er jetzt auf einem seiner alten "Glühköpfe", einem Lanz Bulldog aus dem Jahr 1936 und schleppt per Seil einen anderen Trecker hinter sich her, der alleine nicht durch den Schlamm kommt. Sass ist selbst leidenschaftlicher Sammler dieser alten Fahrzeuge. "Das Wetter hätte etwas besser sein können, aber wir sind mit der Veranstaltung sehr zufrieden", sagt er. Und am Sonntag, einen Tag nach der Veranstaltung, als sich die Besucherzahl herauskristallisiert, da ist er erst recht zufrieden. "Schätzungsweise waren rund 2500 Besucher hier, die sich die über 150 Fahrzeuge angeschaut haben", sagt Sass. Im vergangenen Jahr waren es rund 1000 Gäste. Für den Veranstalter steht fest: "Im kommenden Jahr wird es die nächste Auflage geben. Die soll wieder im September stattfinden."

Den kleinen Ian wird’s freuen, denn bestimmt will er mit Opa wieder hin. Und vielleicht hat Mike Hoffmeister bis dahin ja auch wieder einen neuen Traktor ersteigert.