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In Rostock lässt Entgeltfreiheit die Kasse klingeln Kostenlos ins Museum? Nicht in Schwerin

Von Juliane Haendschke | 11.10.2011, 07:30 Uhr

Spenden statt Eintritt ins Museum? Was in Rostock die Kassen klingeln lässt, würde in Schwerin laut Oberbürgermeisterin und Kulturdezernentin Angelika Gramkow den Haushalt zu stark belasten.

Spenden statt Eintritt ins Museum? Was in Rostock die Kassen klingeln lässt, würde in Schwerin den Haushalt zu stark belasten. "Freier Eintritt wäre zwar wünschenswert, ist aber bei der derzeitigen Finanzlage Schwerins nicht praktikabel", sagt Oberbürgermeisterin und Kulturdezernentin Angelika Gramkow.

Sie schließt damit aus, was in der Hansestadt Rostock seit Jahren die Kassen füllt. Statt Eintritt zu kassieren, stehen dort Spendenboxen in den Museen. Das kommt anscheinend gut an, denn die Besucher sind großzügig. Das Kulturhistorische Museum in Rostock rechnet eigenen Angaben zufolge allein in diesem Jahr mit etwa 40 000 Euro Mehreinnahmen.

Hinzu kommt ein positiver Nebeneffekt: "Es ist eine deutliche Besuchersteigerung zu verzeichnen", sagt Stadtoberhaupt Roland Methling (parteilos). Natürlich musste auch Rostock sparen und tat das vor allem beim Museumspersonal - sowohl beim Kulturhistorischen Museum als auch bei der Kunsthalle. Dennoch plädiert Methling dafür, die Entgeltfreiheit auch im kommenden Jahr fortzuführen. Vor fünf Jahren hatte die Bürgerschaft den freien Eintritt als Modellprojekt erstmalig beschlossen und wegen guter Erfahrungen zwei Jahre darauf bis Ende 2011 verlängert.

Ist das Experiment auf Schwerin übertragbar? Freier Eintritt für die beiden städtischen Museen, das Schleswig-Holstein-Haus und das Freilichtmuseum in Mueß, wäre für Gramkow "zwar wünschenswert", steht für die Kulturdezernentin aber zurzeit nicht zur Diskussion. Stattdessen "bieten wir Ermäßigungen über die Schwerin-Card an", sagt sie. Dazu seien bestimmte Veranstaltungen für Kinder und Jugendliche auch eintrittsfrei. "Ich schließe nicht aus, dass wir für diese Zielgruppe künftig mehr kostenlose Veranstaltungen der kulturellen Bildung anbieten", sagt die Dezernentin weiter. Während Museumsbesucher in Rostock also die Spendenboxen freiwillig füllen, erheben Schweriner Museen weiter Eintritt? Ganz so einfach ist die Rechnung nicht: Auch die Rostocker Kunsthalle bittet für kostspielige Sonderausstellungen die Besucher zur Kasse. Das brachte im Jahr 2009 etwa 70 000 der insgesamt 113 000 Euro Gesamteinnahmen. Acht Euro Eintritt kostet die derzeit gezeigte Ausstellung mit Fotografien von Andreas Mühe. "Sie ist mit bislang 4000 Besuchern sehr gut besucht", sagt Kunsthallen-Sprecher Matthias Schümann. Im Übrigen gibt es auch in Schwerin Ausstellungen, für die Besucher keinen Eintritt zahlen müssen: im Foyer des Staatstheaters, in der MV-Fotogalerie und im Schweriner Kunstverein im E-Werk.